The Future seems to be Kaputt


Kaputt, Finckobot u.a. Magnet Club, 7.3.2008

März 11th, 2008 | 0 Kommentare ...  

The Future seems to be Kaputt
Silke Steidinger, Kaputt, Photo by Mike Menzel © Dorfdisco 2008

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“They’ve all been in bands before – but that’s seriously not interesting”. Mehr Informationen über die Lebenswege und den musikalischen Background finden sich nicht auf der Homepage von Kaputt. Eine grundsympathische, sowie nicht ganz alltägliche Herangehensweise. Frontgirl Silke Steidinger müsste mit derlei Verweisen gewiss nicht geizen, konnte sie doch im Jahre 2005 als Mitglied des Musiker-Kollektivs The Go! Team eine Nominierung für den renommierten und heiß begehrten Mercury Music Prize einheimsen. Im Vereinigten Königreich ist dies für gewöhnlich schon einem Ritterschlag gleichzusetzen.

Mit der Gründung von Kaputt wurden jedoch gänzlich frische Segel gehisst, um zu einer Expedition in Richtung neuer Gefilde aufzubrechen, deren Strände von den wunderschönen Post-Punk-Inseln gar nicht allzu weit entfernt sind. Diejenigen, welche eine Weiterführung des experimentellen Styles ihrer früheren Band erwarten, werden heute Nacht eines besseren belehrt.

Das Konzept heisst Post-Rock, angereichert mit einer großzügigen Portion New-Wave. Als ich um Mitternacht den Magnet Club betrete, stehen die Zeichen allerdings alles andere als auf Sturm. Nur etwa 50 Menschen stehen an der Bar und nebenan in der Raucherlounge(sic!). Nichts deutet bis jetzt daraufhin, hier Zeuge etwas potenziell Großem zu werden. Der Gig wird, entgegen der Ansagen, nach hinten verlegt. Das französische Elektro-DJ Duo Toxic Avenger konnte aufgrund nicht abgeholter Flugtickets nicht auftreten. Der Berliner DJ Finckobot nutzt dies, um den langsam zahlreicher erscheinenden Kids mit seinem Set einzuheizen. Das ihm dies nicht so recht gelingt, liegt nicht an ihm. Man weiß um die weit verbreitete, notorische Bewegungsarmut in Indie-Kreisen, wenn es ums Tanzen, geschweige denn ums regelrechte ausflippen geht. Seine Plattenauswahl elektronischer Gassenhauer ist zwar nicht gerade innovativ, dafür durch die Bank geschmackssicher.

Die ersten, zaghaften Wogen der Aufmerksamkeit werden erst spürbar als Kaputt die Bühne übernehmen. Der Großteil der Anwesenden, inklusive mir, ist gerade mal mit dem Material von ihrer MySpace Page vertraut. Doch schon nach dem ersten Song hat das Quartett alles und jeden hier fest im Griff. Die Band wirkt nicht wie ein Newcomer, als vielmehr wie ein schon lange eingespieltes, sehr gut aufeinander abgestimmtes Team, deren unsichtbare Kommunikation miteinander blind zu funktionieren mag.

Das trifft auch auf die Interaktion mit dem Publikum zu, die äußerst spärlich bleibt. Was dem ganzen keinen Abbruch tut, denn diese Songs sprechen für sich. Steidingers Gesang, der oft eine Kim Gordon in ihren allerbesten Tagen ins Gedächtnis ruft, ist melancholisch und zugleich doch kraftvoll. Das Gitarrenspiel Matt Yeates’ ist zerbrechlich, rotzig, Pixies-schwanger und bescheren ihm zwei gerissene Saiten inklusive.

Spätestens beim vierten Song, einer heimeligen Cover-Version des Grauzone Klassikers Eisbär, ist das Eis gebrochen. Das spürt man, auch wenn das überschaubare Publikum, kühl und reserviert, gleich dem Bären im kalten Polar verharrt.

Die Band geht ab, klar, selbst wenn ihre Protagonisten und das Auditorium statisch bleiben. Auf das schwelgerische Dishes folgen Toronto und die Single Family Tree, allesamt Nummern, die sich honigsüß in die Gehirnwindungen fräsen und dort später noch lange nachklingen werden. Es ist die tollste Sequenz des Gigs, so harmonisch wie auch hitverdächtig.

Bei Water Makes the Blades Blunt wähnt man sich eher auf einer sommerlichen, angeschickerten Landstraßenfahrt, immerzu dem Horizont entgegen, als in den dunklen Räumen des Magneten. Bilinda Butcher is just around the corner, der Frühling ja hoffentlich sowieso, und den Soundtrack dazu bekommen wir heute Nacht schon einmal vorab geliefert. Zwei kurze, prägnante und Punk infizierte Gitarrenpopsalven später ist auch schon Schluss. Kaputt. Eine Band, die den Retro Spirit atmet, mit dem Feeling für das hier und jetzt. Vor dem letzten, noch namenlosen Song bitten sie das Publikum einen Titel vorzuschlagen, via MySpace. Mach ich doch gerne und zwar hier: The Future seems to be Kaputt. This Time!

www.myspace.com/kaputtmusic
Finckobot @ brrrln.blogspot.com



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