Sinnlicher Rock – ohne Sex und Drugs


The Secret Machines live im Frannz Club, Berlin, 21.02.2009

März 8th, 2009 | 0 Kommentare ...  

Sinnlicher Rock – ohne Sex und Drugs
The Secret Machines, Pic: Promo

Von Philipp Brugner

“Secret Machines are a space rock band”, steht auf der Musik(austausch-)plattform last.fm geschrieben. Damit gehören sie einer Art von Rockmusikern an, die eigentlich schon sehr rar geworden ist. Krautrock, Indierock, Progrock – man findet die verschiedensten Spielweisen des Rock und dazugehörige Vertreter. Aber Space-Rock? Da muss man schon ein wenig zurückschauen, um sich an die eine oder andere Band zu erinnern.

Man denkt an Spiritualized, die in den 90er-Jahren aus England kommend dem Space-Rock ihren Stempel aufdrückten und dazu passende Lieder wie „Ladies and Gentlemen we are floating in space” sangen. Oder noch früher die großartigen Pink Floyd. Spätestens hier sollte die Liebe zu der groovigen Variante des ansonst immer so knarrigen Musikstils dann wirklich wieder aufleben.

Die Secret Machines sind gegenwärtig eine der wenigen Bands, die die Fahne des Genres noch unverdrossen hochhalten. Dabei beweist diese Musik, die auch unter Schlagworten wie Psychedelic-Rock firmiert, mehr Individualität als viele andere Stile. Und Individualität macht sich immer gut für Bands, die sich etwas von der Masse abheben und als innovativ gelten wollen. Im Space-Rock findet man Elemente, die man sonst nirgendwo hat: lange groovige Passagen, Rhythmuswechsel, die von überbordenden und sich überlagernden Akkorden bis zu einfachen Gitarren-Bass-Soli reichen oder repetitive Arrangements, die sich oft über mehrere Minuten ziehen.

Von all dem verstehen Brandon Curtis, Josh Garza und Phil Karnats sehr viel. Gefunden hatte sich die Band in Dallas, nun sind sie in New York daheim. Als man 2000 begann gemeinsam Musik zu machen, stand Brandon Curtis noch mit seinem Bruder Benjamin auf der Bühne. Der hatte aber noch ein musikalisches Nebenprojekt, weswegen er auch beschloss, den Secret Machines den Rücken zu kehren. Phil Karnats stieß neu dazu.

Pünktlich um 20.00 Uhr standen sie dann auf der Bühne. Eine unmögliche Zeit, mögen sich manche denken, und noch dazu am Wochenende. Die Veranstalter im Frannz Club meinten es aber ernst, wer später kam, hatte bereits die ersten Songs verpasst. Keine Phase des Gigs langweilte, kein Moment, der nicht von Spannung getragen war. Die ersten Minuten reihten sich da genauso nahtlos ein.

Effekthascherei scheint den Secret Machines unbekannt zu sein. Dezente Grau- und Schwarztöne bestimmten die Kleidung des Trios, das keine großen Ansagen von der Bühne lassen musste, um zu gefallen. Hier geht es um die Musik, perfekt arrangierte Songs, die eine wallende Kraft durch den Saal jagen, so dass es die Leute bis unter die Fußsohlen kitzelt, um im gleichen Moment dann in ein deutlich langsameres Tempo überzugehen, dass einen mitgrooven lässt. Dann nämlich, wenn Josh Garza mit seinem Schlagzeug den Bass spielt, Phil Karnats langsam die Gitarre zupft und Brandon Curtis mit dem Keyboard begleitet. Da herrscht dann so etwas wie eine harmonische Einigkeit zwischen Band und Publikum.

Die andere Zeit klingt die Sache weniger gedämpft. Vor allem Josh Garza am Schlagzeug ist wandelbar. Im exaltierten Zustand zeigt er nicht nur Vehemenz, sondern auch Können. Was der Mann aus seinem Instrument herausholen kann, ist erstaunlich. Die einschneidenden Tempo-Wechsel, die in den meisten Liedern der Secret Machines zu hören sind, werden von seiner Geschwindigkeit am Schlagzeug getragen. Wenn er die Percussions treibend herunter spielt, wirkt er wie eine automatisierte Maschine.

Beim Gig im Frannz Club spielten die Secret Machines vor allem Songs von ihrem aktuellen Album „Secret Machines” und dem Vorgänger „Ten Silver Drops”. Meist sang Brandon Curtis solo, nur ab und zu waren Textstellen mehrstimmig. Ein bisschen Jammer schwang da immer mit, wenn Brandon Curtis zum Mikro griff. Seine Stimme war klar, weit weg vom Vibrato. Irgendwie reizte sie mich auch an diesem Abend, ließ mich immer genau zuhören, welcher Inhalt damit transportiert wurde.

Zum Space-Rock gehört immer auch eine geeignete Bühnenatmosphäre. Besonders dann, wenn die Band eine dieser langgezogenen Klangstücke spielte, die mit ihrer sich stetig wiederholenden Synonymität der Rhythmen ewig anzuhalten schien. Inszeniert wurden diese Momente des Konzertes mit Lichtblitzen, die durchaus so etwas wie Raum und Atmosphäre erzeugten. Space-Rock lebt nicht nur von der Musik, sondern auch von seinen Effekten.

Das konnten selbst die drei Amerikaner nicht verhindern, dass sie so in Szene gesetzt wurden, auch wenn sie selbst maßvoll und gediegen rüber kamen. Darunter litt vielleicht das versiefte Image, das Rock-Bands sonst immer anhaftet, nicht aber ihre Musik. Die war richtig gut und erfüllte alle Erwartungen, die man an eine Space-Rock-Band stellt. Last.fm hatte also Recht.

www.myspace.com/secretmachines



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