The Psychonauts – Songs for Creatures


(Gigolo 121, VÖ : 01.02.2010)

Januar 14th, 2010 | 0 Kommentare ...  

The Psychonauts – Songs for Creatures

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Kann man die Wiederveröffentlichung eines Albums nach sieben Jahren als Bestätigung immenser Einflußnahme auf das musikalische Zeitgeschehen seit der Entstehung ansehen? Verallgemeinern sollte man die folgende, möglicherweise gewichtige Antwort gewiss nicht. Im speziellen Fall der Psychonauts ist eine zustimmende Reaktion hinsichtlich ihres 2003 aufgenommenen Longplayers jedoch absolut zutreffend. Selbst – und Fremdernannte Musikexperten wie Obergigolo DJ Hell und DFA-Mitbegründer James Murphy nennen Songs for Creatures als wesentliche Inspiration für ihren jeweils letzten Studio-Output. Im Electroclash-Wahn zu Beginn der Nuller ziemlich an den Rand gedrängt, weil damals wenig repräsentativ für den Gigolokatalog, blieb die Platte bis dato ein gutgehüteter Geheimtip für Djs und manische Plattensammler. Der bevorstehende Re-Release dürfte sowohl für das britische Duo als auch für Hells Label den Aufbruch zu neuen oder längst verschollen geglaubten Ufern markieren.

Als Inspirationsquelle wird Songs for Creatures auch in Zukunft noch für Viele herhalten. Die elf Tracks schöpfen aus einem schier unergründlichen Fundus an stilistischer Vielfalt. Kickender, Remixerprobter DJ-Stoff im reduzierten Electro – Gewand wie Empty Love oder ein zeitversetzter Waveklassiker wie World keeps turning geben sich mit zurückgelehnten Downtempo Stücken wie Life’s Swift Charger oder Hips for Scotland die Klinke in die Hand.

Hot Blood, erstmals 1999 auf James Lavelles’ legendärem, mittlerweile leider abgemeldeten Trip-Hop Label Mo’ Wax erschienen ist einer der Tracks, welcher mit seinem markanten Flötensolo aus tausend anderen Veröffentlichungen hervorsticht. Natürlich ist es Songs for Creatures in seiner Gesamtheit anzuhören, dass die eine Hälfte der Psychonauts, Pablo Clements, die andere Hälfte von Lavelles’ Projekt UNKLE darstellt. Doch wo bei UNKLE das Spiel mit großen Namen und Gesten im Vordergrund steht, verlassen sich die Psychonauts auf die wirklich unvergänglichen Elemente und verzichten auf den Schockeffekt, wohlwissend um die pure Klasse ihres Werkes. Nahezu wehmütig denkt man an die Hochphase eines DJ Shadow oder Krust zurück.

Die Vergänglichkeit großer Taten wird einem mit zunehmender Überflutung wieder einmal bewusst. Wenn dich aus einer selig-entrückten Soundcollage wie Dream Chaser die Vergangenheit in Form des oben erwähnten World keeps turning erweckt, beginnt die Zukunft jeden Tag aufs neue.

Songs for Creatures ist ein zeitloser Klassiker. Ohne Übertreibung.

www.gigolorecords.com



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