Wenig Kanada, viel Russland


Handsome Furs live im Bang Bang Club, Berlin, 09.02.2009

Februar 12th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Wenig Kanada, viel Russland
Alexei Perry - Handsome Furs, Foto: Tanja Krokos Dorfdisco 2009

Von Philipp Brugner

Dan Boeckner (Wolf Parade) und Alexei Perry a.k.a. Handsome Furs befinden sich gerade auf Metropolen Hopping um ihr neues Album Face Control zu promoten. Erste Station war Berlin, wo sie im Bang Bang Club auftraten. Danach führte sie ihr Weg gleich weiter nach Frankreich, wo sie ihre nächsten Konzerte spielten. Wer die Kanadier verpasste, hat noch die Chance sie auf der Tour im April zu erleben.

Heute abend haben sich die Furs aber mehr als nur das abspulen von Songs vorgenommen. Zum Beispiel die Song-Premieren-Überraschung, wenn es heißt „We do play this song for the first time live”. Da lässt es sich dann gar nicht verhindern, dass das Ganze irgendwie auf eine besondere Stufe gestellt wird. Wie bringt die Band das Lied rüber, welche Gesten hat sie sich dafür einfallen lassen? Die Zuhörer munkeln. Wie kommt der Song unter den Leuten an, bewege ich mich gut genug? Die Band munkelt auch.

Diese beidseitige Erwartungshaltung ist es dann, die der Atmosphäre ihren Reiz verleiht. Dan Boeckner und seine Frau Alexei Perry hatten mit ihrem ersten Album „Plague Park” schon ein solides Stück musikalischen Schaffens abgeliefert, und auch mit dem neuen Material enttäuschen sie uns nicht. Der Gig war erst einige Lieder alt, als besagte Ankündigung laut wurde. „….next song for the first time”, ließ Dan Boeckner durchs Mikro wissen. Na also, da hatten wir die hochgeschraubte Song-Premieren-Stimmung.

Daraufhin unterließ das Duo keine Masche aus die Intensität ihres Auftritts zu unterstreichen. Alexei Perry stieß im Dauertakt mit dem Fuß auf den Boden, Dan Boeckner schwang Gitarren-Schlaufen mit beträchtlichem Radius durch die Luft. Von ihr gab’s schnelle Beats, von ihm treibende Akkorde. Der beste Beweis dafür, dass es für ein Gitarrenkonzert mit beträchtlichem elektronischen Anteil keine vierköpfige Besatzung braucht – ein kanadisches Ehepaar reicht aus.

Dan Boeckner - Ruski T-Shirt foto: Tanja Krokos Dorfdisco 2009

Dan Boeckner - Ruski T-Shirt foto: Tanja Krokos Dorfdisco 2009

Wenn Alexei Perry das Keyboard und den Synthesizer bedient, spielt Dan Boeckner mit Gitarre und Gesang. Den Auftakt machte „Legal Tender”, ein Track, der so ganz und gar nicht der Einstimmung diente, sondern bereits an die Schnelligkeit des weiteren Gigs anknüpfen sollte. Ein erster, bereits sehr vielversprechender Einstieg ins neue Album.

Die weiteren Stücke bestätigten die Vermutung, dass den Handsome Furs mit „Face Control” ein Wurf gelungen ist, der noch für viel positive Resonanz sorgen wird (Releasedatum ist der 10. März). Die Vehemenz und Schnelligkeit der Musik scheint zum Charakteristikum der Kanadier geworden zu sein. Vor allem Nummern wie das den Anfang machende „Legal Tender” oder „I’m confused” bestätigen dies

Boeckner & Perry spielten 70 Minuten, um nachher nochmals für eine zwei Songs dauernde Zugabe aufzutauchen. Es waren gute 70 Minuten, die davor abgeliefert wurden – obligatorisch, danach noch eine Zugabe zu fordern. Dass die abermaligen Rufe nach den Beiden schon während deren Abgang laut wurden, spricht für die Handsome Furs.

„Face Control” zeigt einen russischen Einschlag. Das wurde auch anhand der Szenerie dieses Konzertes deutlich. Von gespielten Songs wie „Nyet Spasiba” (= russisch für „nein danke”) und „Radio Kaliningrad”, über das T-Shirt Boeckners mit sowjetischem Fluglinien-Emblem bis zu einem Fanartikel-Stand, der Artikel kyrillischen Aufdrucks feilbot, war alles an Väterchen Russland angelehnt.

Die Worte, die Dan Boeckner in Russland lernte, sind nun eben Worte, die eine Nummer des Albums betiteln: „Nyet Spasiba”. Ob er auch russische Fluglinien bevorzuge, oder gerne Ätherwellen aus Kaliningrad empfängt, hat er uns leider nicht mehr verraten. Vielleicht, weil er einfach zu sehr mit der musikalischen Harmonie zwischen seiner Gitarre und den Elektroapparaturen seiner Frau beschäftigt war. Und die bekam er ja auch sehr gut hin.

www.myspace.com/handsomefurs

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