Berlin Festival Organisatoren entschuldigen sich im offenen Brief und kündigen Zusatzevent an


September 14th, 2010 | 0 Kommentare ...  

Berlin Festival Organisatoren entschuldigen sich im offenen Brief und kündigen Zusatzevent an

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Das Berlin-Festival Team verschickte heute einen offenen Brief an die Medien und angeschlossenen Mailinglisten in dem sie ihre Position zum Verlauf des Berlin Festivals 2010 bezieht. Am Ende steht nicht nur eine Aufforderung die eigene Sicht für ein solches festivals kund zu tun, sondern auch eine Entschuldigung und Ankündigung eines Ersatzevents noch im diesem Jahr:

Liebe Berlin-Festival-Besucher! Zwei Tage nach dem Ende des Berlin Festivals 2010 wollen wir uns nun ausführlicher direkt an Euch, unsere Gäste und Besucher, wenden, um uns zu bedanken, zu entschuldigen und möglichst viele Fragen zu beantworten.

Das Resümee der Veranstaltung, in die große Erwartungen gesetzt wurden, fällt gewiss durchwachsen aus. Mit Sonnenschein, entspannter Atmosphäre und erwartungsvollen Gesichtern fing es auf dem Zentralflughafen Tempelhof an. Es versprach, ein grandioses Fest zu werden. Nach dem Festival sollten die Konzerte vieler unserer Lieblings-Acts als fantastisches Spätsommererlebnis im Gedächtnis bleiben. Viele außergewöhnliche und exklusive Konzerte und Shows vom Wochenende, die vom Publikum oft frenetisch gefeiert wurden, werden das auch – dabei denken wir nicht zuletzt an die fantastischen Auftritte von Gonzales feat. Boys Noize, Soulwax, Boys Noize, Edwyn Collins, Peaches mit einer einmaligen Lasershow, Hot Chip, Adam Green mit special guest Macaulay Culkin oder den Editors. Wir bedanken uns bei allen Künstlern, die uns auch unter veränderten Bedingungen ein musikalisches Highlight nach dem anderen geboten haben. Und das unter erschwerten Bedingungen, mit neuem Zeitplan usw.

Es ist umso bitterer, dass einige der angekündigten Acts nicht zu sehen waren. Wir haben versucht, Euch das spannendste Line-up, eine außergewöhnliche Location und – zum ersten Mal in Berlin – ein großes Festival zu bieten, das mitten in Berlin tolle Musik und die Szene feiert. Wir sind über das Nichtzustandekommen einiger Auftritte genauso traurig wie ihr.

Ein urbanes Festival inmitten einer Metropole auf die Beine zu stellen, bedeutet wie bei jedem anderen Festival auch, dass wir uns mit den behördlichen Richtlinien und Vorschriften auseinandersetzen mussten und müssen. In diesem Jahr intensiver als je zuvor. In Tempelhof gibt es strenge Auflagen – insbesondere in Bezug auf Lautstärke und Lärm. Wir müssen diese Auflagen respektieren, und das heißt für uns, dass nach 23 Uhr die Lautstärke auf ein Minimum zu reduzieren ist, sprich: das Programm der Hauptbühne beendet sein muss. Gleichzeitig gibt es den Wunsch nach einem hochkarätigen, Berlin angemessenen Musikprogramm. Das diesjährige Line-up lässt sich unter keinen Umständen mit deutlich weniger Besuchern realisieren. Unsere Aufgabe war also, die von den Behörden genehmigte und eingehaltene Besucherzahl so auf dem Gelände zu verteilen, dass die Sicherheit der Besucher zu jedem Zeitpunkt garantiert und unseren Gästen ein Maximum an Bewegungsfreiheit gewährleistet werden konnte. Uns ist dies gelungen, indem wir gleichzeitig an mehreren Orten auf dem Gelände attraktive Angebot schufen, wie .z.B. Nebenbühnen in zwei Hangars, der Club Berlin Bühne, der Angebote zum Chillen, der Gastronomie und nicht zuletzt der Mobilen Disko. Leider konnten wir nicht vorhersehen, dass sich am Freitag nach 23h eine große Menge Festivalbesucher gleichzeitig und ausschließlich in Richtung Hangar 4 bewegten und dadurch in kürzester Zeit einen Stau vor der Schleuse am Hangar 4 verursachten. Die Schleusen waren zentraler, notwendiger Bestandteil des mit den Behörden abgestimmten Sicherheitskonzepts, um den Zuschauerstrom zu den Hangars zu kontrollieren.

