Speedball Baby


Speedball Baby live im Wild at Heart 21/2/2001

Februar 14th, 2001 | 0 Kommentare ...  

Speedball Baby

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Das New Yorker amfitamin-shakin Rock-billy-Twang-Guitaaar-Monster Speedball Baby machte auf ihrer jüngsten Europatour einen weiten Abstecher nach Berlin. Hier spielten sie einen gefühlt besten Gig, putzten unsere Musikrezeptoren und füllten sie mit Yeah-o-yeah und ‘Shakin it Loose’.

Und was wir jetzt brauchen ist etwas von diesem guten altmodischen, komisch ursprünglichen sauf-verirrten profanen Blues-twanging Flaschenhals-schliddernd fatalistisch paganistisch fucked-over blues-punk-country-soul to Lift the Mood! Was wir jetzt brauchen sind die grossartigen Speedball Baby!!

Wahrscheinlich der heißeste New Yorker Act seit langem und von der Heimatpresse unlängst als Nachfolger von R&B Recken wie Jon Spencer oder Screaming Jay Hawkins geadelt, weil sie wie keine zweite Band zur Zeit den funky Blaxploitation Blues mit weißen Müll, Spoken Words, Ironie und 80ger Attitude zusammengospeln. Immer jenseits der Schreigrenze, und kurz hinter dem Kollaps, mehr Psycho als Psychobilly, blutiger als fünf Schlachthöfe und alles very Nuu Yawkisch.

Dabei hat Sänger Ron Ward’s Wahnsinn Methode und sein herzbeißendes Sujet nicht nur einige Musiker unvermutet erblassen lassen, sondern auch kaltärschigsten Zuschauern die Klappe geöffnet. Seine Schwärze in den Texten nimmt sich aus wie nicht eingewiesen und ist genauso genial. Wie heisßt es auf Cinema: ‘I’m a skull poppin’, love wastin’, desperate man’ einem schmerzvollen Mitschunkler, wo jeder nur rumhängt und nichts tut, während alle ihre Art wechseln, die Zeit verschwenden und alles nur Everybody’ys gotta share some skin ist im Chasing racing sweatin the blues shakin all night thinking of you.

Matt Verta Ray, Speedball Baby pic Dorfdisco 2001

Matt Verta Ray, Speedball Baby pic Dorfdisco 2001

Diese so ur-amerikanischse tautologische Beatpopartpoesie fernab konstruierter, nach-90ger studierten Eastvillage Punkstudierten in Verbindung zu Thorsten und Kim tut endlich mal so sehr gut. Ebenso wenig würden sie ein Taschentuch mit auf die Bühne nehmen um sich Schweiß von der Stirn zu wischen.

Sänger Ron Ward ist dabei die Quintessenz von Feuerball und Dynamo, der soviel Kraft auf sich lenkt wie er es auf andere um ihn herum abgibt. Eine Sorte Hinterwald über-Redneck und Sohn eines Nachtclub Sängers und einer mysteriösen dunkelhäutigen “Frisöse”. In seinem wirklichen Leben und als Frontmann der Speedball Baby sondert er diesen fühlbaren Stoff ab, von dem Wochenendrambos nur träumen: ein wahrer Rock’n’Roller mit den gefolterten Innenleben eines Bourroughs, Beefheart, Iggy und ein wenig Salvador Dali, um euch ein wenig rätseln zu lassen.

Ron, ex-Schlagzeuger der Blut Orangen, verheiratet (dauerte ein Jahr), Solo-Poet, beliebt und verbannt in Clubs von Boston bis New York, wurde animiert vom Gitarristen Matt Verta-Ray (ex-Madder Rose) spontan Speedball Baby im Rausch seiner eigenen Hochzeit. Zusammen mit Ali Smith (Bass) und dem neuen Killer-drummer Andy Action sind diese vier wertlosen Straßenkinder (Melody Maker) der Thrill für verbogene Seelen wie unsereins.

Die tollste Geschichte aber ist die von Verta-Ray als unschuldiges Opfer der seltenen Krankheit namens Psychogenic Fugue. Ein fugaler Befund ist ein Wachtraum ähnlicher Zustand, das den Betroffenen in selbstvergessene Pseudo-Persönlichkeiten transformiert. Typischerweise sind die darunter leidenden freundlich, aber unergründlich hingezogen zu sinnlosen und rastlosen Reisen, ohne sich an nähere Bekanntschaften zu erinnern weil versehen mit einer neuen, äußerlich falschen Persönlichkeit. Dieses nette Symptom sah den unglücklichen jungen Verta-Ray ursprünglich Bass in der Pop Band Madder Rose spielen, geduldig New Yorker Tonstudios ausprobieren, und hauptsächlich hinter einem undurchsichtigen Vorhang gelassener Lahmheit leben – für welchen Zweck? Nicht um ein Team Doktoren und Psychotherapeuten zu beeindrucken, sondern um seine delikate Psyche zu schützen vor dem rollenden Horror dessen, was das wahre Monster Matt Verta-Ray ausmacht.

Diese Kräfte setzten bislang sechs ungeheuere Platten frei, die letzten beiden ‘Cinema´’ und ‘Uptight!‘, bei der unter anderem Mick Collins von den Gories und Judah Bauer, Gitarrist der Jon Spencer Blues Explosion mitwirkten, nur empfehlenswert. Ich bemühte mich ursprünglich sogar nach einem Interview, doch he, zuerst saß ich mit der Band noch eine Weile hintenrum, wobei Ron einen von ZZ Top als schwul outete und dann gings nach Vorschlag von und mit Hacke, Ron, Razi, zwei weiteren gespeedballten Babies a.k.a. Cobra Killers Gina und Annika noch kurz runter in die Kellerbar, wo Ralf ‘London’ Strunz – “Du schuldest mir noch 100 Mark…” schnarchend Geburtstag feierte. Unvergesslich.

Speedball Baby at Wild at Heart, 21/2/2001 pic Dorfdisco 2001

Speedball Baby at Wild at Heart, 21/2/2001 pic Dorfdisco 2001



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