Wolfgang Doebeling: Es mangelt an Aktualität


Oktober 8th, 2009 | 2 Kommentare ...  

Wolfgang Doebeling: Es mangelt an Aktualität

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Drei deutsche Musikmagazine Rolling Stone, Musikexpress (beide 15) und Metal Hammer (25) feiern dieses Jahr runde Geburtstage. Feiern? Dem ist kaum so, schaut man sich die schwindenen Auflagenzahlen an. Daher blicken sie in ihren Jubiläumsausgaben auch mal lieber zurück, als nach vorn, dort könnte nämlich auch für sie das böse Internet stehen.

Beglückwünscht werden sie trotzdem – von alten Männern wie Element of Crime, Metallica oder aber auch Tocotronic. Die eingesessene Klientel will es sich mit ihrer Lobby natürlich nicht verscherzen. Doch haben die Springer-Verlags Blätter ihre Auflagenkrise auch teilweise selbst verursacht, reicht ihr Horizont doch nur selten an aktuelle Themen heran.

Rolling-Stone Autor Wolfgang Doebeling sprach dazu in einem herzerleuchtenden Interview “Ein jämmerlicher Zustand” auf news.de viele wahre Worte.

Hier einige Auszüge:

Zur Aktualität:

Das entscheidende Problem ist, dass der Musikbetrieb sehr statisch geworden ist, schwerfällig und unbeweglich. … Viele Platten erscheinen in Deutschland, sofern sie überhaupt hier erscheinen, mit monatelanger Verzögerung. Das führt wiederum dazu, dass die Musikzeitschriften und sogar die Radiostationen hierzulande immer hinterherhinken…

Es fehlt hier aber auch an Tiefe und Breite. Also machen alle in Generalismus und kratzen an der Oberfläche.

Eine aufregende neue Band in England haut erstmal zwei, drei Singles raus, oft in Eigenregie. Jede Woche erscheinen dort Dutzende Singles auf kleinen und kleinsten Labels. In Deutschland wird eine neue Band unter Vertrag genommen und dann erstmal weggeschlossen. Bis dann nach frühestens einem Jahr Album, Outfit, Videos und Marketingstrategie fertig sind, ist die Band gewöhnlich tot.

Überall werden dieselben Platten besprochen und gespielt.

Zu Musikjournalismus:

Denn es gibt ihn ja nicht, den Musikjournalismus. Es gibt den Erfüllungsgehilfenjournalismus, den Trittbrettfahrerjournalismus, den Feuilletonismus, das Fanzineschreibertum, das Geplänkel auf Meta-Ebenen. Dann gibt es noch solche, für die Musik kein schnödes Hobby ist, die gar nicht anders können als sich tagein, tagaus mit Musik zu beschäftigen.

Das ganze Interview:

http://www.news.de/medien/855026510/ein-jaemmerlicher-zustand/



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. danny roth  

    wahre worte, hätte ich dem mann nicht zugetraut!

  2.  
    2. riot_queer  

    Dem ist nichts hinzu zufügen:

    "Es fehlt hier aber auch an Tiefe und Breite. Also machen ALLE in Generalismus und kratzen an der Oberfläche."

    Das gilt auch für so viele Webseiten, die meinen das sie mit kritiklosem Beklatschen von (meist britischen) Newcomern ohne jede Aussage und noch weniger musikalischem Können eine Alternative zu den etablierten Medien darstellen. *hüstel* 🙂

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