Sommerschlussverkauf des Rock’n’Roll


Wolfmother, Spindler&Klatt, 10. August 2009

August 11th, 2009 | 1 Kommentar ...  

Sommerschlussverkauf des Rock’n’Roll

Von

Obwohl ich eine Nacht drüber geschlafen habe, bin ich immer noch stinksauer, daß ich mich so dermaßen habe reinlegen lassen.

Von allen Seiten kamen persönliche Einladungsemails für das Wolfmother Konzert in einem eher untypischen Veranstaltungsort in der Köpenicker Strasse. Trotz leichter Bedenken, ob ein Wodka Hersteller das auch kann: Rock and Roll, stand ich zu später Stunde mit ungezügelter Vorfreude in der Schlange vorm Ort des Verbrechens, um dann festzustellen, daß Hunderte von schrill gekleideten VIP Leuten an mir vorbeizogen, die ich nie im Leben auf einem Wolfmother Konzert erwartet hätte.

Langsam aber sicher dämmerte es mir: das sind Freidrink-Vernichter mit Bling-Bling Geschmack und Lady Gaga Hörgewohnheiten, die glauben, sie sind jetzt bei der richtigen Adresse für den Einstieg in den echten Rock and Roll.

Stimme der Vernunft: “Ach-Du-Sch***e! Lauf weg!” Gegenstimme: “Gib dem, was da drinnen auf dich lauert, trotzdem eine Chance. Soll keiner sagen: du bist feige.”

Es lief überwiegend Funk und Pop, nur kurz unterbrochen von ein bißchen Rage Against The Machine, Doors und Beasty Boys. Hat der DJ Angst auf’s Maul zu kriegen, wenn er das Motto des Abends “ROCK” wörtlich nimmt?

Laaaaaaaaaaaaaaange Wartezeiten am Tresen, von Schönsaufen konnte kaum die Rede sein, bevor dann um halb eins endlich Wolfmother angekündigt wurden.

Die Heerscharen des schlechten Geschmacks und der noch schlechteren Umgangsformen drängten sich in die zu kleine Halle, um dann – so wie ich – nichts zu sehen.

Hallo? Wenn ich eine Band sehen will, gehe ich auf ein Konzert, richtig? Da ist dann eine Bühne, da stehen Musiker drauf und geben im Idealfall Vollgas. Das macht Spaß, reißt mit, belustigt Augen und Ohren. Dafür bezahle ich auch gerne.

In diesem Fall war die Bühne irgendwie tiefergelegt, so dass nur die Leute in der ersten Reihe eine Chance hatten die Band zu sehen. Dummerweise passen aber nicht alle in die erste Reihe.

Vielleicht sind Wolfmother Gnome? Spielen die nur noch im Sitzen? I don’t think so.

Also zeige ich Initiative und klettere auf einen Tisch, strecke mich zu meiner Maximalgröße und sehe….die oberen Haarspitzen des Afro tragenden Sängers. Das war’s. Ich bin ‘raus.

Gerade weil ich Wolfmother schon mal gesehen habe, weiß ich, wie die Show abgeht. Und das nicht sehen zu können ist nicht akzeptabel. Ebenso wenig wie die Idee der Band, bei so etwas mitzumachen.

Die ebenso enttäuscht-agressiven Freunde und Bekannte, die mit den gleichen Ködern auf die Veranstaltung gelockt worden sind um die Band zu sehen, lasse ich zurück. Ein Schnelldurchlauf durch die künstlich zugenebelte Photoausstellung mit Schwarzweißbildern der Band im Nebenraum – aha, so sehen die Rock-Nutten Wolfmother jetzt also aus – und byebye.

Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt, wenn es demnächst heißen sollte: CDU proudly presents: The Dead Weather.



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. Mike  

    Wir haben auch nur darauf gewartet, daß uns jemand während der Warterei Heizdecken andrehen will!
    Zu viel Kaffeefahrt-Ambiente, deshalb haben wir uns auch wieder verdrückt bevor wir an der Tür ankamen!!!
    Totale Verarsche!!!

%d Bloggern gefällt das: