The Vibrators, UK Subs


The Vibrators, UK Subs, live im Tacheles, Berlin

Januar 25th, 2004 | 0 Kommentare ...  

The Vibrators, UK Subs
Charlie Harber, UK Subs, Pic. Dorfdisco 2004

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Punk Veteranen UK Subs und The Vibrators schlugen am 14.1.2004 noch einmal in Berlin ein. Beide Bands, die nie den Status der Sex Pistols oder The Clash erreichten, zählen trotzdem fest zu dem inneren Gründungskreis frühem britischem Punkrock.

Rückblende: Winter 1976/77, Berlin-West. In einem Biotop aus Langeweile, Kommunistenfeindlichkeit, Stagnation, schlechter Laune einerseits und Kreativität und überschüssiger Energie andererseits, existiert im U.S.-Britisch-Französischen Sektor der Mauerstadt eine riesige Szene von Kunst- und Musikenthusiasten. Wie überall in dieser Zeit hat sich ein muffiger Überzug aus Späthippiedasein, Glam-Rock-Ausläufern und Genesis-Epigonentum zur Leitkultur entwickelt. Doch in der kulturell seit dem Kriegsende am konsequentesten nach USA und England ausgerichtetsten Stadthälfte Deutschlands gibt es längst eine stetig zunehmende Abweichler-Fraktion.

Der Schlüssel-Termin heisst 25. Februar 1977 – das erste Punk-Konzert in Berlin! Die VIBRATORS spielen im Kant-Kino. Das VIBRATORS-Konzert jedenfalls wird zur Initialzündung für eine eigene, Berliner Punk-Szene. Die Legende will es, dass sich bei diesem Gig die Mitglieder von Berlins unbestritten erster Punk-Band PVC erstmals über den Weg liefen. So oder so – bereits im Frühjahr ‘77 füllen sich die Häuserwände in West-Berliner Stadtteilen wie Charlottenburg, Schöneberg und Wilmersdorf zunehmend mit dem Edding-Logo der neuen Formation. Ihr Name: PVC. Der Sommer ‘77 wird heiss in Berlin. (Maik Mertens in ox-fanzine)

14.1.2004, Tacheles – Oranienburger Strasse. Das Konzert ist ausverkauft und bis vor die Tür stehen Leute dicht gedrängt als wir es gerade noch in die brodelnde Hitze drinnen schaffen. Von drinnen höre ich schon die letzten Takte zu “Baby Baby”, der klassischen ’77ger Hymne und Scheisse, denke ich, die Hälfte des Konzerts verpasst. Es gibt noch drei Stücke, Disco in Mosco, Petrol und Judy Says (she’s gonna knock you in the head tonight), bevor die Vibrators zu einer Zugabe mit einem Clash Titel in Erinnerung an Joe Strummer zurückkehren.

Ian Knox - The Vibrators,  Photo © Dorfdisco 2004

Ian Knox - The Vibrators, Photo © Dorfdisco 2004

Es blieb Zeit genug um zu bemerken, dass die Vibrators auch nach 27 Jahren, ihren etlichen Top 50 Uk-Singles (wie die UK Subs), Touren mit Bands wie den Stranglers, Sex Pistols oder Iggy Pop nichts an Anziehungskraft verloren hatten. Zwar klingt ihr rythmischer, uptempo Punk nicht mehr so hart wie auf ihren alten Platten, aber, und hier darf man mich “süsslich” nennen, wehte doch ein grosses Stückchen Mythos um sie, was dazu führte, dass danach erstmal ein Gutteil der in Trenchchcoat und Zivilkleidung erschienen graumelierten Gäste die Enge des völlig überfüllten Café Zapata verliess.

Blieben also hauptsächlich die Fans der UK Subs. Aus allen Ecken lugte ein krude Mischung aus alten UK Subs Tour-T-Shirts, Lederjacken, jungen Neugierigen und einem 50cm Irokesen, die das Zapata alleine schon ausfüllten. Ich hatte die UK Subs das letzte Mal 1980 auf ihrer ersten Europa Tour vor 5 Zweite-Stunde-Punks, 10 neugierigen Oberschülern und vielleicht 15 Quartalssäufern in einer Billard-Baracke neben dem Friesdorfer Freibad gesehen und empfand sie damals eher durchschnittlich. Heute war dem überhaupt nicht so. Von der ersten Sekunde an rissen sie den Laden mit grosser Energie mit. Der Satz, dass sich manch Funpunkband bei den Alten noch was abgucken können stimmte auch hier wieder.

Sänger Charlie Harper, der im Mai immerhin 60 Jahre alt wird, bestach mit einer immmer noch vorhandenen artistisch-barbarischen Teddybär-Ausstrahlung, die doch nichts an Authenzität verloren hat. Bis heute gewinnt er sein Publikum auf seine interessant-kultivierte Art, wohl nicht zuletzt als wie der frühe, aufmerksame Inhaber eines eigenen Frisörsalons.

Gitarrist Nikki Garrat (danke Gott, dass die Subs seit 1996 mit Garrat und Alvin Gibbs am Bass wieder in fast Original Besetzung spielen) blieb seiner Maxime treu die Band als eine der intensivsten Livebands zu betrachten, und legte vom ersten Moment an los wie wild, spielte im Spagat und sprang von Monitoren und Amps.

Bei Alvin Gibbs brauchte man nur mal genauer auf seine Spieltechnik zu schauen…, er tourte auch schon mal mit der Iggy Pop Band.

Gewiss sind gerade die UK Subs Stücke stets simpel. Dennoch macht ihr tiefer, treibender Sound, den auch John Peel in den späten Siebzigern zu höheren Radioehren verhielf, heute einen klassischen 77ger Punkmoment. Ihre Setliste heute ist vollgepackt mit legendären, sofort wiedererkennbaren Hits, von denen die Meisten auch von Auftritten in den englischen Pop of the Tops gewürdigt wurden. Schließlich zementierte die Band um 1978 ihre Position als die heisseste “Hardcore” Punkband der Zeit. Zudem sind sie bis heute laut genug, um sich auch am nächsten Tag noch gut an sie zu erinnern.

Nach Europa kamen sie dennoch selten. Nach einer Tour als Vorband zu den Ramones durch Italien und Frankreich spielten sie im Anschluss ihrer zweiten Deutschland Kurztour 1982 (wie auch die Ramones derzeit) eine komplette Show für die Radio Bremen TV Sendung ‘Musikladen’. Nach einer letzten Tour in Polen vor ihrer ersten Auflösung 1983 als erste Rockband aus dem Westen vor im Schnitt über 10.000 Zuschauern verschenkten sie ihre Restgage im Werte von 5 Jahresgehältern an eine ihnen unbekannte Toilettenfrau. Erst 1997, anlässlich eines 20jährigen Jubiläums, fand sich die Band in dieser Form wieder zu einer Reunion-Tour durch die USA. 1999 starteten sie eine weitere 25 Städte Tour mit u.a. T.S.O.L., DOA, Sham 69, Chelsea, The Vibrators und fanden erst 2000 wieder nach Berlin ins SO 36 zurück.



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