Die Rückseite des Folk


Dufus live in der Fluc Wanne, Wien, 01.04.2009

April 7th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Die Rückseite des Folk

Von Philipp Brugner

Folk kennt jeder. Musiker wie Simon & Garfunkel, Leonhard Cohen oder Beirut, die dieser Musikrichtung ihren Stempel aufdrückten, auch. Bei Anti-Folk wird’s schon etwas schwieriger. Nun ja, es gibt einen Adam Green, der Anti-Folk macht und berühmt ist. Oder die Band Herman Dune, die ist auch bekannt. Allein zwei Stellvertreter einer musikalischen Richtung, die eigentlich aber noch viel mehr zu bieten hat.

Dufus – was wie die schlecht geraunzte Version eines Hundenamens klingt ist in Wirklichkeit eine Band, die genauso zum Anti-Folk gezählt werden will. Die vier schrägen Jungs aus New York geben sich selbstironisch, verspielt und unkonventionell. Schließlich ist es ja auch „Anti” was sie machen: gegen das gängige Bild einer wohl situierten Bühnenperformance, gegen jedes Kalkül. Dem Bild des kontemplativen Folkmusikers wollen sie sich nicht fügen, wären sie so doch auch nur eine Attrappe. Was zählt ist der Moment, und der kann gerne mal für Spaß sorgen.

Jener, als die Band auf die Bühne kam, war dann schon mal ungewöhnlich: Der Gitarrist und Kopf der Band Seth Faergolzia, der mit unglaublich viel Stimmkunst glänzte, könnte seinem Aussehen nach auch als Landstreicher durchgehen. Seine Non-Chalance war offensichtlich, aber keinesfalls überheblich. Stimmlich wechselte er zwischen schnellem Sprechgesang und langsameren Balladen. Seine Gitarre ließ er entsprechend mitlaufen.

Dazu kommen dann noch verschrobene Beats aus der Elektro-Box, die den Dufus’schen Anti-Folk prägen. Es wirkt alles ein wenig übertrieben und überspitzt, geradezu als wolle man eine Parodie auf all die schmachtenden Folk-Bands sein. Dafür steht auch der Name des aktuellen Albums: „In Monstrous Attitude”. Eine Attitüde, die sich nicht am Gegensatz zwischen ausgelassen und zurückhaltend stößt, sondern diesen auflöst.

„Monstrous”, das klingt nach laut und krachend. Mal war es das, mal war es aber auch etwas beschaulicher. Nummern wie „Anouk” waren ganz gut tanzbar und verbreiteten gute Laune, während solche wie „Freedom” schon eher zum Ruhighalten beitrugen und diese dann doch ein wenig in der Manier der weich gezupften Gitarren standen. Trotzdem kommt bei Dufus nie der Verdacht auf, die Band würde auf dick aufgetragene Gefühle setzen. Dazu ist sie zu ungesteuert und zu unberechenbar.

So wie jene Einlagen, als Seth Faergolzia plötzlich Richtung Bühnen-Boden verschwand, um sich dort von einem seiner Band-Kollegen ablichten zu lassen. Oder er hob die Arme zu einer Gottespose, um dem Publikum auch mal ein wenig Ernst abzugewinnen – wenn es doch sonst schon immer so wider jede Vernunft ablief. Seth Faergolzia als Spaßmaschine, Seth Faergolzia als Karikatur auf alle und jede Rationalität unter Musikern – das beherrscht er bestens.

Manchmal teilte er seine Rolle als Alleinunterhalter dann auch mit der restlichen Band. Da sang und kreischte man dann gemeinsam ins Mikro. Mitunter schien es also doch, als ob Dufus auf einen gewissen Punkt Wert legte: Es sollte vor allem unkonventionell sein.

Dass das Indie-Gehabe, das bei solchen Bands immer rundherum gemacht wird, bei Dufus aber meilenweit weg ist, bewiesen sie mit ihrem Auftritt eindeutig selbst. Songs wie „Giving INN” oder „Tutu” können als klare Statements für eine wohltuende Ungezwungenheit gesehen werden, derer es unter den vielen Neo-Hype-Bands kaum mal eine gibt. Dufus als Beweis dafür, dass man auch mit Musik und Gesten aus der freien Wildbahn der Launen sein Publikum beeindrucken kann. Dufus als eine improvisierende Männergruppe, die das macht, wozu sie gerade Lust hat. Man verzeiht es ihnen nicht nur, man liebt sie deswegen. Um gehypt zu werden, müssten sie schon Coolness an den Tag legen. Bleibt zu hoffen, dass sie das nie machen werden, steht ihnen Anti-Folk doch mehr als gut.



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