Neubauten, Wire, Brötzmann auf ZDF.Kultur


Dezember 2nd, 2011 | 1 Kommentar ...  

Neubauten, Wire, Brötzmann auf ZDF.Kultur

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Vor zweieinhalb Monaten traten die Einstürzenden Neubauten, Wire und Caspar Brötzmann Massaker im Trafo für ZDF.Kultur in der Rubrik Berlin Live auf.

Die Idee dahinter ist zeitgenössische Musik (es gab noch andere Termine mit aktuelleren Bands) wieder ins Fernsehen zu bekommen, auch wenn das so recht keiner mehr einschaltet. ZDF.Kultur ist sozusagen der letzte Versuch ein jüngeres Publikum unter 65 anzusprechen.

So konnte man am 15. September die recht interessante Kombination dreier gestandener Formationen erleben, die alle dick mit den abonnierten Attributen Kunst, unkonventionell, experimentell, Mitbegründer, Vorreiter usw. versehen irgendwie die avantgardistische Speerspitze der Berlin Live Reihe bildete.

Der n war groß, Karten gabs nur auf Losglück und der Trafo in Kreuzberg/Mitte eine (merk)würdige Kathedrale Indutriearchitektur, merkwürdig insofern, dass man sich ein solch gewaltiges Gebäude inmitten der Stadt gar nicht vorstellen mochte.

Ums kurz zu machen: jede Band hatte 30 Minuten, dann wurde gewechselt – was ganz innovativ war, der Klang in dem gewaltigen Klangkörper allerdings nicht zu bändigen, in seinen langen Echos mal grauenhaft.

Das kam ausgerechnet bei den alten Krachmastikern Einstürzende Neubauten völlig ungelegen, fordern Blixa und seine Mannen ja mittlerweile gestochen scharfe Klangreinheiten so wie die Gourmetküche statt Burgermeister. Der über-affektierte Interviewversuch von Moderatorin Silke Super mit dem unfreiwillig um Fettnäpfchen tanzende Herrn Bargeld (nö, nein, ach nö) war da, wäre es nicht so entlarvend peinlich gewesen, schon der eigentliche Brüller, und man darf gespannt sein, ob das auch im TV gezeigt wird.

Auch Wire (alte Helden) konnten den Ansprüchen kaum genügen, standen sie dort wie eine alte Referenz ihrer selbst und sahen gegen die Neubauten und Caspar Brötzmann aus wie die konventionellsten Althippies.

Voll überzeugen konnte dagegen Caspar Brötzmann, der den irren Raum (ca. 40 Meter Höhe x 70 Meter Länge) mit seinen überlagerten Gitarrenkracheskapaden bestens zu nutzen wusste, oder reiner Zufall, egal, Brötzmann krachte in stramm aufrechter Haltung eine Salve nach der anderen in den Komplex auf dass einem Hören und Sehen verging.

Ob das Massaker auch so im Fernsehen rüberkommt ist mir allerdings schleierhaft, allenfalls im XY-Kanal SuperSurround bei voller Lautstärke.

Termin:

SAMSTAG, 3. Dezember, 21.00 Uhr – BERLIN LIVE – ZDF.Kultur.

Update: online unter http://kultur.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,1872,8240719,00.html



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. Sea Wanton  

    wenn man das video mal in relation zu dem ganzen anderen mist sieht (der vom ZDF denn kultur genannt wird), dann kann ich mir das sogar amüsiert anschauen. ja, das ist "Berlin-live" – silke super die königin des undergrounds + tim renner der macher im background (mit Universal-connections?). eh, das ist Berlin – oder zumindest das was mir/uns mal wieder vorgegauckelt wird. wilde kamerafahrten durch den Trafo, spezialstudien der kamera, wenn der drummer die bassdrum quält – na ja, wenn da mal die suche nach dem unentdeckten geräusch (so die liner notes beim ZDF-video) nicht am regiepult des aufnahmeleiters endet…mal sehen, wen die talent-scouts des ZDF bei der nächsten staffel präsentieren (evtl. 18 bands auf 217 stages? die zum schluss kakaphonien raushauen wie das Berliner Symphonieorchester + sich schliesslich zum schluss weinend in die arme fallen – JA – AUCH DAS IST BERLIN – das neuuuuuuuuuue B !!!)