Auf allen Festivals mit mehreren großen und kleinen Bühnen gibt es Besucherströme, die vom Veranstalter so gut wie möglich abgeschätzt werden müssen. Es ist weder zeitlich noch räumlich möglich, dass jeder Besucher zu jeder Zeit alles sehen kann – insbesondere an kleineren Bühnen kommt es daher immer zu Enttäuschungen. Der Unmut über den Nichteinlass an Hangar 4 führte bei einigen wenigen Besuchern zu aggressivem Verhalten gegen die Security und die Polizei. Daraus ergab sich zu fortgeschrittener Stunde eine unkontrollierte Dynamik vor der Schleuse und diese führte zur Empfehlung der Polizei, die Veranstaltung abzubrechen – auch wenn der Hangar selbst keinesfalls überfüllt war und alle von den genehmigenden Behörden vorgegebenen Kapazitätsabsprachen eingehalten wurden.

Im Interesse aller Besucher haben wir diese Entscheidung mitgetragen, um einer eventuellen Gefährdung der Sicherheit der Besucher vorzubeugen.

Improvisierte Lösungen, wie z.B. Acts kurzfristig nach 23h auf die Hauptbühne zu verlegen, waren aus lärmschutztechnischen Gründen ausgeschlossen. Wir hoffen sehr, dass ihr unsere Entscheidung, der Sicherheit der Besucher absoluten Vorrang einzuräumen, nachvollziehen könnt. Es blieb uns zu diesem Zeitpunkt und vor diesem Hintergrund daher keine andere Wahl, als das Festival zu unterbrechen. Wir sind überzeugt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben und unsere Entscheidung mitursächlich war, dass es keinen einzigen Verletzten unter den ca. 10.000 Besuchern gab, die sich zum Zeitpunkt der Unterbrechung des Festivals noch am dem Gelände befanden..

Zu dem in einzelnen Foren formulierten Vorwurf der „Profitgier“ seitens der Veranstalter möchten wir ausdrücklich sagen, dass natürlich nicht mehr Tickets als zulässig verkauft wurden, dass alle kostenintensiven Sicherheitsvorkehrungen komplett realisert wurden und zuletzt, dass der vorzeitige Abbruch am Freitag und das verkürzte Programm am Samstag natürlich zu großen finanziellen Einbußen geführt haben. Wir nehmen diese Einbußen für Eure Sicherheit gerne in Kauf.

Unser gemeinsamer Traum ist die Realisierung eines urbanen Festivals mit internationalem Flair inmitten von Berlin, mit einem Programm, das der Stadt angemessen und würdig ist. Daran wollen wir weiterarbeiten. Wir wollen kompromissbereit und realistisch an erweiterten und alternativen Konzepten für das Berlin Festival arbeiten. Dazu laden wir Euch herzlich ein! Wir bitten Euch, auf unserer Facebook-Site eure Vision des Berlin Festivals zu skizzieren. In diesem Forum werden wir Eure Fragen beantworten und Euch über geplante Folge-Events auf dem Laufenden zu halten.

Zu diesen Folge-Events:

Die Möglichkeiten, einen Zusatzevent in Berlin zu realisieren, ist keine bloße Ankündigung: Wir haben diese Option am Wochenende schon mit einigen Künstlern besprochen und sind optimistisch, noch in diesem Jahr ein hochkarätiges Programm zusammenstellen zu können. Doch wir brauchen etwas Zeit, ein passendes und faires Ersatz-Event für unsere Besucher zu buchen, deswegen können wir Euch noch keine näheren Details dazu geben. Uns ist natürlich bewusst, dass auch mit solch einem Event nicht jede Unzufriedenheit nachträglich auszuräumen ist, insbesondere bei denen, die nicht in Berlin leben.

Wir möchten es abschließend trotz allem nicht versäumen, uns bei den verantwortlichen Behörden, allen Partnern des Organisationskomitees der Berlin Music Week, dem Berliner Senat für Wirtschaft/Wissenschaft und Frauen, der BIM, für die jederzeit konstruktive Zusammenarbeit und die angebotene Bereitschaft und Unterstützung das Konzept des Berlin Festivals für 2011 gemeinsam zu überarbeiten, sowie den Medienpartnern, den Medien im Allgemeinen, für die reflektierte Berichterstattung herzlich zu bedanken.

Der größte Dank gilt natürlich Euch, den Besuchern: Ihr habt durch Euer Verhalten die weitere Durchführung des Festivals nach dem Abbruch erst ermöglicht! Danke, wie friedlich und verständnisvoll Ihr mit uns am Samstag weitergefeiert habt!

Wir hoffen, mit diesem Statement noch einmal die wichtigsten Punkte erklären und die häufigsten Fragen beantworten zu können, um so etwas Klarheit in die Ereignisse vom Wochenende zu bringen und wollen uns hiermit noch einmal ganz ehrlich bei unseren Besuchern entschuldigen.

Liebe Grüße,

die Veranstalter des Berlin Festivals

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