The Encounter of the 1/3 Chance


Liars in der Volksbühne 9.11.2002

November 14th, 2002 | 0 Kommentare ...  

The Encounter of the 1/3 Chance
Liars, Volksbuehne 9/11/2002 Photos © Dorfdisco 2002

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Hier gab’s die boot-fool-hip-cool Liars aus New York – das zweite Mal in Berlin, und im Vorprogramm von Suicide.

Kritiker überschlagen sich bei den Liars, sie sind der herausragendste New-York-No-Wave-Rock, der sich dort gerade mittels vieler neuer Gruppierungen wie the Rapture, the Yeah Yeah Yeahs, !!!/Out Hud, Interpol, Black Dice, the Rogers Sisters und sicher einiger mehr ankündigt. Und glatt scheint es so, als dass sich in der alten Punk City eine neue Rockszene konstituiert, die durch ihren heftigen Groove und Lust an Performance die ewig sensibel leidende Indiattitude ablöst.

Die Liars sind der in Melbourne geborene Sänger Angus Andrew, Aaron Hemphill aus Los Angeles an der Gitarre und Drumbox, der aus Nebraska stammende Pat Nature am Bass und Synthbox, sowie Ron Albertson am Schlagzeug. Ihre Stücke nehmen sie zuerst auf einer 4-track mit Drumbox auf, welche, nicht weit von nachgesagten Einflüssen wie der Gang of Four, ESG, oder A Certain Ratio, später von der Band freischaffend heftig überspielt und durch die moderne Mühle elektronischer Effekte geprügelt wird.

So dauert es auch nicht lange, bis noch der versunkenste Geist aufgewacht ist bis die Birne nickt. Angus Andrew, geschätzte einsneunzig und ein mit Witz und Charisma versehener Ersatz für Goofy, hockt auf dem Boden, die Band versunken in elektronischem Gestrüpp, dann ein Beat, ein Groove, eine lauter Start und die Band tanzt, rockt, stoppt ab, schlägt den Sampler, rockt weiter zum Groove zwischen Pop Group und Dadaismus. Oder: hast du Birthday Party nicht gesehen, musst du zu den Liars gehen. Schließlich hat Angus einiges vom frühen Nick Cave, und damit meine ich nicht nur die Hosen.

Angus Andrew   Pic © Dorfdisco 2002

Angus Andrew Pic © Dorfdisco 2002

Live sind sie nämlich ungefähr so locker, anmachend und überfahrend wie ein 16 Tonner. Es geht sogar soweit, dass sie ihnen dies schon etwas peinlich ist, und zunehmend darauf verweisen, dass sie, von zuhause inspiriert, nur etwas vormachen, damit andere ebenso inspiriert nachziehen. Schließlich dreht es sich genau um den alten Punk-Effekt, dass man das Gefühl bekommt, mit etwas Begeisterung genauso leicht Musik machen zu können. Aber bitte, mit den Liars als Vorbild.

“Wisst ihr”, sagte dazu Angus von der Bühne, “da wo wir herkommen, Williamsburg, sagen die Leute Berlilliamsburg…”

Und gleich nach dem Auftritt stand Riese Angus persönlich im Foyer, liess sich ansprechen, verteilte brav Autogramme wie ‘it happened, the encounter of the 1/3 chance’ und erfreute sich der allgemeinen Zustimmung eines Publikums, das erstmal nur wegen Suicide bzw. Pan Sonic gekommen war.

Doch nicht nur ihre fröhlich ungezwungene, intensiv paradoxe Rockakrobatik macht sie zum kommenden Soundtrack in jedem öden Haushalt. Ihr erstes Album “They Threw Us All in a Trench and Stuck a Monument on Top”, welches letztes Jahr auf Gern Blandsten erschien, und nun auf Blast First/Mute wieder aufgelegt wurde, wurde mal eben vom Beastie Boys und Jon Spencer Blues Explosion Produzenten Steve Revitte in zwei Tagen eingespielt. Eine EP Liars (Hand Held Heart Records), eine 10″ Single und die Veröffentlichung ihrer Demos zeigt, wie schnell und unkompliziert sie es mit ihrer Musik halten.

Und Titel wie ‘Every Two Hours With A Ducks Fan’ erinnern irgendwie an die erste Butthole Surfers. Mit bester Kunstintellektueller Bandbreite wird assoziativ herumgeschmissen, und hey, ich habe mir auch eine von den Liars verschmierte Gaultierkrawatte gekauft Baby, weil sie später bestimmt mal soviel wert sein werden wie meine frühen Sex Pistols T Shirts…



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