Waldorf Schule


Röyksopp, Live im Lido, 7.4.2009

April 13th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Waldorf Schule
Röyksopp, Lido, Photo Dorfdisco 2009

Von

Viel passierte nicht auf der Bühne mit Röyksopp, die am 7.4. einen One-Off-Gig im Berliner Lido spielten, und letztlich eigentlich mehr die Frage im Raum stand, wie ihr neues Material, das Hitverdächtige ihres neuen Albums Junior live ankommen würde.

Dafür war das Lido schnell ausverkauft. Die die-hard Fans harrten dicht gedrängt eine Überdreiviertelstunde, bis Svein Berge und Torbjørn Brundtland bedächtigen Schrittes und in leichter Fantasiebekleidung die abgedunkelte, nur mit schwerem Fotogerät fotografierbare Bühne betraten, und mit Röyksopp Forever vom neuen Album einleiteten.

Ab da konnte man schon abschätzen wie der Abend verlaufen würde: Berge und Brundtland werden keinen Meter von ihren Geräten weichen, aus denen die zumeist vorgefertigten Sequenzen flossen, bearbeitet nur vom perkussiven Körpereinsatz einerseits und den selektierten Keyboardmelodien und irgendwie Glockenspielereien auf der anderen Seite.

Als wesentliches Live Element gastierte wieder Röyksopp Sängerin Anneli Drecker, die sich in kontrolliert-getragene Höhen schraubte, einer Mischung aus Kate Bush (Gesang) und Eurythmie (Gestik), und auch ein Bassist (entschuldigt, wenn ich seinen Namen nicht kenne) schwelgte im Fluss mit fühliger Perfektion, dergestalt, dass jeder neue Disco-Rhythmus, Song und Melodiewechsel der vier Akteure frenetisch bejubelt und beschrieen wurde, als wäre die Oma von den Toten auferstanden.

Über den tieferen Beats streichelte Röyksopp den Vätern des gefälligen Synthipops Jean Michel Jarre und Vangelis die Hände, und auch wenn man förmlich die Engel durch den Raum fliegen sah, rückten sie nicht von einer merkwürdigen Distanz ab, die sich zwischen ihnen und den Röyksopp studierten Chill-Out Fans erstreckte, die die Band wohl gern als eine exotisch-kühle Randlösung in kultureller Ökonomie betrachten.

Aber angesichts meines nördigen Un-Wissens (ich höre die Band erst seit Junior) funktioniert mir Röyksopp im Privaten doch besser als im Club, wo der leicht enervierende Schweißgeruch eines mental entzückten Vordermannes sein Übriges tat.



Kommentare sind geschlossen.