Save Your Soul for Rock’n’Roll


Jon Spencer Blues Explosion, Yeah Yeah Yeahs im Columbia Fritz, 2.4.2002

April 12th, 2002 | 0 Kommentare ...  

Save Your Soul for Rock’n’Roll
Jon Spencer: look here Jesus 2/4/2002 Columbiafritz Photo © Dorfdisco 2002.

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Die Jon Spencer Blues Explosion kam in alten Schuhen und spie Gift und Galle ins ausverkaufte Columbia Fritz. Vorweg noch die Yeah Yeah Yeah’s, wieder eine tolle JSBX Vorgruppe und N.Y.’ees Lieblinge momentan, das vom gewillten Publikum nicht minder honoriert wurde und genug Anlass gab zu einem Abend voll Save your Soul for Rock’n Roll!

Denn für über eine Dekade, bzw. neun Alben jetzt, versteht es Jon Spencer mit der Blues Explosion innovativ und auf den Punkt gerade nach vorn Rock’n Roll mit Blues und Punk zu vermischen, ohne eine gehörige Portion sublimen Sex auszulassen. Zwar bestand das Set für Puristen diesmal aus glatteren Rockriffs und weniger 3 Minuten in-den-Kopf Hauern wie es noch bei ‘Now I Got Worry’ oder ‘Extra Width’ der Fall war, dennoch wurde es so typisch roh, scharf und stürmisch vorgebracht, dass es immer noch Puree aus jedem Designerhirn macht, und das Publikum zu wilden Tanzausfällen bewog.

Das halbe Konzert gehörte klar der neuen Platte ‘Plastic Fang’. Auf der Bühne nickten sich Spencer und Bauer zu und schürten das Monster. Aber hörten wir nicht in der ganzen Dynamik schon ein bischen was von ‘Jumping Jack Flash’? An Russell Simins konnte es nicht liegen, sein Beat hielt wieder mal genügend Funk für zwanzig Alben. Doch der Wunsch das coole Rockalbum zu machen klang streckenweise zu hochgradig hysterisch die Bluesrockmeile runter, und fast verschwand Spencer’s Anlehnung an James Brown’s ‘The Hardest Working Man in Show Business’ hinter einer Wolke dunkler Mystik.

Judah Bauer - Shaking Rock'n Roll Tonight Pic: Dorfdisco

Judah Bauer - Shaking Rock

Denn ‘Plastic Fang’, das soviel bedeutet wie ‘Plasischer Giftzahn’ spielt mehr als zuvor mit Metaphern aus der älter gekochten Rocksänger Gilde wie Iggy, Cave oder frühem Little Richards, und besitzt im Vergleich zum von elektronischen Tanzexperimenten durchzogenem Vorgängeralbum ‘Acme Plus’ mehr was vom Evangelisten der genug rumgemacht hat, um eine Armee von weissen Blutsbrüdern zurück in die Schule zu schicken. Für manche Dj Abende ist dieses allseits verrissene Album jedenfalls immer noch der Retter.

Der Gig verlief so zu einer zunehmend kontrollierten, groovy Haltung, getragen allerdings von einem Publikum, das Jon Spencer angeblich hier mehr Respekt entgegenbringt als das ihrer Heimatstadt. Ein lockerer Judah Bauer spielte locker dem Beat nach, und ein seit 1 1/2 Std. angeheizter Jon Spencer ‘redete’ fanatisch weiter auf seine Weise mit einem völlig durchgeshakten Publikum. Ein Umstand, der sich bis nach dem Gig bei offenen Backstagetüren und extra breitem Bierkonsum fortsetzte. Die Band nahm’s sichtlich gerührt entgegen, Judah klatschte jedem in der ersten Reihe die Hand ab und Simins wusste erst gar nicht wo der Weg von der Bühne war. Nur Jon, nach dem Set auf seine geklebten Schuhe angesprochen, erklärte uns dass sie halt ‘arme Leute’ wären. Verkaufen wollte er sie aber nicht, stecken darin doch noch mehrere 100.000 Bluesvolt.



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