Zeter und Mordio im Festsaal


Kommando Sonne-nmilch im Festsaal Kreuzberg Berlin 02.10.2010

Oktober 3rd, 2010 | 0 Kommentare ...  

Zeter und Mordio im Festsaal
Kommando Sonne-nmilch Pic Promo

Von Benjamin Cries

Jens Rachut macht ordentlich was her. Der Hamburger Sänger und Schauspieler ist eine imposante Gestalt. Und wenn seine Band „Kommando Sonne-nmilch“ richtig Fahrt aufnimmt und Punkschüppchen – wie das Label es nennt – durchdrischt, zuckt er freudig mit den Unterarmen. So zuckt es auch im gut gefüllten Festsaal Kreuzberg gleich zum Opener „Kranke Geister“. Bevor sich der Frontmann wieder der Menge zuwendet, um mit Zeter und Mordio das wuchtige Treiben seiner Mitmusiker zu unterstützen.

Dabei wirft er mit Textfragmenten um sich, denen bei aller Abstrusität eins zu entnehmen ist: gut ist es nicht, wie es ist. Rachut ist ein veritabler Beobachter, er benennt „oben“ und „unten“ und beschreibt, wie es vor Ort aussieht. Nämlich klaustrophobisch. Vor allem unten. Vor allem da, wo sich das Scheitern abzeichnet. Bei aller Wut und Empörung werden weder Agitation noch Ausweg geboten. Nicht von Kommando Sonne-nmlich.

Das Ganze punkrockkracht in der langen musikalischen Tradition anderer Rachutscher Bands und Projekte, von denen hier nur Oma Hans und Das Moor genannt werden sollen. Jawoll, Das Moor – viel zu oft übersehen, wenn die Rachutsche Bandleiste runterdekliniert wird.

Die nötige Portion Sonne-nmilch liefert der 5-köpfige weibliche Chor. Es setzt rriot-girl-Shouts und alles andere als zuckrige Refrains. Die dick aufgetragenen Schwangerschaftsbäuche entpuppen sich derweil als Attrappen und fliegen zur Zugabe unters Volk. Der Festsaal tobt. Kommando Sonne-nmilch hauen noch mal rein, kommen zu zwei Zugabeblöcken zurück. Alles singen vom „Stand der Dinge“. Dann ist es vorbei.

Verzweiflung und Schmackes, so muss Punkrock schmecken. Und wenn es auch viel zu viele Punkrockkapellen gibt, eine Jens-Rachut-Band sollte immer dabei sein.

http://www.myspace.com/kommandosonnenmilch



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