Zwischen Indie-Pathos und Stadionanspruch


Cold War Kids; Live im Lido 11.03.2011

Februar 14th, 2011 | 0 Kommentare ...  

Zwischen Indie-Pathos und Stadionanspruch

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Ausverkauft! Seit Wochen schon! Die Berliner scheinen die  Cold War Kids zu lieben. Und Nathan Willett liebt Berlin – sagt er zumindest. Na, da haben sich offensichtlich Zwei gesucht und gefunden: Melancholisches Winterpublikum trifft auf melodieselige Dramatiker aus dem Sonnenstaat.

Es hat sich einiges geändert bei den Kaliforniern – manche nennen das ja Weiterentwicklung. Die Songs des aktuellen Albums ‘Mine is Yours’ zielen mehr als zuvor auf die richtig großen Bühnen dieser Welt. Der zerschossene Indie-Blues-Pop, der sich auch schon auf dem wunderbaren Erstling ‘Robbers and Cowards’ von 2006 mit einer gehörigen Portion Weltschmerz und Pathos präsentierte, segelt mittlerweile stark in Richtung glattpoliertem Mainstream – in meinem Kopf tauchen da manchmal sogar die Simple Minds auf (wer es nicht glaubt höre sich mal ‘Finally Begin’ an!). Der ‘Kings-of-Leon-Weg’ sozusagen und etwas zu berechnend, vor allem wenn man sich dazu gerade jenen Produzenten – Jacquire King – schnappt, der bereits dem Sound der Followill-Brüder die letzten Ecken und Kanten ausgetrieben hat.

Live funktioniert das Ganze aber immer noch am besten in den kleinen, vollen Clubs. Im Stadion, das neben den eingängigen Hits eben auch die großen Gesten verlangt, kann man sich diese munter vor sich hintanzende Truppe (noch) nicht wirklich vorstellen. Die völlig ungekünstelte Bühnenpräsenz eröffneten an diesem Abend den Blick auf eine Band, die sich immer noch selbstvergessen in ihrer Musik verlieren kann. Zeitweise musste man sich gar Sorgen um die Gesundheit der Kollegen von Bassist Matt Maust machen, wenn dieser in Folge seines raumgreifenden Bewegungsdranges mit seinem Instrumentenhals mal wieder nur ganz knapp einen Kopf neben sich verfehlte. Willett ist tatsächlich der Besitzer jenes unglaublich leidend-drängenden Gesangsorgans, mit dem er seine Geschichten über gesellschaftliche Außenseiter und vom Leben gezeichnete Randgestalten die nötige Verzweiflung verleiht. Wem sich da nicht hin und wieder die Härchen an Armen oder wo auch immer aufstellen, war vielleicht wirklich schon immer zu cool für diese Band.

Im Lido fügten sich die neuen Sachen soundtechnisch übrigens ganz gut ins Programm. Sie  zeigten über weite Strecken  sogar  jene Zähne, die man ihnen auf dem Tonträger bereits gezogen zu haben schien. Aber sie erreichen einfach sehr selten – und wenn dann nur in einigen wenigen Momenten – die Qualität der Songs vom Debüt. Aus der Menge wurden Rufe nach den alten Lieblingshits laut – ‘Hang me up to Dry’, ‘Robbers’ oder ‘Hospital Bed’ sind immer noch großes Kino und wurden geschickt in das Set eingestreut.  Nach ungefähr 90 Minuten konnte  man sich daher von insgesamt wohl durchaus zufriedenen Fans verabschieden.

Der Weg an die Spitze sei den Cold War Kids gegönnt, auch wenn ich befürchte, dass die Band dabei viel von ihrem Zauber verlieren könnte. Deshalb: Bitte lasst die Waldbühne noch ein paar Jahre warten.

http://www.coldwarkids.com

http://www.myspace.com/coldwarkids



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