Louisville Records meldet Insolvenz


Februar 27th, 2010 | 13 Kommentare ...  

Louisville Records meldet Insolvenz

Von

Eines der ambitioniertesten Plattenlabels Berlins, Patrick und Yvonne Wagner’s Louisville Records meldet Insolvenz.

Damit verschwindet eines der bekanntesten wie auch profiliertesten Berliner Labels, zumindest eines, das sich für Berliner und andere herausragende neue Acts stark gemacht hat.

Yvonne Wagner klingt in ihrer Mitteilung sichtlich enttäuscht: “Man läuft und läuft und steht dahinter und dazu und gibt POWER für die Bands und und und…”, schreibt sie, “aber niemand spürt!”

Zu spüren gab uns Louisville Records starke Musik von Kissogram, Navel, Jeans Team, Naked Lunch, Killed By 9 Volt Batteries, Jolly Goods, Doc Schoko, Puppetmastaz und The Nothings.

Louisville Records war zusätzlich dafür bekannt kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Zur Popkomm 2008 veranstalteten sie einen “Fuck You All” Abend im White Trash, und sahen das Ende der Popkomm vorraus.

Patrick Wagner, ex-Surrogat Sänger/Gitarrist und früher bei Kitty Yo und Universal Records, sagte in einem Dorfdisco-Interview: ” … von Labelseite sieht das … so aus, dass kreative Leute damit beschäftigt sind Millionen Metadaten und Files auf tausende Server hochzuladen, bei denen dann jeweils 3 Songs herunter geladen werden. Und all diese Firmen treffen sich dann auf der Popkomm, um voreinander zu prahlen, wie viele Millionen Songs jeder hat. Was für eine Verschwendung!” und “So wie es aussieht gehen die Indies gerade unter.”

Vor zwei Jahren erklärte Patrick Wagner in einem anderen Interview noch dass eine “tolle und erfolgreiche Zukunft” vor ihnen liege. Heute hat es Louisville erwischt, leider.



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. joedoe  

    jetzt machen die "Fuck You All " Taschen noch mehr Sinn! Schade Louisville- wieder ein Opfer im Musikkrieg.

  2.  
    2. laureen  

    heißt, dass das sie tatsächlich dicht machen oder wollen sie sich in einem insolvenzverfahren wieder stabilisieren!?

  3.  
    3. martha  

    Musikkrieg? Leider wird dieses Thema nur einseitig beleuchtet, vor allem dann, wenn es von Leuten wie Dieter Gorny und Tim Renner beherrscht wird. Tatsache ist, dass neben den großen Problemen der Majorfirmen, so gut wie alle "Indie-labels" dem Untergang geweiht sind. Trotz höherem Musikkonsum ist es nun einmal so, dass für Musik nicht mehr bezahlt wird. Nicht nur, dass es eben genügend Idioten von sogenannten Journalisten gibt, die nichts besseres zu tun haben als Promo Cds ins Netz zu laden, bevor manche Platten offiziell veröffentlicht sind. Dazu kommt die Realität, dass die Erlöse der Labels die im Ausland verkaufen durch den hohen Eurokurs so verschwindend gering sind, dass es wirtschaftlich heutzutage eigentlich keinen SInn mehr macht diese Arbeit zu betreiben. Dazu kommt die Ignoranz und Einsilbigkeit der deutschen Presse, die nichts besseres zu tun hat, als sich an einer minderjährigen Schriftstellerin und ihrem Werk zu ergötzen. Schauen wir doch mal was in den Berliner Stadtmagazinen oder Tageszeitungen über Musik geschrieben wird: Rosenstolz, Cure (live in der Wuhlheide) oder Bushido.

    Bis es vielleicht einmal eine politische Lösung des Problems der illegalen Downloads geben wird, wird kein Plattenlabel mehr exisitieren.

    Jeder sollte sich und sein Umfeld mal hinterfragen, ob er für Musik auch bezahlt.

    Ich war nie ein grosser Freund der Louisville Produktionen und mit der Großmäuligkeit von Patrik Wagner konnte ich auch nichts anfangen, aber es tut mir trotzdem leid, zumal hier noch einige weitere Kandidaten auf sehr wackligen Stühlen sitzen….neben den Labels geht ja auch ein Vertrieb nach dem anderen kaputt.

  4.  
    4. snlr  

    echt schade

  5.  
    5. Ronny  

    ..wir werden nur noch "madonnas", mit eigenen konzernen hinter sich, haben bzw. schülerbands mit dem schon legendären "online-release"..also indie mit echtem album – adieu!

  6.  
    6. roger  

    "Eines der ambitioniertesten Plattenlabels Berlins" also, soso.

    Reaktionäre Langweiler-Musik haben sie veröffentlicht, so siehts doch aus!! Und dabei haben sie auch noch so getan, als wären sie die Heilsbringer für eine ganze Subkultur. Louisville war schopn immer unwichtig und egal. Diese Meinung sehe ich nun bestätigt.

  7.  
    7. matthias  

    ich sehe es ebenso wie roger. keine der bands hatte das musikalische potential, ein größeres publikum zu erreichen. und ich denke nicht, dass es bald nur noch madonnas gibt. bands wie kings of leon sind gerade deswegen so große geworden, weil sie serh geniale musik machen und dadurch das glück eines größeren marketingbudgets erhalten haben. gute musik wird weiter verkaufbar sein, egal ob vom indie oder vom major. bei louisville lag es einfach nur an der qualität. ich kann es nachvollziehen, dass das keiner kaufen wollte. dann müssen sie halt dicht machen.

