Wo Laufen Sie Denn?


Langstreckenläufer im Kaffee Burger, 28.8.2008

September 1st, 2008 | 0 Kommentare ...  

Wo Laufen Sie Denn?
Langstreckenläufer, Kaffee Burger 28.8.08, Photo Philipp Brugner © Dorfdisco 2008

Von Philipp Brugner

Langstreckenläufer sollten zum ersten Mal außerhalb von Hamburg spielen – und dann gleich Berlin, wo das Volk an Ausgehfreudigen mit Konzerten doch nur so verwöhnt wird, und die Dichte an Live-Gigs der eines unverdünnten Fruchtsirups gleicht. Von positiver Resonanz und der Tatsache, dass sie – wie in Hamburg – bereits einen Namen hätten, konnten sie in der Hauptstadt also nicht unbedingt ausgehen, dazu mussten sie sich erst einmal beweisen.
Als die Band dann die Bühne das Kaffee Burgers betrat, war die Fragerei ob des richtigen Ortes für deren erstes Auswärtsspiel erstmal gegessen und letzte Zweifel kehrten sich in Zuversicht: es klang gut, was da aus den Verstärkern der Langstreckenläufer kam.

Obwohl, wie Langstreckenläufer sahen sie ja eigentlich gar nicht aus, eher wie fünf Musiker, die sich auf ihren Auftritt vor dem – leider zu gering erschienenen – Publikum freuten. Einzig Sänger Michael Skelton aufgrund seiner hageren Erscheinung hätte ich es abgenommen, hätte er mir erzählt, dass der Bandname von seiner Passion fürs Langestreckenlaufen stamme.

Er als Frontmann und Gitarrist hatte die Aufmerksamkeit aber nicht für sich allein gepachtet, waren die anderen vier auf der Bühne doch mindestens genauso präsent. Gar nicht drum herum kam man, Lennart Thiem und seiner Gitarre Bewunderung zu schenken. Der flächendeckende Deutsch-Pop, der sich durch seine Ruhe und etwas Slow-Motion auszeichnete, war nur dann kein solcher, wenn die beiden (Thiem und Gitarre) es sich anders überlegten.

Langsame Songs wurden dann mit (sehr) schnellen Riffs gefüttert, die auch sofort einer Tanzaufforderung gleichgekommen wären, wären die anwesenden Zuhörer nicht einer – anscheinend kollektiv vorhandenen – Eigenschaft anheim gefallen: Zurückhaltung. Bands, die weniger als 20Eur kosten, werden generell nicht betanzt, so mein Eindruck.

Waren die Lieder ohnehin gemächlicher Natur, brachten die zackig gezupften Gitarrensaiten von Lennart Thiem willkommenen Schwung in den zähen Menschenfruchtsirup. “Sogar eine richtige Tanzfläche gibt’s hier”, stellte er dann fest, indem er auf den mit Tanzplatten beschlagenen Boden des Kaffee Ham-Burgers zeigte. “Da kann man richtig gut tanzen!”

Es half alles nichts, der Tross ließ sich nicht erweichen. Lieber saß man auf den gemütlichen Stühlen und Barhockern, nippend und wippend. So ließ man sich den überwiegend akustischen Gitarren-Pop der Hamburger gefallen.

Durch die Mithereinnahme von Musikinstrumenten wie Rassel oder Triangel wurden die Songs manchmal für kurze Zeit vielschichtiger. Dominierend waren neben Thiems Tönen die Stimme von Sänger Skelton, das Schlagzeug von Drummer Philip Keiner und die digitalen Rhythmen Fabian Tormins am Synthesizer. Was und wer ein wenig untergingen war der Bass und Hagen Zipf, der an ihm sein Können zeigte.

Bei den letzten Songs musste man mit seiner Bandbesetzung etwas vorsichtiger werden. Plötzlich blieben Schlagzeug und Synthesizer wo sie waren – aber Philipp Keiner und Fabian Tormin hatten die Plätze getauscht.

Dafür und für das darauffolgende Einklatschen des Neuen an den Drums gab’s Sympathiepunkte von mir. Damit jener nämlich den richtigen Takt finden konnte, musste sich – vor allem – Lennart Thiem richtig ins Zeug legen. Er klatschte und klatschte und klatschte. Dieses Dauertaktklatschen hielt bis da an, wo es Tormin gelang in den Rhythmus einzusteigen. Ein Hauch von Musikschule griff um sich.

Nach gut einer Stunde war der erste Wettbewerb des Langstreckenläufers außerhalb von Hamburg dann vorüber. Ich würde mal meinen es war ein gut gelaufenes Rennen, bei dem er aber – öfter als gezeigt – aus sich herausgehen hätte können. Aber er läuft ja noch weiter, und demnächst wohl auch wieder irgendwo durch die Lande.

www.myspace.com/langstreckenlaeufer



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