Shaking all over!


The Mokkers Record Release Party im Bassy, 17.6.2011

Juni 25th, 2011 | 1 Kommentar ...  

Shaking all over!
The Mokkers, Photo dorfdisco

Von Moritz Drung

Nicht, dass ich mich nicht sowieso auf die Releaseparty der Mokkers im Bassy gefreut hätte – das All-Girl-Garage-Quintett aus Berlin garantiert einen krachigen Abend mit rauen Zweiminütern, heute plus Record-Release-Party ihrer lässigen Debüt-EP. Wenn man kurz davor aber einen so abgrundtief verwirrenden Gig sieht wie ich, weiß man die simple, energetische Show der Mokkers noch viel mehr zu schätzen.

Kurze Rückblende:

Halb 8, Pfützen in der Wildenbruchstraße. Vor den Mokkers noch ein wenig vom Festival 48 Stunden Neukölln mitnehmen: Gleich legt unser Tourischiff ab. Darauf eine Band im Sonnenuntergang. Vor drei Jahren war das grandios.

Reflexionen und Farbenpracht im Kanal. Dann erhebt sich ein Sänger mit Clownsfratze. Die lacht so schelmisch heraus, mir läuft’s kalt den Rücken runter. Cheesy Jazzpassagen, der Clown krächzt mit Helium-Stimme, dann Songs, bei denen ganz offensichtlich kein Bandmitglied singt, irgendwoher aber eine Stimme kommt. Der Clown tanzt dazu wie ein manischer Kobold. Dreimal die Entschuldigung, dass der englische Drummer fehle. Was zur Hölle? Am liebsten würde ich in den Kanal springen, zu den toten Ratten und den seltsam schillernden Fischen.

Wir vermuten, dass es sich wohl nur um eine ironische Verarschung des Publikums handeln kann – gemäß des Festivalmottos Luxus das international hippe Neukölln parodierend. Und tatsächlich, nach dem grauenhaften Gig applaudiert fast das gesamte Schiff: (here we are now/entertain us). Ich frage nach: Formelwesen waren das. Vorstellen wollten sie sich nicht. Die wichtige Gentrifizierungs-Debatte, sollte das das Thema gewesen sein, in allen Ehren: So eine creepy Perfomance kann einem schon mal den Glauben an die Musik nehmen.

Enter The Mokkers.

Drei Stunden später. Gleich mit ihrem Intro ist es, als ob man aus dem hellen Tageslicht in eine bebende Pinte tritt. Die garagigen Drums poltern, cleane Surf-Gitarren treiben, dazu ein melodischer Bass und es klappert, heute zum ersten Mal in der Bandgeschichte, ein Schellenkranz in den Saal hinein. Ein instrumenteller Stomper, zu dem das Bier in ungeahnter Geschwindigkeit läuft, genauso energetisch und aufs Wesentliche reduziert wie ein Link Wray Song.

Diese Formel zieht sich durch das Konzert, um den Gesang von Verita Egert erweitert. Ich bilde mir ein, eine anfängliches Wackeln wegen des neuen Tambourins zu bemerken. Allerdings habe ich die Mokkers wirklich oft gesehen und dem Spaß tut das keinen Abbruch. Ab dem zerrenden, wie eine rostige Dampflok vorbeizischenden “Ride” haben sie den vollen Saal im Griff. Shaking all over!

Während “This Boy” fällt mir erstmals auf, wie cool sie über Konventionen stehen. Vergleichbare Girls-Bands wie Dum Dum Girls, Vivian Girls, Gore Gore Girls beziehen sich meist derart stark auf Sixties-Schablonen, dass es bei aller musikalischer Qualität schnell durchschaubar wird. Die Mokkers hingegen singen jetzt in “This Boy” dreistimmig, dazu genauso simple wie unwiderstehliche Riffs – kurzweilig wie ein Pistolenschuss, der Gig. Diese Fuck-It-Eigenheit beschert mir immer ein Grinsen, wenn ich auf die Bühne blicke.

Photos: The Mokkers, 17. 6. 2011

In “Everyone” flacht die Lautstärke zugunsten einer weiten Landschaft ab, schleppend und faul wie ein Holly Golightly-Blues, der dir förmlich einen großen Glenfiddich aufdrängt.

In “Next Train” rattern die Akkorde in Halbtönschritten die Tonleiter hoch und runterr. Wann hört man so was mal im Garage? Wirklich erfrischend. Wo man hinguckt wird getanzt, gesoffen, gejubelt. So viel, dass die Mokkers gleich zwei mal auf die Bühne zurückkommen. Wir dürfen gespannt sein wie lange es braucht bis jemand die Band signt!

Um halb vier vor dem Bassy, das erleuchtete Schild des U-Bahnhofs geht schon wieder in die Himmelfarbe über. Irgendwie beruhigend. Nach tanzen sind mir und den Mokkers weniger, und so sitzen wird draußen, diskutieren die Vorteile von Whiskey und Rotwein und tauschen Getränkemarken. Also noch ein Whiskey. Und bevor jetzt jemand fehlende journalistische Pseudo-Neutralität beklagt: Natürlich bin ich als Kumpel der Band parteiisch. Unparteiische haben auf Rock ‘n’ Roll Konzerten aber auch nix verloren. Die können meinetwegen in die Politik. Oder auf das Tourischiff.

http://www.myspace.com/themokkers



Kommentare / Comments:

  1.  
    1. Äxl  

    Schöner Review! Danke! Das Konzert war allerdings am 18.06.2011. :-)