The Black Godfather


Andre Williams im Knaack Club, 19/11/2001

November 19th, 2001 | 0 Kommentare ...  

The Black Godfather

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Die Stimmung war prächtig als es nach kurzer Einleitung der hölländischen Band Green Hornet dann “Startime” hiess und mit Andre Williams, dem 65 Jahre jungen Black Hustler aus dem Tollhaus des amerikanischen R&B’s, die Legende wieder zurückkehrte.

Denn wenn es das noch gibt, das bourgoise Leben in Nachtlokalen bei leichten Mädchen und einfachen Jungs, hat Mr. Rhythm den original Soundtrack dazu. 1956 mit dem US Top Ten Hit, dem funkigen ‘Bacon Fat’, gestartet, erweist sich Andre Williams auch heute noch als Gottvater voller schwarzer Machoenergie.

Dies bewies er nicht nur durch seine wie immer schnell geöffnete Krawatte (gegen Ende führte er uns sogar einen 7Oger Jahre Jeansoverall mit Russenmütze vor), sondern durch seine super- scharfe Bühnenpräsenz, seine derben Mätzchen über das Zusammenleben von Mann und Frau
(” you need Pussy, but you don’t OWE the Pussy”), gemixt zu der dreckigsten Form von rockigen R&B die die Welt je gehört hat.

Und dann ist er der klassische Meister der tief-triefenden Ballade. Wenn er sie wie bei ‘Why’ (das erste Mal heute abend!) wirklich ernst macht, dann schmelzen selbst die Herzen der verrücktesten Frauen. Heute trug er übrigens Luccie Socken zu Flow-Schuhen.

Derweil schlagen die Hornets (guit.dr.org.) den Beat. Gespielt wurden alle Klassiker, von ‘Jailbait’ (1956) bis ‘Shake a Tail Feather’ (1963) und natürlich ”Let Me Put It In’, ‘Pussy Stank’ und ‘I Wanna Be Your Favourite Pair of Pyjamas’ von dem zweiten, grandiosen Comeback Album ‘Silky’ von 1998.

Williams, der für Motown einst Mary Wells, The Dramatics, The Chi-Lites, The Contours usw. produzierte, später Muddy Waters kennen lernte und selbst mit George Clinton’s Funkadelic was am überdimensionalen Cab-Calloway-Hut hat, genießt sichtlich die ausgelassene Stimmung.

Bevor er aber im Nadelstreifenanzug wieder zurückkehrt, macht er sich per Handschlag noch persönlich bekannt mit ein paar steif dreinblickenden Typen namens Gangster – nur damit die ihn nachher nicht noch umbringen.

Auf seiner neuesten CD übrigens “The Black Godfather” spielen so illustre Gäste mit wie the Jon Spencer Blues Explosion, The Countdowns, Mick Collins’ Dirtbombs, Cheater Slicks und selbst Steve Mackay, einst auf The Stooges legendärer “Funhouse” und später mal bei den Violent Femmes, ist am Saxophon herzerreissend mit dabei – alles Musiker, die mit seiner ursprünglichen Identität wenig zu tun zu haben scheinen. Doch dafür ergänzen sie sich prächtig, die jungen Wilden, die in Williams einen gestandenen Performer sehen, und Andre, der sich damit noch hoffentlich etwas länger über Wasser halten wird.

http://www.myspace.com/68691228



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