Trip in die Ferne


Son of the Velvet Rat, live im Chelsea, Wien, 25.03.2009

März 29th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Trip in die Ferne

Von Philipp Brugner

“Georg Altziebler macht gute Musik und sieht für sein Alter noch immer sehr attraktiv aus”, war der einleitende Satz für das Konzert von Son of the Velvet Rat, der eigentlich für sich allein stehen könnte. Er bringt genau das auf den Punkt, was den Grazer Indie/Poprock-Liedermacher Georg Altziebler alias Son of the Velvet Rat auszeichnet: Die Musik hat eine wunderbare Prägnanz und sein Auftreten ist ein sehr sympathisches.

Der Mann ist schon lange im Geschäft. Mit den Bands Pure Laine und Bloom 05 machte er seine dem amerikanischen Folk sehr nahe stehende Stimme, die zwischen Tom Waits, Bob Dylan und seinem Vorbild Townes van Zandt pendelt, erstmals einem breiteren Publikum zugänglich. Mehr als ein gutes Jahrzehnt tummelte er sich als einfaches Bandmitglied zwischen Rock und Country. Bei den fünfköpfigen Son of the Velvet Rat steht er nun erstmals im Mittelpunkt.

Dass er des Musikmachens nach knapp zwei Jahrzehnten noch immer nicht müde ist, beweist sein neuestes Album „Animals” in zweifacher Hinsicht. Es ist nicht nur bereits die siebente Platte, die er mit Son of the Velvet Rat veröffentlicht, sondern auch noch eine, die ihn sicher noch länger auf der Bühne halten wird. Das Album ist noch gar nicht erschienen, schon wird es von allen Seiten gelobt. Aufhören ist da so weit weg wie Nashville, Tennessee, wo die CD aufgenommen wurde. Den ungekünstelten Lagerfeuer-Folk von dort hat er mitgenommen.

Mit Songs von „Animals” stimmt Georg Altziebler das Publikum auf den Abend ein. „Horsedoc”, „Sleeping still” oder „Parrot” heißen die erstmaligen Versuche Altzieblers, mit minimalen Arrangements und exakt eingesetzter Akustik von der Americana-Tradition, die die bisherigen Alben von Son of the Velvet Rat prägte, abzurücken.

Diesmal setzt er alles auf die perfekte Balance zwischen Saiteninstrumenten, die von der Violine bis zur Bouzouki reichen, und klaren Tönen aus Keyboard oder Piano. „Europäischer” so Altziebler, sollte der Duktus seiner Musik werden. Den Folk-Einfluss hat er sich aber trotzdem bewahrt, er ist nur etwas progressiver geworden.

Die Tonart des Konzertes schloss da an, wo nach dem Aufnehmen der drei Bonustracks für „Animals” aufgehört wurde. Man spürte die Leichtigkeit, man spürte die Fragilität der Lieder. Ganz so, wie man es im Berliner Studio des Element of Crime-Drummers Richard Pappik geplant und schließlich auch umgesetzt hatte.

Philipp Brugner, Dorfdisco 2009

Georg Altziebler, Son of the Velvet Rat, live im Chelsea, Wien, 25.03.2009, Photo:Philipp Brugner, Dorfdisco 2009

Poppiger wurde es nur dann, wenn die Band das Tempo erhöhte. Aber es wären nicht Son of the Velvet Rat, wenn sie diese Passagen nicht entsprechend kurz hielten. Man gibt dem publikumstauglichen Breitenrock nur eine kurze Chance, um sogleich wieder in einen lyrischen Wattebausch einzutauchen. Son of the Velvet Rat stehen auf Gefühle und verträumte Melodien. Sie suchen die Sehnsucht dort, wo sie auch ihren angestammten Platz hat: Mitten im Herzen der Zuhörer.

Oftmals hätten Altziebler und seine Gitarre alleine ausgereicht, um diese brennende Sehnsucht zu orten. Es waren Momente, in denen sich das eine oder andere Pärchen einen verstohlenen Blick schenkte. Altziebler zeigte vor, wie man während Liebesbekundungen wie „Love Song 8″ oder „Fall with me” Sinnlichkeit erzeugt: Mit einem beiläufigen Augenaufschlag für seine Lebensfrau Heike Binder am Keyboard. Dafür bekam er postwendend ein Ich-liebe-dich-Lächeln zurück.

Rundherum war es dann immer der Blues, der die gute Stimmung im Publikum anheizte. Die Mundharmonika ließ uns wippen, die Melodica sorgte für Rhythmen. „Sick of you” und „Do you love me” waren die Songs, die das Ende des Konzerts einleiteten. Ein Glück, dass aber alle so gut drauf waren wie ich – Zugaben wurden vehement eingefordert. Alles in allem waren es dann knapp zwei Stunden, die Son of the Velvet Rat uns schenkten.

Trat man danach vor die Tür des Chelseas, war man wieder in der schroffen Realität angelangt: Autokolonnen Wiener Gürtel. An diesem Abend konnte man die Sehnsucht aber sogar dorthin verorten.

http://www.myspace.com/sonofthevelvetrat



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