Vom Hypnotischen Krach zum Metaschlager


Kill the Eighties: Eine Kurzkur des Westens
mit Frieder Butzmann, Doc Schoko, Krach, Les Hommes Sauvages, Sodom Berlin im K44, 17.9.2004

September 20th, 2004 | 0 Kommentare ...  

Vom Hypnotischen Krach zum Metaschlager

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Es gibt manch seltenes Ereignis die Forscher stilbildener Musikepochen zu historischem Wert erheben möchten. Wenn dieser Abend so einer war dann nur in einem anderen Sinne, als Abstauben of the Geschichte, oder wie der Titel schon sagt, als Transformation des hypnotischen Krachs (damals) zum Metaschlager (heute) – auch wenn er sich nicht viel anders anhörte als damals.

Den Anfang dazu machte der bildene Künstler und ex-Sprung aus den Wolken Sänger Kiddy Citny, dessen 1985 aufgenommene LP “Hynotischer Krach” (Live im Risiko) Pate für den Abend stand. Zu hören bekam man elektronisch bearbeitete Versionen alter Sprung aus den Wolken Texte, dessen Highlight eine in die Luft geworfene Metallkette war, die mit einem Metalldetektor abgenommen Federballschläger treffend gespielt wurde. Respektvoller Applaus.

Anschließend gab sich Frieder Butzmann die Ehre. Seine Interpretationen bekannter Radiohits wie Marmor, Stein und Eisen bricht, Ace of Spades oder Seasons in the Sun (auf deutsch) gespielt mit Plastikschlauch, Kochtopfdeckel oder Kinderpistole fanden viele nicht umsonst herrlich witzig. Der Mann, der ja schon immer mehr über als unter den Dingen stand und mitlerweile unzählige Projekte merkwürdigster Coleur fabrizierte, ist bis Oktober 2005 ausgebucht und von daher schon den geringen Eintritt wert.

Der Krach kam danach dran. Besetzt mit Bettina Köster (Gesang) und Beate Bartel (Gitarre) beendeten sie ein lange währendes Trauma nach Mania D (1979) musikalisch nicht mehr auffindbar zu sein. Verstärkt mit drei Musikerinnen u.a. aus dem The Vanishing Umfeld intonierte man eine 20 Minuten Eskapade namens “Kill the 80s”. Welch andere Chance hätten sie auch gehabt?

Dann der grossartige Doc Schoko. Als der in diesem Rahmen jüngste Musiker erntete er bei all den alten Hasen grosse Beachtung und auch liebevolle Lacher ob seines originellen Stils. Alleine nur mit Gitarre (und später auch mit Partnerin Sonya an der Geige) spielte er ein paar seiner neuen Stücke wie “Hellblaues Wölkchen” und auch den alten Doc Schoko Hit “Puppentanz” (Hamburg, München, Rüdesheim, überall nur Altersheim – textauszug). Für mich sowieso einer der Besten Texter-Songwriter zur Zeit überhaupt war er natürlich der vorweggenommene Höhepunkt des Abends.

”Sodom Berlin” von Emilio Winschetti (Gesang, ex-Mythen in Tüten), Martin Peter (Gitarre, ex-Die Haut) und Thomas Wydler (drums) erinnerte mich dann schon schwer an alte Tage im Dschungel mit zB. Geile Tiere, live. Das Stück als doomende Kurz-oper konzipiert transportierte durch seinen monotonen Beat -man beachte die Phrasierung des Titels- und die Nähe zum alten, historischen Zentrums der Stadt (das K-44 befindet sich in unmittelbarar Nähe zum Potsdamer Platz) schon so etwas wie die Atmo nichtsnutzigen Lasters, abgeglitten im Alter und versunken im Pfuhl. Hautgout! Die Aufnahme hätte ich gern noch einmal gehört, vor allem das mir so in Erinnerung gebliebene fulminante Gitarrensolo Martin Peter’s.

Hernach übrigens stritten sich Krach und Sodom noch darüber wer denn nun musikalisch mehr geboten hätte. Krach kam dabei mit dem Argument, dass sie im Gegensatz zu Sodom in ihrer Komposition einen Grund-Ton mehr gespielt hätten. Ja wirklich, das nenne ich mal eine gehobene Künstlerfehde!

Den versöhnlichen Abschluss bildete dann Altmeister Christoph Hahn mit seinen Les Hommes Sauvages. Das ist geriebener Rock’n’Roll gespielt von den müssten-jetzt-bald-mal-bekannt-sein Musikern Kristof Hahn (früher mal Legendary Golden Vampires), Thomas Wydler (s.o.) und auch Jojo Röhm (Bass). Eine zierliche Dame mit dem schönen Namen Viola ist als weitere Gitarristin und am Gesang auch mit von der Partie.

Darf ich noch sagen dass der Abend in einem längeren Fachtrinken in einer Bar auf der Potsdamer Strasse mündete – mit mir betrunken mehr Bier bezahlend als verbraucht und Kiddy Citny und Beate Bartel als die letzten Gäste von der Belegschaft um 6 Uhr morgens hinausgefegt.



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