Weinrote Hauswolljacke


Crystal Stilts im Bang Bang Club, 10.3.2009

März 15th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Weinrote Hauswolljacke
Hüftsteif: Brad Hergett, Crytsal Stilts at Bang Bang Club, 10.3.09 Photo: Tanja Krokos

Von

Über Crystal Stilts Auftritt im Bang Bang Club am 10.3.2009 wurde lebhaft diskutiert, ob dies nun ein großer Wurf ist, oder nicht.

Der Club war packend voll, als die Band, die auf ihrem kürzlich erschienen Debut Alight of Night einen sonderbar hypnotischen Sound kreierte, und von Medien schon als die “eindeutig beste Rockband der letzten Zeit” (030) bejubelt wurde, die Bühne betrat. Ohne Keyboarder Kyle Forester, dessen Fernbleiben erstmal nicht weiter auffiel (man kannte die Band ja noch nicht live), hatte man einen direkteren Gitarre-Bass-Schlagzeug-Vocals Sound. Dennoch war man nicht ganz zufrieden, wurden die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllt.

Sollte hier eine Stütze in Sachen Kult gesetzt werden, so brabbelte die Band im Laufe des Abends doch zu sehr für sich selbst. Die Gitarre, der Bass und das beckenlose, permanent treibende Schlagzeug waren gewiss tight, verließen sich aber nur auf ihr Spiel. Das müsste nichts Schlechtes sein, wären die Stilts-Arrangements dann nicht doch etwas repetiv und sich selbst überlassen. In solchen Lagen liegt es dann am Sänger Magie, zu markieren, denn auch heute noch gilt Its the singer, not the song. Doch wie sinnbildlich kann eine weinrote Hauswolljacke sein, die so am stets in sich gekehrten und arg hüftsteifen Sänger Brad Hargett klebte, als befinde er sich auf Ausgang irgendeiner Besserungsanstalt?

Kann man sich zuhause von dem brummelnden Stilts Sound grandios einnehmen lassen, sich in das Lethargisch-Verlorene vergraben und sich an ihrem Konzept der Minimierung auf das Wesentliche berauschen, hätte es live schon eines stärkeren Rausslassens von melancholischer Distanz bedurft, um wirklich unvergesslich, das Leben verändernd zu sein.

Aber um die verloren gegangenen Städte der 70er und 80er Jahre wieder auferstehen zu lassen, bedarf es gerade live einer gewissen Magie, die sich nicht in Fragen wie “Warum ausgerechnet Berlin ein Ramones-Museum besäße und nicht New York” ausdrückt ( “Weil wir bigger Fans sind”, war eine spontane Antwort aus dem Publikum). Diese Magie drückt sich auch in einer körperlich-intensivereren Interpretation aus, die Hargett an diesem Abend nicht auszustrahlen vermochte.

Die Wahl-New Yorker, die sich mit unter anhören als hätten sie nie etwas anderes als die Velvet Underground gehört oder David Lynch Filme gesehen, und zugleich alles unter einer einzigen Jesus and Mary Chain’s Just Like Honey-Variation verfuzzen, besetzen wie keine andere Band zur Zeit Regionen melancholisch sinnlicher Sehnsucht (was ihnen schon die neue Bezeichnung Nu-Gaze einbrachte), in die mittlerweile auch neue Bands wie The Pains of Being Pure At Heart, Vivian Girls, School of Seven Bells und eben Glasvegas gesteckt werden.

Schade eigentlich, der Clubsound war gut und auch das Publikum war da. Vielleicht hat es wirklich nur am Keyboard gefehlt (was aber nicht alles sein kann), und durchweichte Erfolgskonzepte wie Interpol, Editors oder neuerdings White Lies mögen wir hier auch nicht gerade. Da haben Crystal Stilts immer noch die besseren Karten für die Zukunft, kristalliert sich bei ihnen doch immer noch die Hoffnung auf den berühmten feinen Unterschied heraus.

P.S. Wer auf die andauernden Joy Division-Vergleiche abhebt, hat Joy Divison entweder nicht gehört (möglich) oder aber auch nie gesehen (ganz möglich).

www.myspace.com/crystalstilts



Kommentare sind geschlossen.