Zerstöre deine Jugend


Transformer di Robotor, live im Kaffee Burger 25,3,2004

April 1st, 2004 | 0 Kommentare ...  

Zerstöre deine Jugend
Alexander Kloster, Johannes Malfatti, Transformer di Roboter, Photo © Dorfdisco 2004

Von Sebastian Riewe

Ran Huber ist bekanntermaßen recht umtriebig, da wundert es nicht, dass „am Start” neuerdings auch jeden letzten Donnerstag im Kaffee Burger zu finden ist. „Startburger” nennt sich das dann (am Start + Kaffee Burger = Startburger, got it? Haha). Ein glücklicheres Händchen als bei der Namensgebung hat Herr Huber dann doch bei der Auswahl der Livegäste bewiesen: Transformer Di Roboter, auch keine ganz Unbekannten mehr, brachten die Burger-Kiste ins Rollen.

Alleine der Name! Diejenigen von uns, die den Großteil ihrer Kindheit in den 80ern verbracht haben, werden sagen: „Jaja, die hatte ich damals auch, diese Dinger, halb Auto, halb Robotermonster mit Waffen und so…”. Mal abgesehen davon, dass hier der Name von der italienischen Tv-Serie genommen wurde, werden alle anderen eher darüber nachgrübeln, wo sie diesen Schriftzug schon mal gesehen haben.

Ich kann’s Euch sagen: in jedem verdammten Klo so ziemlich aller Berliner Clubs kleben die Bandaufkleber und lächeln einen von gefliesten Wänden herab an. Man kommt eigentlich gar nicht drum herum sie irgendwo zu sehen, wenn man dem holden Partyleben nicht abgeneigt ist. Und irgendwann erzielen diese Klebelogos auch ihre Wirkung, denn man beginnt zu denken „jetzt kennt bestimmt die halbe Stadt diese Band schon, nur ich mal wieder nicht, und das muss sich ändern – am besten gleich!”

Zuletzt hatten sie noch als Vorgruppe zur Mediengruppe Telekommander im Lovelight abgeräumt, und ich frag mich noch, ob Konzerte im alten Burger – kleiner Raum, mittelprächtiger Sound – überhaupt eine gute Idee sind, da betreten Transformer di Roboter im sportlichen Freizeitlook die Bühne.

Anfangs noch leichte Irritation ob der fiesen Bekleidungsauswahl (Sänger Alex in Slackerhosen mit flabberigem BSC Preussen Eishockeytrikot – Keyboarder Malfatti im Backstreet Boys T-Shirt), folgt gleich noch größere Irritation aufgrund der Musik: Schlager! Inbrünstig intoniert der Sänger ein Stück, das mir zwar unangenehm bekannt vorkommt, als minimal high-speed Atarisound aber völlig neu ist. Jedenfalls wird man von Beginn an hineingeschubst in eine Coverversionenhölle, aus der es bis zum Schluss kein entrinnen gibt.

Fühlt man sich wohl? Schwer zu sagen, doch es beginnt Spaß zu machen. Die Roboter basteln sich da etwas zurecht, was vielmehr cleverer Elektro-Metal als blöder Elektro-Punk ist. Mitunter schwer zu ermittelnde Cover von Slayer über Metallica und City (!) bis Beach Boys mischen sich mit eigenen Stücken, die die Ästhetik des Zitierens und Umdeutens weiter verfolgen. Es ist ein wenig so, also würde die Plattenkiste deiner Jugend zerstückelt und zerstört, nur um danach die guten Fragmente zu etwas Neuem zusammenzusetzen. Die beiden gebürtigen Berliner Johannes Malfatti und Alex Kloster kriegen es tatsächlich auf die Reihe, aus längst vergessenen, mitunter missliebigen Songs sogar so etwas wie Coolness herauszukitzeln, also quasi ein abgelutschtes Rockauto in ein duftes Elektro-Understatement-Monster zu transformieren.

Wirkt Kloster hin und wieder wie eine, windschiefe Ausgabe von Mike Patton, malätriert Nucleus Malfatti derweil sein Keyboard hyperaktiv-genial bis angenehm-unsanft in Richtung Happy Dancecore. Live macht das vor allem Spaß, wenn mit einschlägigen Posen nicht zurückgehalten wird. Ob auf dem dahinter postierten DJ-Pult herumgehüpft (welches dem Kollaps gefährlich nahe war), oder Mikro an den Genitalien geschrubbt.

An Klischees wurde an diesem Abend jedenfalls nicht gespart. Mal abwarten, was der nächste Ran-Burger bringt, hat er es doch immerhin geschafft weniger ödes Laufpublikum in den Laden zu locken, als hauptsächlich Fans, die die Band sehen wollten. Das ist dort selten! Es gibt also nichts zu meckern…



Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: