X and the Living End


30.3.2006, Rosi’s

Mai 1st, 2006 | 0 Kommentare ...  

X and the Living End
Miss Le Bomb / X and the Living End, Photos © William Minke, Dorfdisco 2006

Von

Es war einer der verrücktesten Tage der Woche, noch 72 Stunden vorher wurde ich zu einem Moderator für ein türkisches TV Programm erkoren, und seitdem jagten wir von Plattenläden zu Clubs zu spontan arrangierten Interviews mit Team Plastique, den Dead Chickens, Stereo Total und Steve Morell, weil er mich zufällig am selben Tag anrief. Als wir beim Essen auch noch zufällig am Tisch neben Felsi von den Ärzten landeten hatte ich eigentlich schon genug. Nicht aber meine jungen türkischen Freunde. Sie wollten an ihrem letzten Abend noch eine Band live sehen, so Punk, und da die Expoxies/Briefs ausverkauft waren, fuhren wir spontan zu Miss Le Bombs neuer Band X and the Living End ins Rosi’s.

Drinnen tanzte eine ganze Schulklasse belgischer Mädchen zu Elektroclash während die Jungs in den Räumen verteilt rumhingen und nach und nach trudelten auch noch Snax und Khan und Razi und dazu auch Francoise ein, kurzum, um uns scharte sich eine ziemlich illustre Gesellschaft und die Gespräche rissen in keiner Richtung ab. Zwischendurch sollte ich auch noch meine 10 wichtigsten Lieblingsbands notieren, sowas lasse ich hier aber besser, schließlich lag der Volltreffer darin was dann passierte.

X and the Living End bestiegen nämlich die kleine Bühne in dem Friedrichshainer Talentschuppen, und -äh- wenn ich die einzelnen Mitglieder dieser Band noch wem vorstellen muss, ich tue es gerne: an den Vocals und Keys befindet sich Catriona Shaw a.k.a Miss Le Bomb, besser bekannt durch Projekte wie Queen of Japan, Electronicat, und oder auch die berüchtigten Wired Nights Aktivitäten, an der Gitarre Fred Bigot, selbiger ebenfalls bei Electronicat tätig, und an den Drums mal wieder der göttliche Chris Immler, der wo man nie weiß ob er sich nun mit einem oder zwei m’s schreibt, aber, wie sein Name einfach verlautet, seine Stöcke ja immer wo drinhat, wenn er nicht gerade im Badezimmer verschwunden ist.

Drauf, und das ist nun wörtlich zu nehmen, hatte die Truppe jenen modernen Garagenrock, den man in solcher Formation heutzutage schonmal öfter antrifft, aber nicht in dieser Musikalität. Die jedenfalls ist mir noch irgendwie in Erinnerung geblieben (ich erinnere noch einmal: ich hatte gerade einen 72 Stunden Aufnahmemarathon hinter mir), und zwar als krachig-sexy Virtuosität, die man eben nicht bei jeder modernen Garagenrockband antrifft. Lag es an wie immer an Chris Immler’s Durchgeknalltheiten, an des Gitarristen Fingerfertigkeiten oder Miss Le Bombs Komplettaustrahlung angefangen bei Gesang und gleichzeitig perfiden Pianopogoagressionen in durchsichtigen Kleid und roten Stiefeletten die, frag mich nicht warum, an Jean Seberg in Jean Luc Godard’s Ausser Atem erinnerte, das ganze X and the Living End Ding hatte so einen Jaa! Character und hinterher wussten sie micht mal mehr was sie denn noch als Zugabe spielen sollen.

Meine türkischen Freunde waren auch völlig begeistert und redeten nur noch davon dass dies nochmal ein unerwartet gelungener Höhepunkt gewesen sei nach 3 unvergesslichen Tagen Berliner Durchmachkundschaftens. Das fand ich dann natürlich auch ganz gut weil es auch nur für diese Band sprechen kann, denn wer nach “wir haben schon viel gesehen” noch tip-top rüberkommt, der muss schon was drauf haben, vor allem dann, wenn es ihr angeblich aller erster Auftritt gewesen ist.



Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: