Von Gurken und Spionen


La Stampa vs Driver & Driver / Record Release Party im Prater Foyer / 20.02.2010

Februar 26th, 2010 | 0 Kommentare ...  

Von Gurken und Spionen
La Stampa, Prater Foyer 20.02.2010, Fotos: Dorfdisco

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Es fing Scheisse an. Und wurde doch zu Gold. Feind Ordnungsamt hatte am Nachmittag kurzfristig (mal wieder) das Ballhaus Ost verriegelt. In einer Notsituation muss man (bzw. Ran) natürlich nehmen was man kriegt und der Prater liegt ja zumindest in unmittelbarer Laufweite. Damit war die Gefahr einer Absage der Stampa-Record-Release-Party zwar gebannt, aber Unbill trotzdem vorprogrammiert.

Etliche Nerdtrauben wurden an der Tür barsch abgewiesen. Schon um 22h30 hiess es: Nur noch für Freunde der Band. Um 23h ging gar nichts mehr.

Drinnen verpasste ich nicht ganz unabsichtlich den Opener Nova Huta, während ich im hellgrellen Foyer den abstrusen Geschichten einer verzweifelten P-Berg-Solo-Mutti auf Männerfang lauschte. Sie hätte kürzlich binnen weniger Monate zweimal den selben Mann in der selben Bar angesprochen ohne es zu bemerken. Er musste sie erst darauf hinweisen, dass er sie bereits beim ersten Mal doof fand und stattdessen mit ihrer Freundin abgezwitschert ist…(!?).

Vor der Tür behauptete inzwischen JEDER mit der Kapelle persönlich bekannt zu sein, was mich widerum zu der Vermutung veranlasst, dass sich im Nachhinein dafür zumindest einige geschämt haben. Wäre jedenfalls eine angemessene Regung.

Nachdem dann doch noch ein letztes kleines ausharrendes Grüppchen (inkl. 2/3 Britta) hineingelassen wurden und auch ich von der Chefredaktion telefonisch mit den Worten: “Ey komm mal rein jetzt, die Stampas fangen schon an… die haben bestimmt Schiss NACH Driver zu spielen!” nach drinnen beordert wurde (weil: rauchen natürlich nur draussen aber Flaschen bleiben bitte drinnen…), nahm das Unheil seinen weiteren Lauf.

Der vollgefüllte -von der Hintergrundmusik abgesehen- auffallend stille Saal, glänzte durch Abwesentheit jeglicher Spannung aka Stimmung. Dieses Level der gepflegten Langweile wurde von den „singenden Kunstkritikern“ wie La Stampa vom eigenen Label trefflicherweise genannt werden, allerdings konsequent gehalten. Müder Applaus, blasierte Gesichter vor und auf der Bühne, hilf- und witzlose Ansagen zwischen belanglosem Geknödel. Du meine Güte.

Photos: La Stampa, Driver & Driver, 20.2.2010 Prater Foyer

Was auf der (mir sehr angenehmen und hier in punkto Raumbeleuchtung prophetisch besprochenen) Platte (zu der sich übrigens vorzüglich kochen lässt) noch frisch und luftig daherkam, verlor sich live in purer Überflüssigkeit. Muckertum hat sich noch nie und wird sich auch nie lebendig anfühlen.

Nicht unerwähnt bleiben sollten auch: die vollzählig anwesende Hornbrillenvertreterbezirksversammlung und das lachsfarbene Oberhemd des selbstverliebten Sängers zu dem farblich passenden, unter seinen Achseln baumelnden Saiteninstrument in Rostrot. Chapeau!

Zeit für einen ausgedehnten Toilettenbesuch…auf welcher später noch von einem unserer Spione folgende herrliche Konversation aufgezeichnet wurde: Stampastimme zu (unbekanntem, aber wahrscheinlich als Agent tätigem) Gast: „Du sag mal, was ist denn eigentlich besser? Booking per email oder Telefon?“

Patric Catani, Driver & Driver, Foto: Dorfdisco

Genug von diesem Trauerspiel. Now for something completly different: DRIVER & DRIVER!

Das diametrale Gegenteil zum Stampentum.

Der Kontrapunkt zu Ungeil/Unsexy/Uninteressant.

Die Hypotenuse zu Behäbig/Betroffen/Belanglos.

Der Buschfunk hatte es ja bereits getrommelt, dass Patric Catani (of E de Cologne-, EC8OR mit Gina D’Orio-, Hanayo-, Puppetmasterz-, Angie Reed- und Candie Hank-fame…) & Chris Imler (Ex-Golden Showers, bekannt aus Funk + Fernsehen durch Arbeiten mit Francoise Cactus, Stereo Total, Jens Friebe, Jim Avignon etc..etc..) mit ihrer Spy vs Spy -Performance einen Off-Broadway-Blockbuster aus dem Hut gezaubert haben.

Ein paar Felle, ein paar Becken, jede Menge 0-1-0-1, Bier und nen Megaphon; fertig ist die Anti-Posthum-Laube!

Über den Auftritt als solchen zu berichten wäre journalistisch gesehen höchst unprofessionell, da Glückshormone meine Ratio vernebelten. Ein Detail blitzt jedoch noch aus dem Nebel hervor: eine mir nahestehende Person riss sich irgendewann während der Show das Hemd vom fülligen Körper und streckte seiner Umgebung laut grölend die Wampe im weissen T-Shirt entgegen. Darauf in dicken schwarzen Lettern die Worte: DIE REVOLUTION SIND WIR!

Prophetische Kleiderwahl, dachte ich noch so bei mir, danach verlor sich alles in einem Strudel aus dreckigem Synthiesound, dreckigem Sex und schwitzenden Wänden. Lärm & Attitüde. Strobolyrics aus der Kehle von asthmatischen Werwölfen. Ein Ritualmord an der Vorband.

Aus dem Off hörte ich noch wie sich jemand bei jemanden erkundigte wer denn eigentlich die Gurkentruppe vorher gewesen sei…

Fazit:
Wenn der Scheffe die beiden Driver nicht stante pede für`s Dorfdiscojubiläumsfest verpflichtet, kündige ich postwendend. In Anbetracht des debilen Grinsens in seinem Gesicht während des Auftritts und der Häufigkeit mit der er den Kameraauslöser drückte, dürfte dies jedoch recht wahrscheinlich sein. Viel interessanter hingegen die Frage wie er es vollbringt: per email oder Telefon? Es bleibt spannend…

http://www.myspace.com/driveyouhome
http://www.myspace.com/imler2imler
http://www.myspace.com/pcatani



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