Still Sick Inside


Kamikaze Queens, Vermillion Lies im Lovelite 30/4/2009

Mai 5th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Still Sick Inside
Trinity, Mad Kate: Kamikaze Queens

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30. April, Tanz in den Mai, ist stets eine feste Größe im Dorfdisco Terminkalender. Wenn dann noch ein Berliner Kaliber wie die Kamikaze Queens zur Record Release Party ruft, lässt man sich nicht lange bitten. Anfang des Jahres schon zu den zehn Tips to the Top für 2009 befördert (wir sind selbst gespannt was am Ende des Jahres davon übrig bleibt), war es an der Zeit einen offiziellen Besuch abzustatten.

Supportet von den Vermillion Lies, einem Schwester-schnippischem Doppel-Vokal Kleinkunstkabarett Entertainment in Omas Kleider und Gitarre, Waschbrett und manchmal auch einer Reiseschreibmaschine aus der Spielzeugkiste passten stilistisch gut zu den Kamikaze Queens. Trotz teilweisem Sesamstraßenniveau ließ sich das härter gesottene Publikum von den Vermillion Schwestern leicht einnehmen, was auch an ihren morbiden Inhalten lag: wenn Großvater stirbt – möchten wir seine Augen haben etc. Dann wurden auch Lieder über Planeten und die Botanik mitgesungen, und zum Ende durchgeschunkelt: das, meine Lieben, kennt der Rheinländer nur vom Karneval! Aber das war hier ja auch schon so was wie Weiberfastnacht-Revisited.

Zur Sache ging’s dann mit den Kamikaze Queens. In Zeiten von 2 Stücken hörbar und der Rest fungiert unter ferner liefen, halten die Kamikaze Queens immer noch den 100%-Proof-Rock-n-Roll über 12 Stücke plus Zugabe. Gleich mit dem Opener Don’t Look Back gaben sie ihre Marschrichtung vor: straighter Rock, mancher erkennt dies auch als 20er-Jahre Punkrock, mit leichten Rock’n’Roll und Rock-a-Billy Einflüssen. In jedem Fall äußerst Eingängig und Hitverdächtig was das Handclapping und Lippenstift Volumen der beiden Sängerinnen Trinity Sarratt und Mad Kate Fischer betrifft.

Dabei ergänzt sich Sarratt stimmlich besser mit der Messer-geschärften Fischer als dem alten Schlachtross Schambuh, deren Volumen Trinity öfters mal aus den Fokus drängte. Als Berlins Blondie mit Whisky im Hals reitet Trinity nun die tieferen Lagen, während Kate den Oberton übernimmt. Und Tex Morton (ex-Mad Sin) ersetzt Tom Schwoll (ex-Sin City Circus Ladies, Jingo de Lunch) – das hat Berlin auch noch nicht erlebt. Noch eine Umbesetzung und ich fürchte man muss Trinity und Lloyd eine weitere Seite über Kollaborationen mit legendär-alternden Berliner Rockgitarren anhängen!

Dafür aber wird bei den Kamikaze Queens nicht lang gefackelt. Wie ihr All-Killer-No-Filler-Ace-Debut Album Voluptous Panic, dessen erscheinen gleich mit gefeiert wurde, rockte ihr einladendes Punk-Cabaret ohne Schwächen und darf wegen ihres hart gekochte Eier mit schwingenden Gitarren und tanzendem Rock’n’Roll Glamour in keiner scharf gewürzten Küche fehlen. Wie sonst auch ist ihr Leben als Cabaret zu verstehen? Ohne die Kamikaze Queens würde Berlin doch um ein Original ärmer sein.

www.myspace.com/kamikazequeens

www.myspace.com/vermillionlies



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