The Revenge of the Space Dolls


Cobra Killer, Sexo Y Droga, Pocket Rocket, Mr. Quintron u.v.a. Maria, 29/5/2001

Juni 1st, 2001 | 0 Kommentare ...  

The Revenge of the Space Dolls
Razi / Pocket Rocket in der Maria am 29/5/2001, Photos © Dorfdisco 2001

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Das wohl stärkste Line-Up der Berliner Rock und Glamliga stand an diesem Abend auf den Brettern der Maria am Ostbahnhof: Von 11 Uhr abends bis 6 Uhr morgens soffen, torkelten, schwitzten und feierten: Razi, der Ex-Sänger der Golden Showers zusammen mit Cobra Killer, Mr. Quintron und nach allem Sexo Y Droga, die das Maria fast noch kaputt hauten.

Doch zunächst fing alles ganz harmlos an, DJ Lobotomy gab sein bestes Countryfeeling in eine Nacht voller Vollmondsüchtiger – die das Nasenflötenorchester alias ‘Der Grindchor’ in Kreuzberger Topbesetzung und Coverversionen wie ‘Goodbye my love, Goodbye’ schon mal zur erheiternden Einstimmung eröffnete.

Anschließend marschierten Cobra Killer a.k.a. Gina d’ Orio und Kwika-Annika auf die Bühne, zogen sich jeweils einen Gummihandschuh über sowie alle Aufmerksamkeit auf sich, kreischten lauthals drauf los, ließen sich auf die Bühne fallen, schmissen mit Reis herum und brachten ihre Fans allein mit ihrer Show schon fast über den Rand fassungsloser Raserei.

Dabei übertraf ihr Auftritt glatt die Vorstellungskraft dessen was man sich verrückterweise so ausdenken würde. Aber es sollte ja noch mehr kommen, und spätestens nach Cobra Killers fulminanten Start war einem klar, dass es lang, heiß und einmalig werden könnte. Und da war es schon 1.30 Uhr mindestens.

Cobra Killer in der Maria   © Photo Dorfdisco 2001

Cobra Killer in der Maria © Photo Dorfdisco 2001

Nachdem Lobotomy also die Gemüter wieder so ein wenig hillbillymäßig auflegte, setzte Razi als Mr. Love mit seiner neuen Ausgabe Pocket Rocket zum Debut an. Mit dabei Coco Morier aus Albuquerque New Mexico an Gitarre und Gesang, die dem Treiben ihres Pocketpartners eigentlich nur noch superdollmäßig zuschauen brauchte. Razi bekleckerte sich auch diesmal wieder nicht mit Anstand, sondern legte gleich mit Titeln wie ‘The Greatest Fuck in the World‘ und ‘Rocket in my Pocket’ superstarmäßig los, ließ die Hüllen fallen, schmiss sich aufs Keyboard und machte den ‘Berlins forgotten Boy’ auf der Bühne. Musikalisch liegt das ebenfalls so zwischen Detroit Rock und Detroit House, und angeblich soll im Herbst eine Single auf Audio Chocolate veröffentlicht werden.

Razi / Pocket Rocket Pic © Dorfdisco 2001

Razi / Pocket Rocket Pic © Dorfdisco 2001

Um noch mehr ins Programm zu stopfen führten um 2.30 Uhr die Puppet Mastaz ihren Puppenklamauk vor, und anschließend tanzte die halbe Maria trunken zu DJ Lobotomy. Und Miss Rose, die es den ganzen Abend schon nicht hielt, musste vorzeitig zurück zu ihrem Zirkuswagen gebracht werden.

Mr. Quintron

Mr. Quintron Pic Dorfdisco 2001

Um 3.30 so fing dann Mr. Quintron sein Set an. Ich sah ihn zuletzt in diesem hellblau mit Strass besetzten Jacket, konzentriert aber nervös die Regler befummelnd aufschreien. Und als ich wieder zurück kam rastete der Junge immer noch über seiner Orgel aus, jetzt ohne Jacket und Hemd. Der Typ ist wirklich sein Geld wert, und vielleicht Amerikas wildester Mann zur Zeit, noch vor Speedball Baby. Dazu unterhält er übrigens seinen eigenen Club namens ‘The Spillcast Lodge’ in New Orleans, wo ihn Razi kennenlernte und die einen oder anderen des Abends sich in Zukunft sicher noch die Kante geben werden.

Aber nicht genug Mr. Quintron, um halb fünf hieß es dann noch mal Kasperletheater, diesmal das Stück ‘Flossie and the Unicorns’, mit oder von Miss Pussycat, das man genauso hätte weglassen können.

Schließlich wartete alles noch auf diese Gruppe namens Sexo Y Droga, denen seit einiger Zeit der Ruf als das Wildeste, Neueste und Rockigste vorrauseilt, und genau das wurde es auch noch! Vielleicht sollte man sich dazu vorstellen dass die Gruppe die ganze Nacht lang schon immer betrunkener werdend im Saal herumexsistierten (nur um ein paar Stunden später wieder ihren regulären Jobs nachzugehen …), aber um fünf Uhr oder so war es dann soweit, die Gitarren brüllten, die Drums donnerten, die Sänger bellten, und das Maria löste sich in so einer Erfahrung niedergerissener Mauern auf.

Sexo Y Droga

Sexo Y Droga Pic Dorfdisco 2001

Ab da befand man sich in so einer Art Rock’n'Roll-Sacrificeartigen Gesamtwolke. Überall flogen Körper, Flaschen, Handys und weiss-Gott-was durch den Raum, die meisten rauften sich und schrien, lachten oder standen dazu nur erschrocken mit offenem Mund in den Ecken herum.

Also Adulf, zuständig für die “Noises” war schon so sturztrunken dass er sich dauernd die Bierflasche in die Mikrohalterung schob um automatisch weiterzutrinken. Henni und Mika fielen aus lauterem Himmel genickbruchmäßig von der Bühne, mitten in einen Haufen Glasscherben. Die neue zweite Gitarristin stand meistens irgendwie auf einem Bein eine Rückkopplung ausbalancierend und King Kaag, Bassist, machte so prollmäßig mit Lederrücken zum Publikum, wenn er nicht gerade ausgestreckt, flach dalag. Und dazu ein Höllensound, das muss man ihnen lassen.

Die Glücklichen, die bis zu diesem Zeitpunkt ausharrten, erlebten den perfekten Höhepunkt eines Abends der kaum Konventionen und Fassaden zuliess, und in einer Atmosphäre musikalischer Dekonstruktion Hoffnung auf mehr Neues machte!

www.sexoydroga.net/sexovideo.html



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