Verneigung vor einem Unermüdlichen


Tribute to Bruno Adams
im Bassy-Club 02.09.2009

September 6th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Verneigung vor einem Unermüdlichen
Bruno Adams

Von

Ein Hauch von Anarchie lag in der Luft: Da versuchten gestandene Musiker den Spagat zwischen auf dem Boden liegenden Textblättern und dem Mikro vor sich. Da wurde ein Bassist von der Bühne aus als vermisst gemeldet, als unverzichtbar erklärt und dann doch kurzerhand ersetzt. Da musste der ansonsten mit viel Humor und Charme durch das Programm führende Phil Freeborn auch schon mal den Namen einer Musikerin zwecks Ansage erfragen.

Der Hauptperson des Abends hätte das wahrscheinlich gefallen. Man glaubte dabei immer das feine Lächeln von Bruno Adams zu sehen, einen milden ironischen Spruch zu vernehmen.

Mehr als 20 Bands und Musiker – Familie, alte Weggefährten, Freunde – feierten im proppenvollen Bassy-Club eine schweißtreibende Party zu Ehren dieses Mannes, der am 18.April in seiner langjährigen Wahlheimat Berlin verstarb. Mit Songs von und über Adams sollte an diesen unermüdlicher Musiker erinnert werden.

Die Homage entpuppte sich als Zeitreise und tiefer musikalischer Verbeugung vor einem Künstler, dessen Songs und Texte zwar von so vielen Kollegen geschätzt, ja geliebt wurden, dem allerdings zu Lebzeiten mit seinen Bands Once upon a Time und Fatal Shore nie die öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wurde, die er eigentlich verdient hätte.

Die Liste der an diesem Abend auftretenden Projekte gab dabei nur einen kleinen Einblick in das weltweit verzweigte Kreativ-Netzwerk des gebürtigen Australiers : Methylated Spirits mit Adams langjährigem Side-Kick Chris Hughes am Schlagzeug, der Gitarrist Phil Schoenfeldt und seine Band Southern Cross (beide auch noch mit verschiedenen anderen Besetzungen am Start, u.a. als Jetlag Junkies mit Hughes an der Gitarre!!), die leider auch nicht mehr existenten Berliner Urgesteine The Inchtabokatables, Fullbliss mit ihrem Mastermind David Judson Clemens – um nur ein paar zu nennen.

Aber einer kaufte dann so ziemlich allen den Schneid ab: Conrad Adams, Brunos ältester Sohn, klampfte sich zunächst noch cool durch Lee Hazlewood, um später mit den altgediente Recken Schoenfeldt, Hughes und Oliver Peters souverän ‘Planetarium’ zu interpretieren. Zuschauer und Mitmusiker waren beeindruckt angesichts dieser Performance. Da wächst ganz offensichtlich ein mehr als würdiger Erbe heran.

Sehr mitreißend auch die kurzfristige Wiedervereinigung von Once upon a Time auf der Bühne, jener 1984 gegründeten Band, mit der Bruno Adams als Gitarrist und Sänger zwischen 1990 und 1996 drei Alben aufnahm. Konsequenterweise verzichteten sie komplett auf einen stimmlichen Ersatz und rockten ganz einfach instrumental.

Gewohnt gut die Comedian Pharmacists, die ja je nach Bedarf auch mal mit 8 und mehr Musikern die Bühne bevölkern können, an diesem Abend aber in einer Dreierbesetzung mit Tom Lee Who, Boris Kontorowski und Sean Moore zu sehen waren.

Ebenfalls als Trio waren Two Dollar Bash angetreten und man stellte sich mal wieder die Frage, wie zum Teufel es diese Band nur jedesmal schafft, Songs aus fremder Feder einen derart markanten eigenen Stempel aufzudrücken. Großen Anteil daran haben natürlich nicht zuletzt die beiden unverwechselbaren Stimmen von Mark Mullholand und Joe Armstrong.

Die zahlreichen, oft eigens für diesen Abend zusammengestellten Kolloborationen gaben dem Ganzen dann noch eine ganz eigene Note, die wahrscheinlich nicht mich nur an die legendären Sunday-Sessions im Friedrichshainer Butterclub zurückdenken ließen. So hieß dieses musikalische Wohnzimmer mit Bühnenanschluß, dass unter Bruno für einige Jahre zu einem festen Anlaufpunkt für Bands aus Berlin und dem Rest der Welt werden sollte.

Die berührende Stimme von Ehefrau Katerina Adams stach aus allem ebenso heraus wie der eigenwillig verschrobene Blues-Sound des kurzfristig aus Oslo angereisten Einar Stenseng. DJ Scratchy, Sarah Asling und Peter Hofmann, Kitty Solaris waren weitere Akteure.

Insgesamt eine mehr als beachtliche Leistung von Organisatorin Tine Neumann, die all diese Musiker tatsächlich für einen gemeinsamen Abend auf die Bühne bringen konnte.

Zum Schluss dann endlich Fatal Shore: Mit Mark Steiner und Martin Dean am Mikro wurde einem einmal mehr bewusst wie sträflich unterbewertet diese psychedelisch angehauchten Bluesrock-Songs doch waren und sind. Schade, dass es Adams erst posthum gelingt, einen Club wie das Bassy buchstäblich aus den Nähten platzen zu lassen. Dem guten Nick Cave stehen sie tatsächlich in wirklich gar nichts nach.

Apropos Mr. Cave: Von dem ehemaligen Birthday Party und Bad Seeds Mitglied Mick Harvey gab es noch auch noch etwas zu sehen, wenn auch nicht livehaftig: Ein liebevoller und eigenwilliger Kurzfilm über das Melbourne des Bruno Adams.

Zu Beginn des Abends grinste dieser bereits in persona von der Leinwand, erzählte über seine ersten Jahre in Berlin und den musikalischen Underground der Stadt, den man in London wahrscheinlich Overground nennen würde.

Da war er schon zu spüren, gleich am Anfang: Dieser milde anarchistische Geist, der alles danach so schön unsentimal wirken ließ.



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