Schon wieder Abwärts


Abwärts Live im Columbiaclub, 29.10.04

Oktober 29th, 2004 | 0 Kommentare ...  

Schon wieder Abwärts

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Ich hatte weder damit gerechnet dass es mal wieder ein neues Abwärts Album geben sollte, noch dass ich es jemals noch einmal erleben würde auf eins ihrer Konzerte gehen würde. Doch Überraschungen aller Art liebe ich und alte Namen sowieso, also traf es sich im Columbiaclub zu einer Art Abwärts Revival mit Songs von der neuen LP “Nuprop”. Darum gings, deshalb auch die Vorgruppen nicht mitgemacht.

Erste Überraschung, die komplett in schwarzen Karstadt-Hemden gekleidete Band. Also den alt-politischen Aspekt der Solidarisation mit Losern der Gesellschaft nicht vergessen. Sieht sogar so gut aus, dass man sich fragen muss, ob der Konzern diese Hemden nicht mal mit ins Sortiment nimmt.

Der Gig selbst liess sich erstmal musikalisch schleppend an. Das schien den Kids, welches zur Hälfte jüngeren Datums entstand und wohl auch wegen der Empfehlung Rodrigo Gonzales’ von den Ärzten an der Gitarre kam, wenig zu kümmern. Von Anfang an wurde zurückgepogt was die Songs hergaben.

Und die sind allerdings im Vergleich zu dem was sich sonst so auf dem deutschsprachigen Rockmarkt tut immer noch erfrischend eindeutig was den Umgang mit dem Jetzt betrifft. Schließlich besetzt Sänger/Texter Frank Z. die Tradition von Rock oder Punk als politisches Instrument immer noch besser als eh, Mia, Rammstein, Helden usw. Die neue Singleauskopplung Terrorbeat schafft dies mit punkbarer Leichtigkeit, einem catchy Bad Religion ähnlichem Brecher unter einem lockeren Terror hier – Terror da, von West nach Ost, Nord nach Süd tanzt die Welt den Terrorbeat. Und der Terroresel, das bist du. Was sonst, stoopid?

Beim genauen hinhören fällt Frank Ziegerts’ Einstellung zu aktuellen Themen von Massenhypnose und Mediahype immer noch glaubwürdig aus, auch wenn die historische Relevanz der Band (deutsches Punk-original, erste Single “Computerstaat” 1 Jahr lang Nummer 1 der deutschen (Sounds-) Independent-Charts) in der heutigen Besetzung so nicht mehr rüberkommt.

Denn reihten sich nach dem Breaker Terrorbeat ein paar langsamere Stücke ein, die dem Konzert tatsächlich sowas wie gehobene Würde verliehen, und Klassiker wie Ich sehe Schiffe den Fluss hinunterfahren fallen auch nicht gerade wie gefühlte Abzocke ins Repertoire, verschwand durch das blosse Zurückziehen auf das Songmaterial doch eine gute Möglichkeit dem Publikum eine Packung Nu-Gegenpropaganda ansagemässig ins Bewusstsein zu agitieren, um damit Abwärts Live zusätzliches Gewicht zu verleihen. Der einzige, nicht ganz aufrührerische Spruch in diese Ecke jedenfalls kam von Rodrigo: “Heute schon bei Karstadt gewesen?”

Zur Zugabe gabs eine fast nicht anders zu erwartende extended Version von Computerstaat, und danach noch eine gefetzte Version von Iggy & the Stooges “Search and Destroy”. Danach gingen die Lichter an und das ohrenbetäubte Publikum strömte bedient zur U-bahn. Karstadt machte erst am nächsten Morgen wieder auf. Aber, geht man da wirklich hin?



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