Werd Musiker!


1000 Robota, live im Magnet, 11.10.08

Oktober 14th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Werd Musiker!
1000 Robota, live im Magnet, 11.10.08 - Foto: Dorfdisco 2008

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1000 Robota sind die Band der Stunde. Wer diesen Samstag seinen Weg ins Berliner Magnet fand, gehörte zu den Glücklichen, die diese Band auf ihrer ersten Deutschland Tour erleben durften. Eine knappe Stunde spielten sie, und das, obwohl ihr erstes Album nur 26 Minuten lang ist.

Der Club war nicht einmal ausverkauft, nur halb gefüllt mit Grüppchen versprengter Motivationen. Da gab es die beiden Rotzlöffel, die vor der Bühne das Terrain für sich alleine ausmachten und immer wieder, mit mehr oder weniger geschickten Zwischenrufen wie „Ihr seid Musiker!” glänzten, und von 1000 Robota Sänger und Gitarrist Anton Spielmann als „Punks” betitelt wurden, die doch bitte auch mal den etwas verschüchterten Mädchen Platz gewähren sollten.

Dann gab es die, wie es schien, große Mehrheit Interessierter oder Musikkenner, die von Anfang Zwanzig bis Ü-30 im Raum verteilt der Band aufmerksam zuhörten, aber auch begeistert abfeierten. Und dann gab es die Band, 1000 Robota aus Hamburg, um die 18, oder 19, mit Vorurteilen und gespaltener Meinungen behaftet, die es aber, konzentriert man sich auf ihren Output, faustdick hinter den Ohren hat.

Zuerst kommt dieser Sound, den keine andere deutsche Band derzeit drauf hat. Die kalt-kratzige Gitarre (80ig-kratzig-tanzig), der knarzig-verzerrte Bass (nehmt euch ein Beispiel am Gebrauch von Ampeg Bassamps), die treibend synkopierten Drums (nehmt euch ein Beispiel an… usw.), das zusammen ein panzerbrechendes Tanzwas zum Ausflippen ist, und obendrein auf Platte hervorragend produziert wurde.

Dann ist da ihre Art aufzutreten. Die Bühne in schwarz-weißem Gegengewitter, die Farben getilgt, zelebrieren sie unbekümmert aller Vergleiche ihre neuen Moves in alten Schuhen. Denn die Ü-30er werden dies oder das schon mal bei Gang of Four, oder James Chance and the Contortions erlebt haben, nur nicht so heftig, giftig, wo es für die Jüngeren ein – hoffentlich – glücklicher Angriff auf kuschelige Hörgewohnheiten ist.

Noch sind ihre Texte und Ansagen elementar, ihr Sound eine einzige Message mit der Dünkelmukke zu brechen, dort kennt ihre Haltung keine Unsicherheiten. Dort haben sie die Branche an den Eiern, sind sie ein Tritt in das Tippex des Journalisten, der sich nur in Rettungsvokabeln wie „blutjung” oder „Jungspunden” flüchten kann und genau weiß, das sie das Amphetamin sind, das er sich nicht zu nehmen getraut hat.

Überhaupt geht es erstmal nur um eine umfassende Aufbruchsstimmung. Spielmann breitet zu „Wir bauen eine neue Stadt” die Arme aus und will diesen Moment zelebrieren, als handele es sich schon um das Ende der abgerauchten deutschen Popszene, etwas, das sich 1000 Robota nicht nehmen lassen will. Ein „es geht noch was”, und es geht am Besten mit uns! Schließlich haben seine „Eltern” ihm gesagt: Junge, lerne etwas vernünftiges, werde Musiker!

Prompt verlängern sie ihren CD-Opener “Heute” um ein paar gewichtige Zeilen: Ich sag zum ersten Mal / ich lebe dieses Leben / und ich lebe es mit Euch / ich bange um mein Leben / und ich bange auch um euch

und

doch eins ist klar / es geht ums trauen / ihr habt die Kraft / etwas zu bauen

Das sagt kein 19-jähriger Neueinsteiger, dem zuweilen eine überhebliche Arroganz angeheftet wird, der aber von glamurösem Reichtum träumt, sondern da skandiert einer genau das, was in dem verkopften, im sich selbst eingerichteten Diskurs-Pop von Hamburg bis Köln und Berlin längst nicht mehr gedacht wird.

Dann kommt man auch nicht vom schwermütigen Herzen, sondern von der Seele, wie wenn man die Zugabe mit ins Set nimmt, weil man „es grässlich findet, wenn man da ist und dann geht und die Leute jubeln einen so bescheuert wieder zurück”. Deswegen bleiben sie einfach und spielen bis fertig und gehen. Und dieses „gehen” wird lang und dringlich gezogen, damit es auch jeder versteht. Man will sich freihalten von üblichen Konventionen, und versucht sich darin schon ganz ordentlich.

Dadurch werden sie (eines Tages) großer Kult und Vorbild vieler anderer Bands werden. Sie müssen nur lange genug warten, nur das will vielleicht noch gelernt sein.



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