Schicke Strumpfhosen- ramponierte Lederjacken


Dum Dum Girls, Chuckamuck, Monotonix, 22.05.10 // West Germany

Mai 26th, 2010 | 0 Kommentare ...  

Schicke Strumpfhosen- ramponierte Lederjacken

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Es ist einer der ersten warmen Tage in Berlin diesen Jahres, das Volk bereitet sich auf den Karneval der Kulturen vor und die Hipster und coolen Waldschrate versammeln sich an diesem konzertreichen Wochenende im West Germany. An diesem Samstag steht ein fulminantes Programm an: nicht nur beehren endlich endlich die Dum Dum Girls die Stadt. Kurz vorher wurden Chuckamuck als Support angekündigt – zurzeit die einzige Band in Berlin, der die Vereinigung von jung, nonchalant und gute Songs haben geglückt ist.

Die treten dann auch in üblicher Bühnenkleidung auf ebendiese und fangen an – unerwartet schunkelig. Die Jungs könnten auch im Laderaum eines LKWs als Soundtrack für’s Truckerfahren dienen, aber irgendwie klingt das trotzdem gut und zumindest haben sie’s selbst erkannt und ein Lied schlicht Autofahren genannt. Nach den ersten paar Minuten zündet es und es wird sich zum gelassen-treibenden Garagenzeugs bewegt bis das alles in scheppernder Ekstase endet. Gute Band, gute Band, denken sich die Waldschrate. Und wie kann man Chuckamuck nicht super finden, wenn sie schrägen Backgroundgesang mit leiernden Gitarren verbinden und dabei so klingen, als pflegten sie seit ihrem 10. Lebensjahr eine enge Bindung zu ihren Instrumenten. Augen offen halten!

Wenig später: vier überaus schöne Frauen in abgestimmter schicke Strumpfhosen-ramponierte Lederjacken Optik drängen sich nach vorne, greifen sich ihre Instrumente und spielen los. Man weiß gar nicht, wie einem geschieht, schon ist man vollkommen von den hypnotischen Stimmen und den abgeklärten Gitarren der Dum Dum Girls eingenommen.

Angefangen wird mit einem unbekannten Stück, aber sofort mit dem Opener von Debütalbum I Will Be weitergemacht: It Only Takes One Night leitet über zu einem Set, das kaum Pausen erlaubt und einen am Ende mit offenem Mund dastehen lässt.

Zu der stickigen Enge des West Germanys an diesem Abend, der einem glatt wie Hochsommer vorkommt, passt diese einnehmende Konzert wie der Lidstrich auf’s Auge. Wenn Dee Dee sich in schnellem, schrägen Deutsch bei Oh Mein Me versucht oder alle im gemeinsamen Gesang Yours Alone intonieren, mag und kann man sich absolut nicht losreißen – selbst, wenn man kaum zwei Musikerinnenköpfe sieht und mit der Wand tanzt.

Schließlich bleibt dem Publikum gar nichts anderes übrig als wieder auf den Balkon hinauszuströmen und diese großartige Performance – stilsichere Schlangenbewegungen hinterm Mikrofon, starr entrückter Blick und schnelle, fehlerfreie Songs – Revue passieren zu lassen.

Selbst, wenn ein paar Mal Lampenfieber durchzublicken schien, die Dum Dum Girls wirkten wie die geballte Perfektion im Zusammenspiel und Präsenz. Ob man in nächster Zeit nochmal eine stilsichere Band erleben wird, die Noise-Pop mit Psychanleihen derart originell und mitreißend präsentiert – ich wage es zu bezweifeln.

Wer auf die Idee kam, Monotonix zusammen mit den Dum Dum Girls spielen zu lassen, ist eine andere Frage. Auf der Suche nach schmeichelnden Beschreibungen landet man irgendwann bei „speziell“. Es machten sich während des Konzerts Diskussionen breit, ob diese wildgewordenen Israelis nun vor oder, wie geschehen, nach den Dum Dum Girls hätten auftreten sollen, da sie einfach ein ganz neues Kapitel an diesem Abend öffneten. Teilüberschriften waren „Ungewaschene Männer jetzt auch in schwitzig“, „Schädeltrauma durch Crowdsurfing“ und „Band erzwingt Hygieneskandal – Publikum macht Bekanntschaft mit dem Boden des West Germany“. Ja, überdreht und spannend und total hart und aufregend war das, aber musste dieses Gedresche nach den zwei umwerfenden Bands zuvor noch sein?

Man verließ das West Germany mit dem Wissen, gerade eine der großartigsten Bands des neuen Jahrzehnts erlebt zu haben und war ganz froh, dass einem die blauen Flecken und der kleine Hörsturz zwischendurch erspart blieben.

LINKS:

http://www.myspace.com/dumdumgirls

http://www.myspace.com/therealchuckamuck

http://www.myspace.com/monotonix



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