The Dickies ddddidit in a Dazzle


The Dickies im Razzle Dazzle Rockerclub, 3/7/2001

Juli 13th, 2001 | 0 Kommentare ...  

The Dickies ddddidit in a Dazzle

Von

Bababababababababa – einmal die letzte lebende Punklegende LA’s  erleben! Was sag ich einmal? Das war wohl das lustigste Punkkonzert in diesem Sommer! Eigentlich kannte ich nur die alten Alben von den Dickies, und dann dies: Leonard GRAVES Phillips wackelt auf die Bühne wie ein Stück Amphibie aus dem Sumpf, im Begriff das Erbe von Stephen Tyler oder Joey Ramone anzutreten.

Aber lass uns ein paar Dinge vorher klarkriegen: reinkamen wir diesmal mit Hilfe der Band, weil die Jungs an der Tür wieder mal voll aufgeblasen waren und fast noch tätlich wurden. Zweitens hätte man die beiden unsäglichen Vorgruppen anstelle deren Vollfolter einmal standrechtlich erschiessen lassen sollen und Drittens, die neue Platte ‘All This and Puppet Stew‘, an der die Dickies sogar fünf Jahre gearbeitet haben sollen, hätte nach fünf Tagen bestimmt besser geklungen, ist weniger relaxed oder elegisch und scheint weniger das Produkt der unerbittlichen kalifornischen Sonne vor dem Hintergrund ausgebrannter, leerer Köpfe zu sein. Was aber nichts von dem Witz der Dickies Show nimmt.

Das fängt so bei Leonard’s Habitus (wer tritt im Hochsommer schon mit Wollmütze und Wolljacke auf) an und hört in Stan Lee’s Gitarre auf. Letzter lässt sich auch nach 20 Jahren nicht lumpen und nimmt die Leute mit. Freundlicherweise war er es auch, der uns zu den Photos verhalf. Cheers!

Aber Leonard Phillips, immer noch mit dieser herrlichen Stakkato und Sirene Stimme versehen, sieht bald wie seine eigene Puppe aus und gebärdet sich weiterhin mehr als Headcase als Sportmodell. Immerhin schaffte er das Set mit Leichtigkeit: wenn er sich nicht gerade die vier Finger der linken Hand ans Ohr hielt, bediente er sich mit der Rechten seiner Alter Ego’s in Form von Puppen, Knüppel oder seinem sprechendem Penis namens Steward. Für solche Witze ist er irgendwann schon von der Schule geflogen.

Dickies Pic Dorfdisco 2001

Dickies Pic Dorfdisco 2001

Was sie alles gespielt haben weiß ich leider nicht mehr, aber ein paar alte, von den Dickies wie keine zweite Band jemals gecoverte Klassiker wie ‘Paranoid‘ oder ‘Nights in White Satin‘ waren dabei, als wie auch ‘Gigantor‘ und das ‘If Steward Could Talk‘, und natürlich die Hits von der neuen Platte ‘All Dies und Puppensuppe‘ – ‘Free Willy‘ und ‘My Pop the Cop‘, zwei DDDDickies treibende Headbanger.

Ich hätte ihn gerne gefragt wie lange er das noch machen will. Die Antwort kam von ihm selbst: Kauft meine CD damit ich dies nicht mehr machen muss. Bedeutet das Passion? Vielleicht ist dies wo eine leichte Verbitterung hineinspielt. Doch hey, schließlich muss jeder etwas Geld verdienen.

Die neuen Bandmitglieder sind dafür noch frisch im Highschool Skate Hardcore trifft auf Heavy Metal Sound und zeigten einen schuljungengleichen Enthusiasmus der mit Legenden spielt – man konnte es an ihrem käsigem Grinsen und Augen voll Verwunderung sehen. Doch selbst wenn die Original Dickies (1977-1983) schon gegründet wurden bevor sie das Licht der Welt erblickten, wen kümmert’s, wenn Youngster Innovation versprechen?

Unglücklicherweise brachten die späten 80ger und 90ger aber nur wenig Innovation. Zwar veröffentlichte die Band 1986 posthum ihr legendäres ‘We Aren’t the World‘ Album mit den alten Demotapes, Radiomaterial plus unglaublicher Fassung von Simon & Garfunkels ‘Sounds of Silence‘ aus den frühen 80gern, später einen lustigen SF-Soundtrack ‘Killer Klowns from Outer Space‘, und 1998 das gerade mal 19 Minuten lange Coveralbum ‘Dogs from Hare that Bit Us’ in dem es Stücke von den Beatles, Uriah Heep, Hollies, Iron Butterfly, Wierdos, The Knack und selbst Donovan setzt, und trotz der geringen Laufzeit das bessere letzte Dickies Album ist, – der neue Sound scheint den Dickies nicht zu stehen. Es scheint, als dass ein origineller Punk Sound, so wie es die Dickies oder die Ramones in den 90gern probiert haben, nicht einfach ‘upgedated’ werden kann. Zumindest nicht ohne eine Form von musikalischer Identität bzw. Qualität.

Es ist so wie einen großen Performer nach dem Höhepunkt seiner Karriere zusehen, selbst wenn du weißt dass die Zeit gekommen und gegangen ist – manchmal gehst du nur hin um sie nochmal zu sehen, einmal im Leben, die Legenden. Sie kommen auf die Bühne, sie spielen sich selbst, sie gehen durch dieselben Bewegungen wie sie es immer getan haben, sie kennen die Tricks und ziehen ihre Strippen. Aber wenn sie gut sind, ist es dir egal. Und selbst wenn man nicht die ganze Echtheit von dem was früher war hat, bekommt man immer noch ein starkes Echo.



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