The White Stripes (at Maria)


The White Stripes im Maria am Ostbahnhof, 19/11/2001

November 22nd, 2001 | 0 Kommentare ...  

The White Stripes (at Maria)

Von

Unter der Fahne von Detroit spielten sie, vielleicht um sich ein Stück Heimat zu bewahren, denn mit den frühen Stones, the Who, Led Zeppelin, the Count Five, Sonics und selbst den Cramps wurden sie verglichen, ohne dass es den Kern des wundervoll beladenen Duo’s mit Jack und Meg White trifft, die es nunmal wie keine andere Band so gut versteht zu zweit einen trashigen Mix aus traditionellem Blues und Rock zu zaubern.

Also hatten wir gewusst, was da auf uns zukam. Die ganze Diskussion um diese Band und dann die Radiosender, die das breit und schmalzig traten. Dabei ist der Hype um Rot und Weiss mehr als nur Pommestreterei. Als cremiges Duo macht es die Sache für hungrige Rock-witwer nur noch interessanter. Das Maria war voll von solchen Hippies, die in der Pause auch noch leise (!) das komplette Iggy Pop Funhouse Album über sich ergehen liessen. Genug davon.

Das Entscheidene ist die Musik der White Stripes. Z.b. wenn in “Cannon” ein Teil von “John the Revelator” zu einem langen und schmutzigen ‘ wheels turning, scratching and yearning ‘ mutiert, dann ist ganz klar, dass Sänger und Gitarrist Jack White  die alte Schule des schwarzen Blues (nebst weissem Trashrock) absolviert hat. So hört man zuerst eine traurige Einleitung, dann fährt es mit einem Swampblues fort, der dich in seiner Dichte in der Herzgegend trifft. Da staunten die Hippies schon nicht schlecht. Für das dritte Stück “Jolene” von Dolly Parton alleine hatte es sich schon gelohnt. Live waren sie in etwa so hart und auf den Punkt als wie auf den drei LPs sie bisher veröffentlicht haben.

Meg White unter der Fahne von Detroit, pic: Dorfdisco 2001

Meg White unter der Fahne von Detroit, pic: Dorfdisco 2001

Dass dabei alles wie von der Bettkante gespielt ist, mit Tricks, die du auch schon mal hingekriegt hast, macht den Witz. Und scheinbar keiner, der traditionelle amerikanische Musik (“Jon the Revelator”) so gut zurückholt. In England wurden sie geradezu in den Himmel gehoben, und es dauerte auch hier nicht lange, bis sich das vollgepackte Maria begeistern liess und Jack White, neben seiner Musik-partnerin Meg, die scheinbar abwesend, aber gut zu hören war, zu ein paar spontan leidenden Improvisationen über sich selbst wechselte.

Etwas routiniert stand Mr. White dann schon da, oder versunken, umgeben von den drei Mikros und etwas fern vom Rummel, und die Stimme mit abgehackten Kopfbewegungen kontrollierend eingesetzt. Dazu eine Stimme, die man seit, man sagt, Jimmy Page nicht mehr gehört hat. Für die Neuen unter uns: das war die Band mit weinerlichsten Rockappeal. Gerockt hat’s trotzdem, in den schnellen Stücken dann.

Fazit: Es hat nur einer weiteren Identifikationsfigur gebraucht für all die Genres, die die Stripes bedienen, und zu der Radiohippies ihre Pommes rot-weiss mit Bier herunterpülen können. Schließlich ist hier gewesene Musik mit Erzählkunst gross am Anmarsch. Also kehren auch wir wieder zurück zu den Wurzeln, und hören noch was Gories, Dirtbombs oder Andre Williams!



Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: