Schokoladen dreht die Amps um 6 Uhr morgens auf


… und fordert eine Ausnahmeregelung vom gesetzlichen Schutz der Nachtruhe für Livemusik.

August 1st, 2011 | 0 Kommentare ...  

Schokoladen dreht die Amps um 6 Uhr morgens auf

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Witzig: aus Protest gegen die zunehmenden Restriktionen von Clubsounds ab 22 Uhr dreht der Schokoladen nun den Uhrzeiger einmal rum, und kündigt ein Petitions-Konzert am kommenden Montag für 6 Uhr morgens an.

Zum ersten After-Night oder Morgenrock Gig sind “Reactory” (Thrashmetal, Berlin) und “Budyet” (Noisefunk, Berlin) zwei Formationen, die es bestimmt laut und gut krachen lassen.

Zugleich geht der von der Schließung bedrohte Schokoladen in die Offensive. In einem Begleitschreiben fordern die Betreiber (Wortlaut):

– die Änderung des Berliner Landesimmisionsschutzgesetzes,

– eine  Ausnahmeregelung des Schutzes der Nachtruhe zwischen 22 und 24 Uhr für Geräusche, die durch die Nutzung von Tonwiedergabegeräten und Musikinstrumenten verursacht werden, gültig für Wohngebiete innerhalb des Innenstadtrings,

– sowie die Anerkennung der Nutzung von Tonwiedergabegeräten und Musikinstrumenten als Ausdruck der menschlichen Entfaltung und Gemeinschaftsbildung als grundsätzlich sozialadäquat und damit zumutbar.

Begründet wird dies durch die über Jahre gewachsene Struktur aus kleinen und großen Veranstaltungsorten, Clubs, Galerien und Kneipen, welches Berlins Lebendigkeit und Attraktivität ausmacht.

In den letzten Jahren mussten jedoch dutzende Veranstaltungsorte aufgrund von Anwohnerbeschwerden das Live-Programm zurückfahren oder gar komplett einstellen.

Dreht sich die Debatte dabei oftmals um das Thema Anwohner gegen Clubs, folgert der Schokoladen daraus, dass je eingeschränkter die Freiräume für Livemusik werden, desto weniger Möglichkeiten gibt es für Musiker und Musikfans, desto unattraktiver wird diese Stadt für die Menschen, die in ihr leben und sie besuchen.

Weiterhin seien auch auch Musiker/innen und Musikfans Anwohner und Nachbarn. Auch sie haben ein Recht auf „ihre“ Stadt und ihren Erlebnisraum. Und so wie der Lärm spielender Kinder als sozial angemessen eingestuft wird, bedarf es auch eines entspannteren Umgangs mit möglichen durch Live-Musik verursachten Geräuschen , der der Lebenswirklichkeit der Stadt entspricht.

Dabei geht es dabei nicht darum, die Fronten zwischen Anwohner und Club zu verhärten, sondern eine Ausgleich zu finden zwischen dem berechtigten Anliegen nach Lärmschutz einerseits und dem Wunsch nach dem Livemusik-Erlebnis andererseits.

Aus diesem Grund fordert der Schokoladen eine, wie er sagt  “zeitlich angemessene Ausnahmeregelung vom gesetzlichen Schutz der Nachtruhe für Livemusik”.

Dem seit 1990 bestehenden Verein Schokoladen e.V. in der alten Schokoladenfabrik Ackerstraße 169, bestehend aus dem Kneipenkollektiv »Schokoladen«,  Theater im Schokohof , »Club der polnischen Versager«, Ateliergemeinschaften, Proberäumen und Tonstudios sieht seiner Schließung entgegen.

Interessenten können sich auf der eigens eingerichteten Website http://www.berlin-braucht-schokoladen.de über ihre Möglichkeiten der Teilnahme zur Erhaltung des Vereins informieren.



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