That’s Rock’n Roll, Baby!!


Tannhäuser Sterben und das Tod, Live im Dot 16.Juli 2009

Juli 19th, 2009 | 0 Kommentare ...  

That’s Rock’n Roll, Baby!!

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Was konnte man eigentlich wirklich erwarten von der Live-Umsetzung eines Projektes, das es genial verstanden hat, künstlerischen Anspruch mit emotionaler Tiefe zu verbinden?  Eingerichtet hatte man sich auf Überraschungen, keine Frage, vielleicht auch auf neue Interpretationsansätze,  im schlimmsten Fall auf eine etwas anstrengende, artifizielle Veranstaltung.

Und dann das!! Zusammen mit den beiden Schlagzeugern Chris Imler und Sebastian Vogel legten Mahmoud und Brandl nichts weniger als einen lupenreinen Rock’ n Roll – Gig hin. Natürlich wurden im Dot weder die E-Gitarren ausgepackt, noch irgendwelchen durchgenudelten Klischees gehuldigt, schließlich haben wir es hier mit ausgewiesenen Elektropunkern zu tun. Aber der vertrackte Mix aus ‘Ambient, Postrock, Kraut, Dub und Minimal-Music’ (schreibt zumindest der Veranstalter – naja, kann man als Referenzen heranziehen, warum nicht), der die soeben in streng limitierte Auflage erschienen DVD-EP durchzieht (siehe Feature), wurde mit derart brachialer Wucht in den Club geknallt, dass man erstmal vor allem mit seiner Magengrube beschäftigt war. Dort wüteten zunächst die elektronischen Tiefbässe, später setze Mandl mit seinen E-Bass noch einen drauf.

Wer Tannhäuser Sterben und das Tod bis zu diesem Abend nur von ihren, bisher noch sehr wenigen Veröffentlichungen kannte, dürfte überrascht gewesen sein. Gespielt haben sie vielleicht gerade mal ein knappe Stunde, das Programm wurde dabei geschickt um die vier ;verfilmten’ Tracks herumgebaut. Die Clips dazu liefen im Hintergrund, auf einer angenehm großen, aber nicht übermäßig von der Bühne ablenkenden Leinwand. Wenn man sich im Vorfeld schon etwas mit den Videos vertraut gemacht hatte, war das teilweise recht amüsant.

Beim Eröffnungssong Urschleim, inszeniert von Markus Wambsganss, liefen Musik und bewegte Bilder noch relativ synchron ab. Aber spätestens während Freischwimmer puschten sich die vier Herren gegenseitig so nach vorne, dass der Clip nur noch hinterhecheln konnte, was ziemlich schräg wirkte. Zu diesem Zeitpunkt schaute da allerdings auch keiner der Anwesenden mehr so richtig auf die Projektion,  der Sound hatte längst alle niedergebügelt.

Beeindruckend vor allem das Zusammenspiel der beiden Schlagzeuger, die den ganzen Laden hörbar zusammen hielten: Vogel und Imler drückten mächtig aufs Gas, immer präzise wie ein Uhrwerk. Der im Rhythmus zuckende Körper bei Endfilm bekam dabei eine völlig neue Bedeutung. Die Bewegungen, die auf DVD noch qualvoll, mechanisch wirkten, erhielten plötzlich eine fast schon tänzerische Leichtigkeit.

Die Band fand die richtige Tonart auf der Bühne. Keine verkopfte Künstlerpräsentation, für die man seine paar Semester in alternativer Kulturwissenschaft als Basiswissen benötigt, sondern direkt in die Fresse eben. Als Gegenbeispiel musste zuvor die Performance des Elektroniker Gerd Rische herhalten (übrigens tatsächlich der Leiter des Studios für Elektroakustische Kunst an der Akademie der Künstler in Berlin), der auch an den Remixes zu Endfilm beteiligt war und vorher schon bei Ives #1 mit Mahmoud zusammenarbeitete. Das war dann schon eher die wirklich schwere Kost, sicherlich nicht gänzlich ohne einen gewissen Charme, der sich hauptsächlich in den Live-Visualisierungen von Brigitte Witzenhause manifestierte. Aber eigentlich wirkte diese extreme Klangästhetik – eine Art überzeichneter Drum’n Bass on Speed – ziemlich fehl am Platz. Einfach zuviel künstlerischen Anspruch für die Location?  Sorry, ich zumindest hab’s nicht kapiert.

Zu dem Auftritt von Tannhäuser Sterben und das Tod lässt sich dagegen nur noch sagen: Hoffen wir, dass aus diesem Projekt etwas Langlebiges erwächst, denn: Das war wirklich Rock’n Roll, Baby!!

www.editionmutation.de

www.myspace.com/unddastod



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