Zwei Paar Schuhe für Portugal. The Man


Portugal. The Man live im WUK, Wien, 18.09.2008

September 21st, 2008 | 0 Kommentare ...  

Zwei Paar Schuhe für Portugal. The Man
Keine Müdigkeit: nach dem Gig eine exklusive Session für ein Videoblog - Foto: Philipp Brugner Dorfdisco 2008

Von Philipp Brugner

Das Werkstätten- und Kulturhaus ist ein nicht zu übersehender Backsteinbau am Rande der Wiener Urbanität. Über dessen Existenz können die Wiener heilfroh sein, ist es doch regelmäßiger Austragungsort für hervorragende Konzerte verschiedenster musikalischer Ausrichtungen.

Elektronisches, Balkan, Singer-Songwriter sowie Rockbands und deren vielfältige Deutung ihres Musikgenres sind dort gern gehörte und gesehene Gäste. Diesmal waren es die Gäste aus Alaska, die sich daran machten, ihren Pfeiler im Feld der experimentellen Rockmusik zu setzen.

Jene, Portugal. The Man nämlich, ließen sich vor ihrem Erscheinen auf der Bühne gehörig Zeit für Interviews und dergleichen (dazu später mehr). Angesichts dessen war es vorauszusehen, dass die Zeit dann einmal drängen musste, und so ging’s dann auch wirklich im Handumdrehen auf die Bühne.

Für all jene, die etwas auf ihr musikalisches Insiderwissen hielten und die Frage nach der Personenanzahl bei Portugal. The Man als ebenso einfach wie den Sound von Tosca betrachteten, muss das Konzert gleich mit einem ordentlichen Schlag ins vermeintlich alternative Gesicht begonnen haben.

Da standen doch tatsächlich sechs, zeitweise sogar sieben Leute oben – wobei ich mir mit dem siebten Mann im Bunde nicht so sicher bin, die Tontechnik lässt grüßen…

Unter dem fahlen Licht und der Dunkelheit, die die Musiker detailliert leider nicht greifbar machten, litt das Fräulein im Bunde doch noch ein wenig mehr, als die anderen. Sie war nun mal etwas zierlich, was sie aber durch Gestik und Stimmlage gut kaschierte.

Das Soundgewitter der Band fand in der dunklen Atmosphäre und den darin durchzuckenden Lichtblitzen die entsprechend – tolle – Zeichnung. Intensiv ging’s von einem Song zum nächsten, mithilfe dieses LDL-Getümmels aus Leidenschaft, Dynamik und Lautstärke wurde sogar noch das neue dritte Album „Censored Colours” vorgestellt, man mag’s kaum glauben.

Philipp Brugner Dorfdisco 2008

Portugal. The Man - Foto: Philipp Brugner Dorfdisco 2008

Viel eher hätte man an die alles umwälzende Kraft des Prog-Rock geglaubt, die Portugal. The Man da versuchten heraufzubeschwören. Um diesen exaltierenden Zustand erreichen zu können, hätte es aber keine Passagen ruhiger Melodien geben dürfen – allein der vorangegangenen Anstrengung wegen (an die vorhin erwähnte Power von Rock möchte ich dabei gar nicht denken). Diese waren aber doch fester Bestandteil der Show.

Der letzte Hoffnungsschimmer auf einen ausufernden Abend im Zeichen der musikalischen Experimente verflog mit dem Anstimmen des „Ba-, Ba-, Ba-, La-, La-Refrains” des Mitsummsongs „Lay me back down”. Die Nummer taugt als Kinderlied, was ich persönlich gar nicht schlecht finde! Meiner Meinung nach könnten Portugal. The Man auch problemlos in den ruhigen, gemächlichen und zum Mitsingen einladenden Anzug des Akustiksounds schlüpfen – er würde ihnen genauso gut stehen, wie der der gröberen Gitarrenmusik.

Nach der vehement eingeforderten und in selber Art und Weise abgelieferten Zugabe fand sich die Band im Backstagebereich wieder. Dort, wo schon vor dem Konzert fleißig Zeit verblasen wurde. Wer jetzt schon wieder ans Zurücklehnen dachte, wurde vom Wiener Projekt namens „They shoot music” eines Besseren belehrt. Ausruhen gab’s nachher, nun hieß es noch einmal die Gitarre auspacken und eine exklusive Session für nämlichen Videoblog hinzulegen. Dass sich die Band nach dem Verausgaben auf der Bühne gleich noch einmal zu Höchstleistungen trimmen musste, hatte sie sich selbst zu verdanken, war der Live-Gig danach doch eigentlich schon vor dem Konzert geplant gewesen…

Wer dabei aber noch von dieser Vielzahl an Fans begleitet wird, wie Portugal. The Man, dem dürfte die Müdigkeit kaum anzumerken sein – ganz im Gegenteil, der Spaß diktierte das Geschehen. So mutierten sowohl der Hof wie auch das Hinterhaus des WUK zu einer improvisierten Lauffläche für die live und unplugged vorgetragenen Songs der sichtlich gut gelaunten Musikerfreunde aus Alaska – für viele der staunenden Zuhörer sicher eine Novität.

http://www.myspace.com/portugaltheman

http://portugaltheman.net

http://theyshootmusic.at



Kommentare sind geschlossen.