Zwei Löwen in der Waage


Mona Mur Live im White Trash, 30.3.2007

April 9th, 2007 | 0 Kommentare ...  

Zwei Löwen in der Waage
Mächtiges Comeback: Mona Mur, Live am 30.3.2007, Photo © Dorfdisco 2007

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Es gibt in der deutschen Musikgeschichte eine Reihe von Künstlern, die sich in den 80ern einen gewissen Ruf erarbeitet haben, dann aber, zumeist aus persönlichen Gründen, in der Versenkung verschwanden. Ein solcher Fall ist die Ex-Hamburgerin Mona Mur, die 1982 mit FM Einheit, Mark Chung, Alex Hacke, allesamt Einstürzende Neubauten, für das nur kurz exsistierende Supermax Label eine viel beachtete 12″ aufnahm. Die Band (die Mieter) löste sich als bald wieder auf und es dauerte 6 Jahre bis JJ Burnel (Stranglers) eine erste, volle länge CD produzierte.

Mona beschritt daraufhin eigene elektronische Wege, ihre dunklen und doch kräftig dahin gehauchten Themen wurden zunehmend in der Goth Szene verhandelt, auch wenn sie sich dort nie sehr zuhause fühlte. Erst als Fatih Akin ihre Musik für seinen Berlinale Goldenen Bären Gewinner Gegen die Wand wieder entdeckte, stieg auch wieder das Interesse an der Künstlerin mit dem Namen Mona Mur.

Doch nur ein einziger, kurzer Auftritt zur Veröffentlichung des Super 80 Samplers, einer DVD mit alten West Berliner Super 8 Filmen war alles, was man zuletzt von ihr wieder sehen und hören konnte. Allerdings kam dieser so gut an – die 5 Stücke rieselten vielen doch kalt den Rücken herab – dass sich die Frage des Wiederkommens auch wieder stärker in den Raum stellte.

Nun kam dieses Jahr En Esch, Gitarrist der Industrial-Rock Band KMFDM auf die Idee, das frühe Mona Mur Repertoire elektronisch neu zu interpretieren. Heraus kamen erstaunlich krasse Backings, die auch Mona Mur überzeugten. “Das war der Wahnsinn. Das ganze Zeug, und mit En Esch, der uns damals schon mal in Hamburg mit seiner Band supportet hatte, da habe ich nicht lange überlegt”, sagt dazu Mona.

Mit Nikko Weidemann, der die ganze Sache an sich angeschoben haben soll, nahm man nun einen neuen Anlauf und trat Ende letzten Monats quasi das erste Mal seit damals wieder offiziell vor Publikum auf.

“Es ist auch der Original Scheiß der zählt”, war neben mir so eine typische Ansage. Mona Mur macht keine großen Verrenkungen, sie ist natürlich keine 19 mehr und auch viel zu abgeklärt für irgendwelche Showmätzchen. Eine elegante Handreichung rüber zum Keyboarder ist schon fast alles was sich die Lady in den spitzen geputzten Stiefel, Hosenanzug und maßgeschneidertem Topteil erlaubt.

Weidemann, Mur, Esch

Neues Lein-Up: Weidemann, Mur, Esch

Weidemann selbst befindet sich dabei in seiner Art Timewarp. In jungen Jahren schon mal so verrückt gewesen und beim Soundcheck mit der Frank Zappa Band gejammt, sieht man ihm an, wie er sich mehr und mehr in die Akkorde und Melodien hineinsteigert. Auch En Esch “lebt” seine Momente so wie man es bei ihm durch KMFDM gewohnt ist, und zusammen mit Monas kühlen, aber kräftigen Art geben sie ein ziemlich rassiges Trio ab. Oder wie Mona es beschrieb: “Wir sind zwei Löwen und einmal Waage.” Wer da welche Löwen in der Waage hält dürft ihr selber herausfinden.

Setlist:
Surabaya Johnny / Lied vom Ertrunkenen Mädchen / Mon Amour / Snake / 120 Tage / Eintagsfliegen / Rasch, Jungens (Song von Mandalay) / Zugabe: The Man on the Satellite (von “Warsaw” )



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