The 5th Bada Bing


mit Electrocute, Hanns Martin Slayer Band, Kapajkos Mandolinen Orchester

Juli 25th, 2003 | 0 Kommentare ...  

The 5th Bada Bing
Alex Hacke beim BadaBing 5, Big Eden, am Kudamm, alle Photos © Dorfdisco 2003

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Im Osten langweilt man sich scheints zu Tode, da redet man schon wieder über den Westen. Den Westen? Wo ist der denn? Wie ein gallisches Dorf gibts da das Big Eden, ja, det Big Eden, dessen jüngste Geschichte mit fast schon anarchistischen Idealen dasteht, zumindest was unsere Lieblingsveranstaltung Bada Bing in letzter Zeit betrifft.

Schrille Atmo, schräge Leute, ich hoffe dass die gut gekleideten Türsteher auch in Zukunft ihren Job gut machen, schließlich geht es hier ja auch um ein Stück Berliner Weltkulturerbe, das Bada Bing Nummer 5 übertraf mal wieder alles andere – dank Ursupator, Initiator, Kurator Alexander Hacke.

Ich brauchte wirklich meine Zeit. Als ich ahnungslos, doch erwartungsvoll eintrudelte, schmissen das Rockin-on-the-Rock Smith & Wesson Dj Team gerade einer ihrer vielen Lieblings Rock Singles (Witwe Wedding) über die satte Anlage, so dass gepflegte Unterhaltung nur unter Einsatz von lautem Gebrüll möglich war. Ey, das war gut, steigerte es doch gleich den Blutdruck, und damit die Bereitschaft bereitwillig angewackelt zu sein.

Das taten dann auch als erstes die Electrocute. Wir kennen sie ja nun schon eine Weile und waren gespannt, wie sich das Duo zuweilen gemacht hat. Das erste was mir auffiel, war dass zumindest ihre Absätze schonmal schwer gewachsen waren.

Electrosüss, Photo © Dorfdisco 2003

Electrosüss, Photo © Dorfdisco 2003

Mit 1.99 mindestens staksten sie so als frei erfundene Elitebarbies über die Blechbühne, wenn sie nicht bald lieber mitten im Publikum oder gar am reservierten Tisch, wo ein paar Freunde sassen, verschwanden. Das sollte wohl cool sein, war mir aber zu lahm anzusehen. Musikalisch hat sich bei ihrem prä-pubertären Electro Export auch nicht so viel geändert. Zwar lässt Morier ihre Gitarre gegen Ende mal gut krachen, aber Nummern wie ‘Kleiner dicke Junge’ ist doch der schrecklichste Fantasy Quatsch den ich bislang gehört habe.

Hauptsache aber die Garderobe stimmt zum Playback. So trugen sie putzige Heimatfähnchen wie ’77 Westwoodmässig auf die Ärmel Gesicherheitsnadelt und nachdem die grauen Keuschheitsröcke zugunsten einer escht magnipuffiquen Unterwäscheshow fielen, waren auch die Unmusikalischsten total begeistert.

Doch in dieser Stadt voller Prankster und Imitatoren, wo Banalitäten zum Ausdruck von Individualität erhoben und mit dem Gefühl der permanenten Spießbürgerbedrohung gelebt wird, – tauscht eure Spliffs gegen Killer Kakti, frei gewordenen Amphetamine und Riesen Fungis-, schossen die anschließende Hanns-Martin Slayer Band den Geier von der Vitaminstange. Gäbe es eine nationale Coverliga, wären sie in den Top 10!

Gelangweilt von allem was sich heutzutage (Nu)Metal nennen darf, spielen Karlos Satanas alias Kerry King, Tom Araya Carey – Gesang, Hella Waits a.k.a. Jeff Hanneman, der grimmig dreinblickende Mandatory Amos (Bass) sowie der im Gunter Gabriel T-Shirt gekleideten Lombardo Di Caprio am Dubelschlagzeug Slayer sportlich 1:1, auf den Punkt.

Und die Leute schrien alles mit. Ob ‘Mandatory Suicide’ oder ‘Criminally Insane’, die Arme flogen nach vorne und die Köpfe nach unten, und man kam sich wirklich vor wie auf einem irre geheimen Clubgig. Dabei hatte man die gesuchte Menge fun. Vergesst also die 40 oder mehr Öre für die öriginal Slayer, und spürt mal irgendwo diesen Mind-Chaoten auf. Angeblich proben sie um Hannover, aber es kann auch sein, dass sie beim nächsten Wuppertaler Unigau die passende Truppe für die Lösung ist.

Hanns martin Slayer Band, Foto Dorfdisco 2003

Hanns Martin Slayer Band, Foto Dorfdisco 2003

Dann Mr. Alexander Hacke’s genialer Aufritt. Irgendwer berichtete mir schonmal im vorraus, dass die Kombination mit dem Kapajkos Mandolinen Orchester eine gute Nummer wär, aber c’mon, hier trifft der Hass auf Humor, heisst, hier trifft alles was du bislang abgelehnt hast auf deine willfährig oberfahrlässige Begeisterung. Hacke vollführte die Konzeption von Bada Bing! (in etwa = ich kann es genauso gut) ad persona, überschlug sich selbst mit deftig intonierten Jodlern, und hielt das ganze auch im zerfallensten Moment noch Dirigentenmässig zusammen. Highlight! Die Leute wussten schon gar nicht mehr welchen Kultururlaub sie gebucht hatten. (Bild siehe oben!)

Zumindest brüllten sie zwischen lachen und weinen, stampften Löcher in den Tanzboden und soffen das Bier gleich Literweise. Gute Vorraussetzungen also sich beim nächsten Bada Bing! wieder blicken zu lassen, denn dann spielen der Sin City Circus Ableder ‘Cry Baby’ mit Trinity an den Vocals und eine Truppe aus Chile! Und alles ohne Drummachine.



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