Vom Montag zur Ekstase


The Pharmacy – West Germany 19.April 2010

April 22nd, 2010 | 2 Kommentare ...  

Vom Montag zur Ekstase

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Die verpeilteste Kundschaft der Woche trifft man doch mit schöner Regelmässigkeit auf Montag-Abend-Veranstaltungen. Da versucht dann jeder noch die letzten Reste der lockeren Wochenend-Frische rauszukitzeln, aber schon beim ersten vorsichtigen Antippen beginnen die Fassaden gefährlich vor sich hin zu bröckeln.

Der wahrlich nicht gestresst wirkende Barmann will mir viel zu viel Wechselgeld rausgeben, der mitgekommene Fotograf fängt an Porträts von Jungmenschen mit langen Vollbärten zu schießen, und die Band des Abends…tja, die lugte erst recht ganz schön müde aus der Wäsche. Kein Wunder wenn man sich mal den Monster-Tourplan von The Pharmacy auf deren Myspace-Seite zu Gemüte führt.  Das T-Shirt von Schlagzeuger Brendhan Bowers, mit dem passenden Slogan ‘Weekend’ in Dauerschleife bedruckt, sah wahrscheinlich Freitags auch noch einigermaßen proper aus.

Als Garage-Punkband in Vashon Island (Washington) gestartet, zog es Bowers und Gitarrist/Sänger Scott Yoder 2003 nach Seattle, wo sie auf den klassisch ausgebildeten Pianisten Stefan Rubics trafen. Von dort aus gings letztes Jahr nach New Orleans und mit ihrem gerade erschienen Longplayer Weekend (ach so!!) nun direkt in die europäischen Clubs. Ihre Vorband mussten sie an diesem Abend mangels Alternativen durch sich selbst ersetzen. Der Auftritt der Mookers fiel dem aschebedingten Flugverbot zum Opfer.

Im Laufe der Zeit hat das Trio wohl ein paar musikalische Transformationsprozesse durchlaufen. Die gerade  mal wieder schwer angesagte Aufmöbelung der guten alten Sechziger Jahre gelingt der Band, die ein ausgeprägtes Faible für britischen Beatsound und amerikanischen Früh-Psychedelic zu besitzen scheint,  durchaus passabel.  Ray Davis und Eric Burdon spazieren mit Roky Erickson und den Ronettes am Strandhaus von Brian Wilson vorbei. Oder so ähnlich.

The Pharmacy photos: Os/dorfdisco

Der erste Set war auch ganz nett, die Songs gingen gut ins Ohr und die Beine, aber ein bisschen mehr Ecken und Kanten hätte ich mir schon gewünscht. Doch das Publikum raufte sich zusammen, die Band raufte sich zusammen und dann galt es erst einmal ein paar hinderliche Dinge aus den Knochen zu bekommen. Das vergangene Wochenende zum Beispiel.

Kurze Pause –  Support-Aufgabe für den Headliner unspektakulär gelöst. Irgendwann wieder rauf die Bühne und die letzten Reserven mobilisiert. Die Kurve zeigte langsam aber stetig nach oben. Richtig super wurde es aber erst als The Pharmacy mit ihrem Songrepertoire-Latein offensichtlich am Ende waren. Den Minihit  Coldest Morning Light also flugs nochmal gespielt und siehe da:  Plötzlich fuhr dieser seine kleinen, fiesen Haken aus und setze sich in den Gehörgängen fest. Endlich warmgespielt! Geht doch!! Danach war dann Spontanität mit Jam-Charakter angesagt. Ein paar Klassiker in nem langen Medley verwurstet; die als Straßenmusiker antrainierte Routine ausgespielt und ab Richtung Finale: Lärmorgie, Sturz ins Schlagzeug, Schweiß, Zufriedenheit!

Zum Schluss also doch noch Ekstase. Mittlerweile war es auch schon wieder Dienstag….

http://www.parkthevan.com/pharmacy

http://www.myspace.com/pharmacy

http://www.dontstopbelievin.net

http://www.seayourecords.com/



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. video  

    Schön geschrieben. Ich fand auch schon die erste Hälfte super. Eigentlich unverständlich, dass die Band nicht ein kleines bisschen bekannter ist. Hier wären viele gerne dabei gewesen, wenn sie nur von der Pharmacy wüssten.

  2.  
    2. mahrzahnamwahnsee  

    wah. grauenhaft wenn pseudocoole Bands ihre shiny new guitars auf alt trimmen um noch cooler und punkiger zu wirken. Ich denke die Typen sind dann zuhause total spießig, hassen falten im Teppich und fehlen auf keinem Familientreffen. Hier noch vor dem coolness anfall: http://viewmorepics.myspace.com/index.cfm?fuseaction=viewImage&friendID=1132869&albumID=1577290&imageID=8839881

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