White Trash Fast Food Real Life Rock Drama


Das White Trash Fast Food Real Life Rock Drama in der Columbiahalle September 2004

September 20th, 2004 | 0 Kommentare ...  

White Trash Fast Food Real Life Rock Drama
White Trash Fast Food Real Life Rock Drama

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Ich weiss nicht wieviele Worte herhalten müssen für Berlins erste Nachteulen. Wally hatte es schonmal vorgemacht und mit “White Trash Fast Food Real Life Rock Drama” ein wahres Monster geschaffen. Am Ende gingen  die Buchstaben aus und es wurde “White Trash Fast Food Real Life Rock Shit” daraus. When Drama turns to Shit, dachte auch ich mir für etwa die 20 Minuten, die der Mann mit der Gästeliste brauchte, um den Namen “Doerfdisco” auf derselben zu entziffern. 20 Meter Luftlinie sass man vertraut im Sandgarten bei “Cowboys on Dope”. Anyway…

Vor uns lag eine mehrstündige, zeimlichundramtaische und selbst verbratene Show mit mehrfach gewollt potenziertem Sexappeal, die, durch einen Moment grösserem Wahn aus dem gemütlicherem Columbia Club in die unpersönliche Columbiahalle verlegt wurde, wo sie von den unter tausend, in der Halle verteilten Schaulustigen zwischen Platten- und Tattoo Ständen eher verloren abgenommen wurde.

Zuerst waren da die Nothings. Mir gefallen sie, weil, mit No-things, mal wieder eine Anspielung auf The Things, und vielleicht nennen sie sich demnächst ja The Nothing Things, kann man auch nicht viel falsch machen. Ausserdem liebe ich Shizuo, und wer das nicht tut, gehört gegrillt. Zuvor spielten sogar noch die Trash Cats, eine andere White-Trash Betriebsband, die ebend so feminin statt Bier schrille Töne spuckten. Und dazwischen mal wieder Hulla-Hopp bzw., Hacke&Waschke, das heisst, eigentlich nur Hacke, weil Waschke vom Publikum als peinlich geprüfter Theaterschauspieler gnadenlos ausgepfiffen wurde.

Dies war aber auch schon fast der einzige Aufstand. Denn, sollte das Line-up auch total wild und verrucht sein, irgendwie war man ja doch schon zu abgebrüht und alt genug um nicht die meiste Zeit draussen im Garten ein, zwei Bier oder ne Jolle zum gut sein zu heben. Zudem schien dank dem perfektem Einsatz des ständig Anweisung verteilenden und über die Bühne laufenden Roadies Ed “gib mir mal die Gitarre” Chaos Czupkay und einem grossem Vorhang, der mal tipsig auf und dann tupsig wieder zugezogen wurde, alles wie am Schnürchen zu laufen.

Nur einmal, und das war ja schon ein völlig aussergewöhnlicher, unbezahlbarer Moment, kam Razi von den Golden Showas im Bademantel durch den Vorhang hervor, um dort irgendein Effektgerät einzustellen. Da war der ganze Goldanstrich schon verraten und als sie dann loslegten, naja, die Meinungen gehen da noch auseinander. Jemand, der es nicht gesehen und nur gehört hat, fand sie ganz gut, andere widerum sind mal kurz rausgegangen. Razis Golden Showers-Showstopper, die sich nochmal wieder nur für diesen einen Abend reformiert hatten, und, wenns denn genug Kohle gibt, sich bestimmt noch die nächsten 50 Jahre ausziehen, war ein über den Schwanz gezogener Gummi, der, ins Publikum geworfen, unerwartet zurückgeflogen an Razi’s Brust landete. Der Rest war selbst-zelebrierte Standmukke auf 10cm Absätzen, die ausser den bekannten 60s, Cramps und Stooges Standards nichts zu bieten hatte.

Danach kam Maxi Hecker a.k.a. Fotzimilian Lecker. Der Name alleine hatte im Vorfeld schon für irritierter Heiterkeit gesorgt. Maxi war’s eher egal. Er dudelte ein paar Coverversionen runter, bis er, von Wally durch den Vorhang ermahnt endlich mehr Metalnummern zu spielen, mit Chris Crisis auf einem Pappkarton als Drumset Heroin von The Velvet Underground interpretierte dergestalt, dass alles passte und ergo mucksmäuschen still erst zuhörte und dann verdient applaudierte.

Auftritt Cicciolina. Man muss ihr einen gewissenhaften Charme lassen der sich trotz durchsichtiger Bluse um sie herum entfaltet. Ihre Worte zu der Tragödie in Beslan waren im italienischen Original sicherlich sauberer als die deutsche Übersetzung (terroristische Terroristen), und, auch wenn ihr zum Playback gemimter Eurotrash (“Everything is physical, Oh Cicciolina, everything’s political” – Machines of Loving Grace) keine musikalische Offenbarung bereit hielt, versprühte sie doch zumindest eine naive Herzlichkeit gegenüber einer sonst eher offensiven Haltung, der stets auf die Schulter geklopft werden will.

Dann erlebte man noch Feedom nahe an der Tiefschlafgrenze. Taylor Savvy’s Lapsteel Gitarre war kaum zu hören und auch Peaches und Gonzales gaben nach ca. 20min. auf, nur um noch einmal wiederzukehren, was, so wie ich mich an meine eigenen Worte erinnere, ihre Ehrenrettung war, denn da rockte es doch nochmal.

Fehlen noch Skew Siskin mit Berliner Frontfrau Nina Schulz und dem ex-PVC Gitarristen Jim Voxx, auf die ich besonders gespannt war und irgendwie den ganzen Abend gewartet hatte. In Berlin sind sie ja kaum präsent was daran liegt, dass sie ihre Fans eher in England oder den USA finden. Zumindest touren sie dort schonmal im Vorprogramm von Black Sabbath oder Motorhead, was man dann in Nina’s Ansagen auch mächtig mitbekam: Hey White Trash Rockers, Motorbikers, fat pussies… usw. Klar war, dass die Busladung Skew Siskin Fans in der weiten Columbiahalle nicht nur die Band selbst, sondern den verprochenen ex-Jimi Hendrix Roadie Lemmy von M-head sehen wollte, der dann auch tatsächlich kam – nämlich für ein Stück e-a-b Rockstandard, wofür auf sein Verlangen hin extra ein ganzes Soundsystem angemietet wurde.

Der Höhepunkt aber, und da hatte ich der Szene schon längst den Rücken gekehrt, musste der Disput zwischen Wally und Patric Catani/Gina d’Orio a.k.a. The A*Class live auf der Bühne gewesen sein, die als Letzte noch ihren speziellen Booty Sound auflegten, dem Wally aber den Stecker zog, weil das angeblich nicht genug Metal oder halt White Trash Insider war.



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