Malcolm McLaren gestorben


April 8th, 2010 | 3 Kommentare ...  

Malcolm McLaren gestorben

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Der frühere Sex Pistols Manager Malcolm McLaren ist heute morgen mit 64 Jahren in New York verstorben.

McLaren kämpfte seit einiger Zeit mit Krebs, seine Verfassung hatte sich jedoch plötzlich verschlechtert, sagte sein Sprecher. McLaren soll auf dem Londoner Highgate Friedhof begraben werden.

Malcolm McLaren wurde vorrangig durch sein Management der Sex Pistols bekannt. McLaren managte zuvor die New York Dolls bis zu ihrem Ende, als er das Potential von Punk erkannte. In London formierte der damalige Partner von Vivienne Westwood die Band aus der berüchtigten Let It Rock/SEX Boutique heraus, die zunächst S/M und dann die ersten von Westwood designten Teddy Boy und Punk Klamotten verkaufte.

1975 kreuzte dort sein Assistent Bernie Rhodes mit Johnny Lydon auf, der ein Pink Floyd T-Shirt mit ausgeschnittenen Augen und dem Schriftzug “I Hate” drüber trug. Aus John Lydon wurde Johnny Rotten, eine von McLaren erfolglose Band namens The Strand wurden The Sex Pistols.

Mit den Pistols startete die kommerzielle und wirksamste Phase des Punk. Was zunächst unmöglich schien, entpuppte sich alsbald als von McLaren kühle erdachte Strategie: das Verbot und die Zensur der Musik der Band. Zur Promotion ihrer zweiten Single “God Save The Queen” charterte McLaren in Boot, dass zum Queen Jubiläum auf der Themse die zwei Tage stattfindenden Feierlichkeiten imitierte – und offensichtlich störte.

Die Single wurde im Radio verboten, selbst unabhängige Stationen spielten sie nicht, erreichte mit über 150.000 verkauften Einheiten dennoch Platz 2 der englischen Charts. Gerüchte besagen dass God Save The Queen die damalige Nummer eins, Rod Stewarts Tonights the Night um 2 zu 1 Einheiten geschlagen hatte, die Charts von der britischen Phonoindustrie aber manipuliert wurden. In den Chart-Listen prangerte anstelle des Bandnamens und Titels dafür eine leere Stelle.

Die Sex Pistols machten ein Jahr zuvor schon entsprechend auf sich aufmerksam indem sie in einem Fernsehinterview anstößige Wörter benutzten (allerdings auch dazu aufgefordert wurden). Obwohl nur im Umkreis von London zu empfangen war es ein gefundenes Fressen für die Presse, die einen Sturm der Entrüstung  inszenierte. Eine anschließende Anarchy-Tour mit The Clash, The Damned und Johnny Thunders and the Heartbreakers musste größtenteils wegen Auftrittsverbote abgesagt werden. In Manchester jedoch inspirierte der Auftritt die Gründung von Bands wie Joy Division oder The Fall.

McLaren brachte es auch fertig die Band in kürzester Zeit bei mehreren Plattenfirmen unterzubringen, und entsprechende Vorrauszahlungen zu kassieren. Nach den Skandalen und Rauswürfen bei EMI und A&M landete bei Richard Branson Virgin Records.

Ein weiterer Publicity Zug war die Besetzung von Sid Vicious anstelle von Songschreiber Glen Matlock am Bass. Matlock vertrug sich nicht so gut mit dem Image der Band, die der junge Vicious gegenüber Fans verkörperte.

Im Oktober 1977 veröffentlichten sie ihr bahnbrechendes Album Never Mind the Bollocks – Heres the Sex Pistols und gingen anschließend auf eine Amerika Tournee, die nicht nur in der Auflösung der Band sondern auch im ungeklärten Tod von Sid Visious endete. Seitdem galt Punk als unverkäuflich, seitens der Plattenfirmen aber begann die Zeit der Indies, Post-Punk und elektronischer Popmusik.

Nach den Sex Pistols unternahm McLaren mit den nicht weniger bunten Bow Wow Wow und der Aufforderung Musik auf Kassette zu kopieren noch einen weiteren Versuch das Musikgeschäft zu ärgern, was aber nicht mehr ganz so gelang. In den 80ern trat McLaren selbst als Interpret und Produzent einiger Top 10 Hits wie die vom Hip-Hop beeinflussten Nummer Buffalo Gals und Double Dutch auf.

Mitte der 80er wurde McLaren auch beinahre der Manager einer noch jungen Band namens The Red Hot Chili Peppers, die Zusammenarbeit aber scheiterte an verschiedenen Vorstellungen.

McLaren hatte ebenfalls einen Hit mit Madame Butterfly, inspiriert vom gleichnamigen Oper von Giacomo Puccini. About Her, ein Remix der Zombies “Shes Not There” fand seinen Platz in Quentin Tarantinos Kill Bill2.

McLaren, wahrer Punk in seinem wahrsten Sinne, war sogar mal als Bürgermeister von London im Gespräch. Zuletzt allerdings machte McLaren  durch weniger spannende Auftritte in britischen Reality Shows von sich reden, was aber angesichts seiner nachträglichen Bedeutung für die Musik- und Entertainmentindustrie ja auch nicht mehr von Belang ist. Stattdessen findet man heute genug Literatur, die das lustige Wirken dieses Rotschopfes behandeln.

Links:

http://en.wikipedia.org/wiki/Malcolm_McLaren

und typisch:

” Malcolm will return shortly…  “

http://www.malcolmmclaren.com



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. joe  

    dorfdisco body count

  2.  
    2. os  

    Sylvain Sylvain von den New York Dolls rückt McLaren ins rechte Licht: ""It’s not that punk wouldn’t have been the same without him – it would have been null. It just wouldn’t have happened. "

    http://thequietus.com/articles/04059-malcolm-mclaren-obituary-by-new-york-dolls-sylvain-sylvain

  3.  
    3. os  

    Und noch zwei passende Kommentare:

    ”Be childish. Be irresponsible. Be disrespectful. Be everything this society hates.” Malcolm Mclaren

    und
    Without him we would have definitely been ‘bored teenagers’ …

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