Starker Hip-Faktor


Telepathe, live at Picknick 1/5/2009

Mai 4th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Starker Hip-Faktor
Telepathe at Picknick Pics: Anne Behrndt

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Einen starken Hipfaktor kann man dem Picknick, diesem Auswärts von Mitte gelegenen Club gegenüber einer Polizeiwache nicht nehmen. Unter der Woche ein normales Bürohinterhaus, verwandelt es sich übers Wochenende zu einem engen Erlebnisbereich, dessen Outdoor-Komponenten jedes mal neu und anders aufgebaut werden.

Innen befinden sich eigentlich nur zwei Räume, die durch einen Gang und eine Treppe verbunden sind, und die auch nicht gerade das sind, was man von perfekter ausgebauten Clubs her kennt. Die unvermeidliche Enge führte an der einzigen Cocktailbar im Eingangsbereich schon zu einem dritten DJ-Deck, die mit angeschmalzten Engtanznummern stilistisch hemmungsloseren Herzen entgegenkommt.

Heute aber war es an dem Berliner Partykollektiv Sick Girls dem Picknick die Zutaten zu liefern. Stilistisch fragwürdige Engtanznummern sind  nicht so ihr Ding, stattdessen ließen sie an einem langen Tisch Farbkopien stilistisch fragwürdiger 80er Jahre Promis zu Masken schneiden. In Folge dessen schoben sich etliche Kitanachholer mit teils kunstvoll arrangierten Augen und Ketten durchs Publikum.

Während Seven Sweat vom Mostshop oben noch das kann-man-wieder-hören Wallstreet Shuffle von 10CC nudelte, drängte es sich auf dem engen Mainfloor schon stark Hip-Faktor verdächtig. Das von allen stilistischen Fragwürdigkeiten befreite New Yorker Elektronik-Duo Telepathe mit ihrem dystopisch dunklen Wavesound begann ihren, wie es hiess, Secret-Gig. Busy Gangnes und Melissa Livaudais performten unaufgeregt, in sich versetzt und immer wissend um die Wirkung ihrer aus Keyboards, Laptop, Drumbox und zweier Snaredrums quillenden Sounds.  Die tanzbaren Synthesizerschönheiten könnten aber auch als eine trancig-schöne Mischung aus Flowchart und etwas bedrogtem New Order beschrieben werden.

Wegen meiner Neumann Maske (es war Phil Spector) verpasste ich zwar den Anfang, aber im Laufe des Sets kam es mir, als würden sie ihr Album Dance Mother in der Reihenfolge rückwärts aufführen. Telepathiertere Kenner der Band kannten jeden Song und Sound, und je tanzbarer und wieder-erkennbarer das Set wurde, desto ausgelassener wurde es, bis zu So Fine, ihrer finalen Nummer, ein dystopisch-düster schwebender Dancetrack, der gleichzeitig Opener ihres hoch gelobten Erstlings ist.

An dieser Stelle muss man sagen, dass das Picknick über eine überaus sinnige Musikanlage verfügt. Im direkten Vergleich mit manch anderer Club-PA schneidet diese sehr warmherzig und wohlwollend ab, was einem Ausgänger schon auffallen muss.

Doch selbst diese konnte die flirrenden Schönheiten und fein ineinander gewobenen Stimmen nicht ganz differenzieren, vielleicht lags ja aber auch nur am Mix, der von hinter der Bühne bestimmt schwierig zu gestalten ist. Besser als letztes Jahr im West Germany, als wer Telepathes Amps verdrehte, war es alle mal.

www.myspace.com/telepathe



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