Schon wieder Punk!


UK Subs + Vibrators im SO 36, 19.01.2008

Januar 24th, 2008 | 0 Kommentare ...  

Schon wieder Punk!
UK Subs - Charlie Harper, Photos by Mike Menzel, Dorfdisco 2008

Von Mike Menzel

Da war es wieder. Dieses unbändige Verlangen gealterte Helden live erleben zu MÜSSEN – es könnte womöglich das letzte Mail sein. Bei manchen Künstlern ist man hingegen froh, wenn man sie das letzte Mal sieht.

Nicht so bei den beiden Bands, die sich an diesem Abend dem Publikum präsentierten. Es war noch nicht mal 21:30 Uhr als plötzlich das Gemurmel vom ersten Bass-Drum-Gewummer unterbrochen wurde, während ein unruhiges Gedränge in Richtung Bühne einsetzte. Mein Blick glitt durch die Reihen des Publikums – das Durchschnittsalter mag vielleicht jenseits der 30 gelegen haben, aber auch einige Teens und Twens fanden die 18EUR nicht zu teuer. Wann kann man schon mal den lebenden Beweis erleben, dass älter werden nicht mit Kaffee-Haus-Musike, hässlichen Klamotten und sonstigem Unfug einher gehen muss, den man so von seinen Verwandten, Nachbarn etc. kennt.

Die Vibrators stürmten nicht etwa auf die Bühne, sondern gingen relaxt unter erstem Jubel–Geschrei mit einem breiten Grinsen an ihre Plätze und fegten locker flockig ihr Set durch den sehr gut gefüllten Saal. Ein Glück das niemand die Pläne verwirklicht hatte das Konzert im kleineren KATO stattfinden zu lassen.

Während Ian ‘Knox’ Carnochran sich noch im Jahre 2004 mit pechschwarzem Haar in Berlin präsentierte, lugte unter der Basecap nun doch die eine oder andere graue Locke hervor. Steht ihm gut! Nur viel reden mochte der Herr nicht – die Ansagen kamen hauptsächlich von John ‘Eddie’ Edwards, der allerdings hinter seiner Schiessbude kaum zu sehen war – wenn er nicht gerade wieder seine zerbrochenen Sticks in Richtung Publikum feuerte (die dann teilweise Retour gingen).

Die Herren rumpelten sich mit gehöriger Spielfreude und lässiger Punk-Rock-Attitüde durch ihre umfangreiche Diskografie. Etwa eine Stunde Programm + ca. 10Minuten Zugabe mit knappen Ansagen garniert, reichte um die Meute nach „Disco in Moscow“ und „Baby Baby“ glückselig in Richtung Klo + Tresen zu schicken.

Was vor ca. 30 Jahren vom teilweise sicher identischen Publikum noch als kraftvoller Pogo zelebriert wurde, war hier stellenweise ein Umher-Pendeln von alten schwammigen Körpern, die all zu oft auf dem Boden landeten.

Ian Knox - Vibrators, Photo Mike Menzel © Dorfdisco 2007

Dass Hüpfen und Springen zur Musik als Ausdruck von Freude und Begeisterung dient, war mir bereits bekannt. Hier aber wurde mir etwas Neues geboten: 2 Kandidaten mit scheinbar bislang ungetragenen Jeans-Westen sowie frischen Aufnähern klatschten vehement johlend ihre fettigen Pranken immer wieder auf die Monitor-Boxen- ohne jedes Taktgefühl. Ob diese „Technik“ eines Tages einen ähnlichen Status wie Pogo oder Headbangen einnimmt wird die Zukunft noch zeigen!

Mit den ersten Takten von UK Subs wurde klar, dass die Stimmung im Publikum nun etwas kraftvoller und rauer (im positiven Sinne), nicht aber weniger herzlich, werden wird.

Charly Harpers Charme ist nach wie vor ungebrochen. Die Bewegungen erinnern an einen auf der Stelle hüpfenden, dickbäuchigen Teddy mit nicht mehr ganz so frischen Duracell – Batterien. An einigen Stellen wird aus dem Sympathie-Teddy dann aber auch wieder ein Überzeugungstäter.

Am Eindrucksvollsten kam das erwartungsgemäß beim alten Evergreen „Warhead“ zum Ausdruck. Viele dutzend in die Höhe gestreckte Fäuste und mindestens ebenso viele sangesfreudige Kehlen ergänzten sich überaus harmonisch mit dem Grundrhythmus – durch den Drummer vorgegeben – und Charlys Sprechgesang zum Ende des Songs.

Für mich war an dieser Stelle des Abends mein Speicher an Eindrücken voll. Die restlichen Hits sog ich in mich auf und wegen mir hätte das ewig so weiter gehen können.

Der energie-geladene Krach, der fiese Geruchs-Cocktail aus Schweiss und Bier, den ich jetzt beim Schreiben wieder in der Nase spüre, sowie die vergleichsweise freudig erregten Blicke von Bands und Publikum lassen nur das Fazit zu jetzt schon behaupten zu können eines der Konzert-Highlights des Jahres 2008 erlebt zu haben!

Shunt schrieb im Jahre 2004 über den UK Subs – Auftritt im Tacheles: „Zudem sind sie bis heute laut genug, um sich auch am nächsten Tag noch gut an sie zu erinnern.“ Dass dieser Satz noch heute nichts von seiner Aussagekraft eingebüßt hat, kann ich mit Verweis auf ein dauerhaftes Fiepen im Ohr noch am Tag 3 nach dem Konzert ausdrücklich bestätigen.



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