Aprilscherz mit Bombe


Louisville entlarvt Musikbetrieb

Mai 15th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Aprilscherz mit Bombe
Patrick Wagner kanns nicht fassen. Foto: T.Krokos Dorfdisco 2008

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Um das Debut von Navel zu promoten wirft Patrick Wagner von Louisville Records Teilen des Musikbetriebs ihre Unfähigkeit vor.

Wer auf dem Email Verteiler von Louisville Records stand, erhielt gestern eine Mail mit dem Titel “Das komplette Navel Album zum “Free Download” oder Kill Your Friends”. Darin erklärte man zunächst, dass man sich nun auch “dem durchschnittlichen Niveau der Musikindustrie angepasst” hätte, und aus Versehen einen falschen Barcode auf das eigentlich zum 28.03.2008 geplante Album “Frozen Souls” der Schweizer Rockband Navel gedruckt hätte. Deshalb müsste man die VÖ des Albums auf den 11.04.2008 schieben, so Louisville, und “da man die Navel Fans nicht noch einmal eine Woche vertrösten wollte, bieten sie das gesamte Album ab sofort als Free Download auf www.louisville-records.de/neues an. “

Wer nun glaubte das Album dort als “Free Download” zu bekommen, sass nicht nur einem Aprilscherz auf, sondern bekam eine Art Erlebnisbericht dazu, wie es heute im Musikbetrieb zugeht. In dem Schreiben “Navel Free Album Download & Kill Your Friends” wettert Louisville Labelvater Patrick Wagner gegen “unfähige Vollidioten, die einem offen ins Gesicht lügen”. Genannt wurden unter anderem der Musiksender MTV, die Louisville zu Navel einen “Newcomer Deal anbieten könnten” wobei – “ca 10 000€ später, ist das Video zwei mal gelaufen und MTV lässt über Dritte ausrichten, dass man keinen Rock spiele auf MTV”.

Auch die “herrlichen Kollegen von den Printmedien” kommen nicht gut weg, zum Beispiel aus der “Rockhauptstadt München vom Musikexpress” – die vedutzt feststellen, dass es sich bei Navel um einen “Newcomer” handelt, und nicht wissen, ob sie das bringen können. Oder die Kollegen von der Spex, die einfach sagen, “da machen wir nichts”. Das wäre Wagner schon lieber, weil es ihn eh nicht interessiert was eine “aus drittklassigen Feuilleton Schreibern zusammen-gestoppelte Redaktion” über Musik zu sagen hat.

Dann wird ein Radiomoderator mit den Worten “Kettcar finden wir zwar auch scheisse, müssen wir aber machen” zitiert, bewegt sich damit unserer Meinung nach aber im allgemeinen Mainstream nationaler Popauffassung. Denn mit dem Ersten mag er recht haben, nur das Zweite, dass aus unerfindlichen Gründen Scheiße trotzdem durchgeleiert werden muss, führt genau zu dieser Mittelmäßigkeit, die die deutsche Musikszene und deren Hörer nun schon seit den 90gern auszuhalten haben, und heute mit Bandnamen wie Kettcar – u.v.a.- quittiert wird.

Auch vermeintliche Freunde gibt es bekanntlich viele, und besonders im Musikbiz. Hierzu lässt Wagner den lapidaren Satz “- ach Gott, bin ich froh solche Freunde in der Branche zu haben” auf das Zitat eines ihm befreundeten A&R Managers folgen, der mit “nee, den Vertiebsdeal mit Louisville solle man auf keinen Fall verlängern” zititert wird.

Laut Patrick Wagner sollen die Reaktionen umgehend eingetroffen sein, schließlich ständen sie ja alle auf seinem Email Verteiler. Die Stimmung wollte Wagner nicht weiter kommentieren, es wurde aber gefordert den Text zu ändern, was “natürlich nicht” getan wurde. Wie sich die Beziehungen von Louisville zu ihren vermeintlichen Freuden weiter entwickeln ist nicht klar. Vielleicht werden sich einige der genannten Personen überlegen als Wiedergutmachung das Album zu spielen. So kann man’s auch machen, P.R. mit harten Bandagen.



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