  8.  
    8. Oliver Shunt  

    "Dann müssen die halt dicht machen" "bands wie kings of leon sind gerade deswegen so große geworden, weil sie serh geniale musik machen und dadurch das glück eines größeren marketingbudgets erhalten haben." Geht noch mehr Zyniscmus? Erstens SIND Bands wie Kings of Leon die neuen Madonnas und über Geschmack würde ich noch streiten, über solch Fehleinschätzungen nicht. Louisville -wie jedes andere Indielabel- mit den Möglichkeiten eines Majorlabel zu vergleichen verbietet sich einfach. Wären die Jammerbrüder KOL auf Louisville erschienen wär am Ende wohl nicht mehr eingefallen auf eine Sexseite zu verlinken!? Hinterher nachzutreten dass es an Qualität gefehlt hat heisst auch Berliner Musik insgeheim schlecht zu finden. Was wollt ihr denn dann hier? Kings of Leon sehen? Auf Parties saufen? Könnt ihr auch in Mannheim! Den Bands fehlte es nicht an Qualität, es fehlte eher eine vom Mainstream entkoppelte Hörerschaft. Und eine, die sich evtl. noch ein paar CDs gekauft hätte. Das gab es übrigens das letzte mal zu Punkrock Zeiten, und die hatten noch nicht mal Papiergeld!

  9.  
    9. danny roth  

    Ich finde es ziemlich dämlich, wenn zur insolvenz noch etwas disse mit draufgegeben wird (roger/matthias). mir war PW auch nie sympathisch, seine acts sind auch geschmackssache. allerdings kämpfen mit diesem problem mittlerweile alle indie-labels. u.a. auch die, die ein "grösseres publikum" erreichen. das ist sowieso das dümmste argument mit kings of leon zu kommen. die passen doch wunderbar ins mainstream-raster.

    man muss sich über die ignoranz und blödheit der masse im klaren sein, dann kommt man heutzutage auch nicht mehr auf die idee ein label zu betreiben.

    die beiden haben mein mitgefühl, es wird immer weniger überzeugungstäter geben.

    erst wenn das letzte mp3 runtergeladen ist, werdet ihr merken, dass ihr euch mit minder-hifi-ware eure pcs vollgepackt habt.

    wenn man merkt was in deutschen radios läuft, wie im tv über musik berichtet wird, was magazine wie rolling stone oder musikexpress zu berichten haben, dann ist auch klar, dass die öffentlich rechtlichen nicht ihrem auftrag nachkommen, der deutsche musikjournalismus (mit wenigen ausnahmen) ist im vergleich zu den briten oder amis sowieso ein haufen tragischer figuren von verhinderten und verbitterten komplextänzern.

    je mehr man sich damit beschäftigt desto mehr bekommt man das kotzen. vor allem wenn man die selbstgerechten kommentare einiger leute hier sieht….

  10.  
    10. tom  

    Moment mal, bitte fragt Euch mal wer hier die Opfer sind. Eine Insolvenz kommt nur dann ohne Schuld der Geschäftsführung daher, wenn ein Dritter pleite geht. Zum Beispiel der Vertrieb. Bei Louisville ist das nicht der Fall. Hier hat man die Firma nicht etwa liquidiert und vorher alle Gläubiger ausgezahlt, sondern für das eigene, geschäftliche Versagen bluten lassen. Die gearschten heissen Doc Schoko, Jeans Team, Jolly Goods, Killed By 9 Volt Batteries, Kissogram, Louisville Records, Naked Lunch, Navel, Puppetmastaz, The Nothings denn die kriegen keinen Cent mehr. Deshalb: bitte erst versuchen zu verstehen was passiert ist, dann pöbeln.

  11.  
    11. Oliver Shunt  

    Hallo tom, mal die Bands fragen was wirklich abging, einige wussten es schon eine Weile. Doc Schokos letzte, übrigens hervorragende “Schlecht dran, gut drauf” CD erschien schon auf Play Loud! Productions (bitte bestellen!); Jeans Team gehts gut, Nothings und Killed waren 1-Single-Projekte, Puppetmastaz feiern Erfolge in Frankreich (Label: Discograph), Hecker angeblich neuen Promoter. Bleiben Naked Lunch und Navel bzw. Jolly Goods ohne News. Der Dritte der pleite ist, könnte auch der Kunde sein, finanziell wie intellektuell.

    Es werden sich in Konsequenz einige Labels fragen wie sie weitermachen können, ob sie noch neue Musik vorstellen können oder eben nicht mehr. Gestandene Musik-Vertriebe verdienen ihr Geld nicht mal mehr mit Musik, sondern zB. Sport-DVDs!

    Gut. Interessant wie manch Leser hier kommentiert. Wir wünschen uns noch mehr Reaktionen, und halten uns auch lieber raus.

  12.  
    12. matthias  

    berliner musik bzw. deutsche musik ist schlecht. und ich muss mich nicht zwingen, scheiße zu hören. da höre ich lieber die genialeren versionen aus dem königreich oder aus übersee….

  13.  
    13. Oliver Shunt  

    Jonas Poppe (Kissogram) hat einen passenden Nachruf auf Louisville geschrieben: http://www.dorfdisco.de/features/ueber-louisville-hornbrillen-schnecken-und-trauben.htm

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