Rotzig Direkt


Rocket Freudental, Live im KingKongKlub, 18.3.2005

März 22nd, 2005 | 0 Kommentare ...  

Rotzig Direkt

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Ich stehe auf echt skurille Charaktäre. Auch darf nichts allzu oberflächig noch allzu missmutig behandelt werden. Will heissen, ich brauche den Eindruck dass überhaupt noch was behandelt wird.

Wenn dann noch der Eindruck einer Prise genialem Charme´s entsteht, dessen Offenbarung sich als etwas sehr eigenes, fern verbrauchter Muster und Klischees anzeigt und trotzdem mit so allgemein zugänglichen Themen wie Schicksal, Arbeit oder Zimmerpflanzen hantiert und so effektiv wie banal nur mit Selbstbauschlagzeug, E-Gitarre, Sampler und Stimme produziert wird ohne irgendwelche Rock- oder private Spaceatmos zu vernachlässigen, dann trifft dies auf diese 2-Mann Gruppe mit dem wunderschönen Namen Rocket Freudental.

Dabei ist der Bandname keine unanständige Anspielung, sondern ergab sich aus den beiden Musikerpsedonymen Bob Rocket und Pete Freudental a.k.a. Andre Möhl & Robert Steng, beheimatet im, jawoll, schönen Freudental, bzw. Besigheim bei Stuttgart, dessen zweite CD “Die Weisheit wächst auf Bäumen” durchweg beste Kritiken der einschlägigen Musikfachpresse erhielt.

Das nur zur Orientierung stand dieses Livekonzert im Berliner King Kong Klub an, und die Erwartungen waren zurecht hoch. Für 23 Uhr angekündigt betrat man eine Stunde später die kleine Bühne. Mit Bob Rocket’s Gitarre einem Kofferradio angeschlossen und Pete Freudental’s Sitz hinter einem verschlissenen Alucase setzte man zum minimalistischen Antibrei an, jedenfalls wurde es live spartanischer und dadurch noch rotzig direkter als von der Platte.

Auch war die Setlist lang. Ca. 30 Stücke, davon aber etliche mit nur 30sec. bis 2 min. Länge gab es zu hören, und darunter natürlich auch alle guten Stücke von der neuen “… Weisheit wächst auf Bäumen”, sowie dem 2000 Vorgänger “Wir arbeiten durch”. Dazwischen auch eine eingedeutschte, oder besser eingerockt-freudentalige Version von “Pleasure is the Boss” (Nick Cave/Die Haut), aber wahrscheinlich war ich so ziemlich der Einzige der dieses erkannte.

Trotzdem, trotz Ich-bau-Scheisse-Stapelweise Spontanpogo vermisste ich ein wenig mehr Saft. Sänger Bob Rocket exaltierte sich zwar hier und da mittels eingestreuter Luftsprünge wie auch einer ab und zu auszurufenen Plakativparole “Todesexplosionen!”, doch ist das auch nur Luft wenn das stark nuancierte Aktivpotential der aktuellen CD live trotz MD-backing oder auch mangels psychedelischer Gitarrensolos ungleich weniger zur Geltung kam. Lag es mal wieder nur am Sound?

Den Lo-fi Höhepunkt erreichte der Auftritt dann gegen Ende, als vor dem atmosphärisch-zynisch schönen Dankeschönlied “(Wir möchten uns bedanken- und für die Gattin-) Ein Strauss Blumen” ein bis dahin nicht erkannter Monitorfehler zu einer schmerzhaften Rückkopplung führte.

Da wuchs für manchen die Weisheit auch schon eher lautstark an der Bar, wo welche sich sogar lieber über ein sexistisches Anti-Bush T-Shirt (was passt denn daran noch?) unterhielten, als mit ein bischen Höflichkeit (!) Gästen aus einer anderen Stadt zunächst ihren Vortrag beenden zu lassen. Eine solche Behandlung hätte ich denn doch nicht erwartet – oder genauer gesagt: so etwas verdient man nicht.



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