Wir fuhren in die Hölle, jetzt sind wir wieder da


Sexo Y Droga im Golden Gate, 28.2.04

Februar 10th, 2004 | 0 Kommentare ...  

Wir fuhren in die Hölle, jetzt sind wir wieder da

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Kaum eine Berliner Band hatte in den letzten drei Jahren soviel begeisternden Vorschuss erhalten, ganze Abende für sich entschieden, reihenweise Fans gesammelt, um dann, erstmal wieder alles in Frage zu stellen und sich über ein Jahr in kreativer Zwangspause zu befinden. Was war geschehen? Gibt es mildernde Umstände?

Als Mitte letzten Jahres ein angekündigter Sexo Y Droga Auftritt nur eine Stunde vor Beginn abgesagt werden musste, war die Konfusion perfekt. Eigentlich war niemand in der Band dafür, aber ein Bandmitglied warf unglücklich das Handtuch, und damit gleich einen Teil des sich bis dahin entwickelten Sexo Y Droga Kompostionsanteils. Die Folge war ein fertig aufgenommenes Album, das nunmehr auf Eis lag und wieder neu aufgenommen werden musste, und erstmal nur ein einziger Auftritt bei Hackes Bada Bing! im Dezember letzten Jahres, der zudem noch ungewohnt lau ausfiel.
Doch jetzt, vier Monate nach Bada Bing! und eine gesund arrangierte Ewigkeit nach dem Debakel standen sie das erste Mal wieder für zwei Auftritte in Potsdam und Berlin vor ihren treuen Fans. Das Golden Gate, eine stickig verrauchte S-Bahngruft war voll gepackt, der Sound der Drogas dröhnte lauter als die über sie hinwegdonnernden S-Bahnzüge, und das spärliche Licht zweier richtungslos blendender Weisslichtbirnen warf lange Schatten an die kalkweissen Wände – schlicht das richtige Ambiente für eine Band mit dem krachigsten und sebstquälerischsten Sex-appeal seit es Auspeitschparties gibt.

Sexo Y Droga, zurück im Golden Gate 28.2.04, Photo © Dorfdisco 2004

Sexo Y Droga, zurück im Golden Gate 28.2.04, Photo © Dorfdisco 2004

Entsprechend steigerten sich die Sexos auch diesmal wieder bis, ja bis zur Selbstzerstörung. Ihr Markenzeichen ist und bleibt der Sound unkontrolliert rollender Felsbrocken, dessen Widerhall, wenn sie allmählich im Tal salzloser Tränen in Stücke zerbrechen, bis in die letzten, entfernten Töne wiedergegeben wird. Dazu wälzen sie sich irgendwann auf dem Boden, kämpfen mit dem Auge des Zuschauers und attackieren ihn mit höllisch verwobenem Doom, der die Welt der Trennung geradezu aufhebt.

Dass sie dabei auch noch ziemlich selbstverliebt sind zeigen nicht nur die unkoordiniert neben Sänger Mik le Rock her laufenden Freistileinlagen des zweiten Effektvokalisten Adulf B., sondern auch das gelegentliche “SCHNELLER!” schreien von Gitarrist Henni Hell, das den-Bass-in-den-Verstärker rammen von Bassisten King Kaag, sowie das mitlerweile schon zum running Gag gewordene Lapidardrumkiteliminieren von Schlagzeuger Randyman. Bei ihm komme ich ja nicht herum zu meinen, dass er für sich zuhause noch insgeheim grüne Kanarienvögel züchtet.

Wie die Band aber verlauten liess, soll das erste Album auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Für die Band, die es seit nun mehr vier Jahren gibt und noch zu den Identifikationsfiguren einer seit Ende 90 jungen Berliner Untergrundszene gehört, wird dies auch Zeit. Gerade in Berlin drängen viele nach, wenn auch nur wenige eine solch manische Energie wie Sexo Y Droga zu entwickeln imstande sind.



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