Tanzender Brummibär


The Kilians, Underground, Köln, 10.10.07

Oktober 17th, 2007 | 0 Kommentare ...  

Tanzender Brummibär
Simon den Hartog - The Kilians, Live im Underground, Köln 10.10.07 - Photo © Dorfdisco 2007

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Irgendwo in der hinteren Reihe der deutschen Popschule kann man es rascheln hören. Dort sitzt eine Band aus Dinslaken und macht zur Zeit alles richtig. Schon Letztens, im Gebäude 9, auf der I Love Pop Party, rasteten über 100 junge Fans aus. Und neuerdings werden sie auch noch beim WDR (1Live) als bester Newcomer gehandelt, — was ihrer Hoffnung auf Aufbruch geschuldet ist.

Warum nicht, ein bischen mehr “Mania” tut der sich oft nur selbst büffelnden, und mit unter oft gänzlich sinnfreien deutschen Soundkultur mal ganz gut. Das täuschend gute Debut Kill The Kilians ist dabei so achtbar wie lange keins. Da wird grundsätzlich “ein hinter sich lassen” verhandelt, wozu Simon den Hartogs Stimme schon eine Sternenwelt entfernt klingt, und neben der mitunter gewieften Melodieführung (Highlights: Cant Get Along / Dizzy) die Gitarren einen endlich auch mal mitnehmen. Und wer denen Plagiatismus (The Strokes) vorwirft, soll das erstmal nachmachen!

Aber genug der kleinen Einführung. Als die Band die Bühne betritt, in ihren zerknitterten Hemden und T-Shirts aus der Fundgrube, sind sie so glamourös wie die Fingerabdrücke auf der Telecaster. Auch will der Bass nicht gleich, was die Vorstellung eines fliegenden Starts erstmal verhindert. Stattdessen verlegen sie sich auf die ersten Songs, die sie in der Art zackiger Rocktunes abreissen.

Leider, und ich muss dies hier aufsagen, ist der Sound im Underground nicht so gut als im größeren Gebäude 9. Das merkte man auch ein bischen an der Zuschauerreaktion. Es kam dadurch weniger enthusiastisch drauf, ohne es abzulehnen. Jedes Wort aus Simon den Hartogs Mund wurde daher genau registriert. “Unser Album, Fuck the Kilians” kam noch gut an, Themen wie “Fan von Hollands Fußballnationalmannschaft” (Gelächter), dann ausweichend dass die deutschen Frauen… (Jubel), und rübergemacht zu Offenbach (Kickers gegen FC Köln, selber Tag), was aber nicht mehr ganz nachvollzogen wurde. Da ist man noch nicht ganz enforced, bzw. sollte sich keine Labervorbilder im Entdecker Umfeld nehmen.

Dominic Lorberg, Photo © Dorfdisco 2007

Dominic Lorberg, Photo © Dorfdisco 2007

Bezeichnend für die Fan Erwartung aber war, dass, als Simon seinen “romantischen Teil” ankündigte, ein gemurmeltes “ach Nö” aus der Ecke kam, wo sich auch verschiedene Ramones Buttons auf billigen Taschen zeigten. Dabei sind die getragenen Balladen der Kilians gar nicht mal ohne. Das Publikum aber brannte auf ausgelassene Tanzrockstimmung, die die Kilians ohne Schmerz und mit viel Verve abliefern können.

Vor der Bühne wurden derweil einige Seifenblasen versprüht, der romantische Solopart erwies sich also Geglückter als angenommen, und der anschließende Kontrast zu den verbliebenen Uptempo Nummern liess die Menge entsprechend mitgehen. Als man sich aber entschloss nach den Zugaben -habe ich da wirklich Sunday Bloody Sunday gehört? – die alte Rockpose “sich in den Armen liegend verbeugen” aufführte, war ich mir nicht mehr sicher, ob das alles so ernst gemeint war.

Mein süßer Tiefpunkt kam dann als Kommentar einer Bekannten, die die Band auf meinen Tip hin betrachtete und Sänger/Gitarrist den Hartog als “tanzenden Gummibären” beschrieb! Das mag witzigerweise zutreffen, sollte aber nicht dazu verführen, die Kilians als fröhliches Kinderkonfekt abzutun. Dafür ist die Band zu talentiert, vielschichtig und vielseitig, die Live Performance zu verstrippt und das Album einfach zu gut, als dass meine geübten Ohren für die Zukunft nicht noch mehr heraus hören mögen.



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