Von Wampen und Karohemden


So war das Wichita-Festival mit Les Savy Fav im Festsaal Kreuzberg am 18.11.2010

November 22nd, 2010 | 0 Kommentare ...  

Von Wampen und Karohemden
Les Savvy Fav, Foto: Lukas Danneberg

Von Benjamin Cries

Harrington ist unter uns. Und das will was heißen. Denn Harrington ist ein echter Brocken von Mensch. Und um uns herum wird es eng.

Tim Harrington ist der Frontmann von Les Savy Fav.

Aber die stehen irgendwo auf der Bühne, weit weg, gekleidet in Karohemden. Und machen Musik.

Doch dieser Brocken hat besseres zu tun. Er ist aus New York zum Wichita-Records-Festival in den Festsaal Kreuzberg eingefallen. Nun trägt er zur kleidsamen Haartonsur kunstvoll verschwitzte Gesichtsbemalung und pogt mit den begeisterten Leuten. Er schmiegt sie an seinen nackten, mächtigen Wanst, bequatscht, becirct, segnet und küsst sie. Findet ihre Haare schön. Dann bespritzt er sie mit Bier. Verwickelt sie ins Mikrokabel.

Siehe da, dieser Koloss ist umfassbar behände. Er windet sich empor zum Scheinwerfer, richtet ihn auf die Menge. Dann wirft er sich umso ausgelassener auf den nun hell ausgeleuchteten Fleck. Zwischenzeitlich, eher nebenbei, rezitiert er die Songtexte. Oder reicht das Mikro einfach weiter ans einfach nur ausgelassene Publikum. Das erweist sich ebenfalls als wenig textsicher. Nein, ein Sänger ist Harrington nicht.

Oben, weit weg, auf der Bühne, stehen immer noch die Karohemden. Sie spielen breitwandigen Punkrock, fett und fähig, nicht arg aggressiv, nicht wirklich laut, mit verhallter Leadgitarre. Zu perfekt? Der sperrige Artrock früherer Les Savy Fav’scher 3/5-Phasen ist passé. Doch vermissen tun wir ihn nicht wirklich.

Eine unaufgeregte Band. Oben. Hinten.

Ein tolles Konzert. Vorne, unter den Leuten.

Hier feiert Harrington fröhlich Urständ. Er hat Servietten dabei. Dazu Stulpen. Und etwas Burka-artiges. Das kleidet die Wampe. Da, jetzt pimpert er die Wand. Und borgt sich ein T-Shirt. Ob es spannt?

Du freust sich über das muntere Treiben und gerade, als du denkst, wie gut, dass dieser Trumm nicht auch noch wie die ähnlich extrovertierte Rampensau Dave Yow (of Jesus Lizard-fame) aufs crowdsurfing steht, ja doch auch nicht kann, also rein von der Form her, kommt Bewegung ins Spiel, die Leute rucken, ächzen, stolpern, irgendetwas kommt über sie – nun, “geglitten”, obenauf, schwer.

Unaufhaltsam. Direkt auf mich zu. Direkt.



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