Knaack Klub muss schließen – Letzes Konzert am 04.Dezember


Dezember 1st, 2010 | 2 Kommentare ...  

Knaack Klub muss schließen – Letzes Konzert am 04.Dezember

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Der Magnet flüchtete bereits Anfang des Jahres auf die Kreuzberger Seite der Oberbaumbrücke, das SO36 erhielt erst nach zähem Ringen einen neuen Mietvertrag, und auch das Icon konnte wegen Fristversäumnisse seitens der Kläger gerade noch das Aus in diesem Jahr verhindern. Getroffen hat es nun eine der ältesten Berliner Konzertlocations, den Knaack Klub in der Greifswalder Straße. Am kommenden Samstag, dem 4.Dezember, werden mit den Müncher Metalcore-Punkern From Constant Visions und den Berlinern Contravolta zum letzten Mal Bands auf der Bühne des Traditionsschuppens stehen.  Die angeschlossene Kneipe wird noch bis zum 31.12. geöffnet sein, danach ist endgültig Schluß.

Hintergrund sind – wieder einmal – Lautstärkebeschwerden seitens der frisch zugezogenen Nachbarschaft. Im Juni gab das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einer Klage von Anwohnern Recht und erlaubte die Weiterführung des Live- und Barbetriebes nur unter strengen Auflagen: Konzertende um 23 Uhr, die Lautstärke darf 25 Dezibel in den betroffenen Wohnräumen nicht überschreiten. Der bisherige Verlauf der Herbstsaison hat die Befürchtungen der Veranstalter nun bestätigt: Derart leise Musik findet – aus nachvollziehbaren Gründen – nicht die Akzeptanz der Besucher.

1952 unter dem Namen Ernst-Knaack-Jugendheim (mit damals noch sporadischen Tanzveranstaltungen im Programm) eröffnet, wurde das Knaack anläßlich der ‘Weltfestspiele der Jugend und Studenten’ 1973 offiziell in einen Jugendclub mit angeschlossener Diskothek umgewandelt. Nach der Wende wurden die Räumlichkeiten dann auch verstärkt für Livekonzerte Berliner und internationaler Bands genutzt. Hier spielten schon die Toten Hosen und viele heutige Megaseller wie Rammstein oder Muse bestritten  im Knaack ihre ersten Berlin-Gigs.

Man kann davon ausgehen, dass dies nicht der letzte angestammte Laden im Zentrum der Hauptstadt sein wird, der von Schließung bedroht ist. Viele kleinere Clubs und Musikkneipen, vor allem in den Bezirken Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg, kämpfen schon seit geraumer Zeit mit zunehmenden Klagen von lärmempfindlichen Anwohnern, die sich mittlerweile oft nicht mehr einmal die Mühe machen, mit den Betreibern perönlich zu sprechen. Verschiedene Gerichtsurteile zeigen, dass die Veranstalter dabei meist chancenlos sind, vor allem wenn eine breite mediale Unterstützung (wie im Fall des SO36) fehlt. Neben steigenden Mieten und einer allgemeinen Verteuerungstendenz, ist die Vertreibung alternativer Musikveranstaltungsorte die wohl spürbarste Folge einer zunehmenden Gentrifizierung dieser innerstädtischen Kieze. Patrick Radimensky, der Konzertveranstalter des Knaack, reagierte mit durchaus treffendem Sarkasmus auf das Aus: ‘Hier ist jetzt Platz zum Kinderwagen schieben und rumschnöseln’.

http://www.knaack-fightklub.de/



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. Os.  

    wahnsinn

  2.  
    2. joe  

    Gentrifizierung? Du bist Gentrifizierung und diese Seite ist Gentrifizierung. Totaler Wahnsinn…